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Rückblick auf glanzvolle Zeiten

Bothfeld Rückblick auf glanzvolle Zeiten

Der Männergesangverein Concordia besteht seit 140 Jahren – und ist damit Bothfelds ältester Verein. Zum Jubiläum singt der traditionsreiche Chor, dem längst auch Frauen angehören, am Sonnabend, 27. Juni, ab 17 Uhr in der Nicolaikirche in der Sutelstraße.

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Noch 1950 bestand der Chor nur aus männlichen Mitgliedern.

Quelle: Sonja Weiße

Hannover. Recht bescheiden muten die anstehenden Festivitäten zum 140-jährigen Bestehen des Männergesangvereins (MGV) Concordia an, wenn man sie mit denen aus Anlass früherer Jubiläen vergleicht. Es müssen rauschende Feste gewesen sein, das liest man selbst aus den nüchternen Notizen in den Chroniken heraus. Und heute? Da gibt es zum Jubiläum des traditionsreichen Vereins schlicht ein Konzert. Am Sonnabend, 27. Juni, singt der Chor, dem längst auch Frauen angehören, ab 17 Uhr in der Nicolaikirche in der Sutelstraße.

Über den 50. Jahrestag im Jahr 1925 hatte es in den Chroniken noch geheißen: „Keine Straße war ohne Fahnen und Girlanden.“ 46 befreundete Vereine kamen, einige aus Celle und Bremen. Das Jubiläumsfest 1950 dauerte ganze drei Tage. Am ersten Tag gab es einen Ball in Festzelten auf dem Festplatz in der Sutelstraße, am zweiten einen Umzug durch geschmückte Straßen, am dritten ein Essen mit Reden und Vorführungen von „Reigen und Volkstänzen“. Zum 90. Jubiläum kam auch der Chor der Universität Bristol. Der Festumzug wurde angeführt von Reitern, dazu spielten drei Musikkapellen und ein Spielmannszug. Zum 100. Geburtstag heißt es dann: „Diese Jubiläumstage entwickelten sich zu einem richtigen Volksfest.“ Der damalige Bundespräsident Walter Scheel reiste an und überreichte eine Plakette.

Jetzt, beim Jubiläumskonzert, ist wenigstens der Chor Kalinka zu Gast, der ebenso wie der MGV Concordia von Galina Schneider geleitet wird. Zudem ist noch ein Stiftungsfest im Dezember geplant, das aber eigentlich jedes Jahr stattfindet. Man kann es beim besten Willen nicht anders sagen: Der Männergesangverein Concordia hat schon bessere Zeiten gesehen. Das zeigt auch ein Blick auf die Mitgliederzahlen. In den Hochzeiten sangen hier 150 Männer. Heute sind es 13 Männer und 35 Frauen, im Durchschnitt über 70 Jahre alt.

Die Mitglieder schaffen es trotzdem, die Tradition aufrecht zu erhalten. Der Chor ist nach wie vor stimmgewaltig und präsentiert vierstimmig Volkslieder, geistliche Lieder, Popsongs oder Operettenstücke - unter anderem beim offenen Singen im Stadtpark oder auf dem Bothfelder Herbstmarkt. Die Weihnachtskonzerte sind so beliebt, dass der Küster im vergangenen Jahr zusätzliche Stühle in die Nicolaikirche tragen musste.

Auch gesellig ist das Vereinsleben nach wie vor - wenn auch mit Abstrichen im Vergleich zur Vergangenheit. Heinz-Dieter Ertmer, seit 1962 Mitglied im Verein und seit 36 Jahren erster Vorsitzender, kann sich noch gut an seine ersten Begegnungen mit Mitgliedern erinnern. „Meine Mutter hatte eine Gaststätte, die Förster Christel“, erzählt er. „Dort kehrten die Sangesbrüder nach den Proben gern ein.“ Dass Wein und Gesang bisweilen nahe beieinanderlagen, war beim Männergesangverein Concordia ein wenig im System begründet. Denn Vereinslokal war lange eine Gaststätte, zunächst 50 Jahren das Gasthaus Stöckmann, dann ab 1960 Wöhlers Gasthaus an der Podbielskistraße, etwa in Höhe des früheren Oststadtkrankenhauses. Eine Pause von 20 Minuten war während der Proben vorgeschrieben - damit der Wirt auch etwas von den Besuchern hatte, denn eine Saalmiete erhielt er nicht. „Da wurde dann in der Pause ein kleines Schnäpschen genommen“, erzählt Ertmer. Und auch nach den Proben blieben noch etliche Mitglieder in der Gaststätte. Doch vor etwa 35 Jahren wurde Wöhlers Gasthaus in eine reine Speisegaststätte umgewandelt, und der Chor musste auf die Gemeinderäume der Nicolaikirche ausweichen.

Nach einer Probe gemeinsam ein Lokal zu besuchen, scheitert heutzutage schon daran, dass es keine große Auswahl an Gaststätten in der Nähe der Kirche gibt. „Der Grieche hat leider ausgerechnet am Dienstag zu“, bedauert Ertmer. Dann wird geprobt. Aber der Verein organisiert weiterhin gemeinsame Wanderungen, Essen, Reisen und Feiern - auch wenn einige Mitglieder mittlerweile nicht mehr so gut zu Fuß sind.

Die Geselligkeit und die Kameradschaft sind es auch, die für Ertmer den Reiz des Vereins ausmachen. „Es sind richtige Freundschaften entstanden.“ Und natürlich ist es die Musik, die die Mitglieder vereint. „Beim Singen kann man abschalten. Man ist ganz woanders“, schwärmt Chorsprecherin Elisabeth Lonchant. Doch neue Sänger zu finden sei leider schwierig. „Wir haben auch schon Zettel verteilt, aber das hat nicht viel gebracht“ bedauert Ertmer. Mundpropaganda bringe noch am meisten. Mitsänger sind bei den Proben dienstags in der Zeit von 17 bis 19 Uhr in den Gemeinderäumen der Nicolaikirche jedenfalls gern gesehen. Notenkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich, eine Stimmprobe findet nicht statt.

Von Sonja Weiße

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