Rollstuhlfahrer, Menschen an Krücken und alle anderen, die mit Treppen auf Kriegsfuß stehen, haben an der S-Bahn-Station Karl-Wiechert-Allee derzeit schlechte Karten. „Wegen Vandalismus gesperrt“ steht an dem Fahrstuhl, der hinab zum Gleis 1 in Richtung Stadtzentrum führt. Drüben auf der Gegenseite an Gleis 2 und 3 ist es nicht unbedingt besser, denn dort wird der Aufzug eindeutig als Pissoir benutzt. Mit anderen Worten: Der S-Bahnhof Karl-Wiechert-Allee befindet sich in einem beklagenswerten Zustand. Aber gegen Zerstörung und Verunreinigung hat die Deutsche Bahn bislang keine Lösung gefunden.
Auch wer die Treppenstufen bei Gleis 1 benutzt, bekommt von der Station einen entsprechenden Eindruck. Am Treppenaufgang sind die gläsernen Seitenwände mit Graffiti verschmiert und zerkratzt; Ähnliches zeigt sich an der Eingangstür zum Fahrstuhl. In Fahrtrichtung Lehrte ist der Lift technisch intakt. Seine Benutzung hingegen wird zu einer Zumutung. Ein beißender Geruch nach Urin verschlägt Fahrgästen hier fast den Atem, und in dem Metallboden der Kabine haben sich bereits dunkle Flecken festgesetzt. Über alledem wabern die Geruchsspuren einer Chemikalie, die hier offenbar Abhilfe schaffen soll.
Die S-Bahn-Station Karl-Wiechert-Allee ist auch für die Bahn eines ihrer Sorgenkinder. „Wir würden unseren Kunden gerne eine ordentliche und funktionierende Anlage bieten“, sagt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst. Doch gerade dieser Bahnhof werde leider sehr häufig von Randalierern heimgesucht. Brunkhorst beklagt, dass der Respekt vor öffentlichem Eigentum generell stark gesunken sei. Die Schäden durch Randalierer seien immens: Im vergangenen Jahr habe die Deutsche Bahn allein in Niedersachsen für die Beseitigung von Vandalismusschäden rund 3,4 Millionen Euro aufgewandt.
Auch am Bahnhof Karl-Wiechert-Allee werde jeder Fall bei der Bundespolizei angezeigt, die für die Bahnanlagen zuständig ist. „Doch der Vandalismus ist für uns ein Kampf gegen Windmühlenflügel“, klagt Brunkhorst. Denn die Täter würden meist unerkannt bleiben, und nach einer Instandsetzung sei oft schon kurze Zeit später wieder etwas kaputt oder verdreckt. Zwar werde die Station von Sicherheitskräften der Bahn sporadisch kontrolliert; für eine Überwachung rund um die Uhr habe das Verkehrsunternehmen aber keine Kapazitäten.
Der defekte Aufzug an Gleis 1 soll nun so bald wie möglich repariert werden. In punkto Sauberkeit wird der Bahnhof alle 14 Tage einer Grundreinigung unterzogen. Demnächst ist also auch der besudelte Fahrstuhl gegenüber wieder an der Reihe – bis sich jemand erneut darin „verewigt“. Für einige Fahrgäste scheint indessen klar zu sein, wer den unleidlichen Zustand im Bahnhof Karl-Wiechert-Allee zu verantworten hat: Das seien mal wieder „die“ aus dem Roderbruch, heißt es ohne lange Überlegung.
Von Gerda Valentin
Kommentare
@Oke Bandixen Benno – 02.08.10
Wenn die Bahn hinter jedem potentiellen Vollidioten einen Kontrolleur stellen soll, dann kostet die einfache Fahrt im Tarifverbund GVH 100 €.Aber vielleicht reicht ja bei Dir die elektronische Fussfessel aus - sollten wir doch einfach mal ausprobieren.
Randalierer verunstalten S-Bahnhof HAZ Leser – 29.07.10
Da sieht man wieder wie blöd dieMenschen doch sind,die Niedersachsen sind besonders blöde.
Soviel Dummheit und Aroganz.
Alles was einen nicht selber gehört
wird zerstört.
Jeder schaut weg und giebt den anderen die Schuld.
Unternehmen Kuhzunft! Oke Bandixen – 29.07.10
Das kommt dabei raus, wenn die Bahn am Personal spart: sie muss regelmäßig ihre Bahnhöfe renovieren. Das gilt übrigens auch für das rollende Material ... Was lehrt uns das? Das Leben funktioniert anders als die reine Betriebswirtschaftslehre!Überwachungskameras? JS – 29.07.10
Sind dort nicht auch Überwachungskameras installiert?Wenn nein kann ich mir vorstellen, dass mit deren Hilfe die Täter abgeschreckt und dingfest gemacht werden können. Außerdem dienen sie zur Aufklärung und abschreckung anderer Straftaten.
Kriminelle Karrieren Benno – 29.07.10
Egal, ob das „die aus dem Roderbruch“ gewesen sein sollen (wer immer denn mit „die“ gemeint gewesen ist; wieso entblödet sich eigentlich ein Journalist, solch einen Quark zu schreiben?) oder aus anderen Gegenden: jedenfalls sind das Kriminelle, deren asoziales Verhalten strafrechtlich zu verfolgen ist. Da geht es nicht nur um Sachbeschädigung. Es geht darum, dass unsere Gesellschaft von derartigen Gestalten kriminalisiert wird.Die Station liegt nun einmal relativ einsam und bietet für solche Kriminelle gute Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten. Deshalb hilft nur eins: öfter kontrollieren, auch einmal von der Landespolizei. Und von Videokameras überwachen lassen.
Und wenn dann endlich jemand erwischt und dingfest gemacht wird, dann müssen die Richter schnell und mit der vollen Härte des Gesetzes ahnden. Nur so kann verhindert werden, dass aus „Sachbeschädigungen“ kriminelle Karrieren entstehen.
S-Bahn Roderbruch ? – 29.07.10
Warum stehen denn wohl an der Endstation Roderbruch bei der Üstra Protec Security ?