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Ost Schillerschule bekommt MINT-Mitgliedschaft
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Schillerschule bekommt MINT-Mitgliedschaft
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12:11 25.11.2013
Von Stefanie Kaune
Unterricht als naturwissenschaftlich-technische Praxiseinheit: Die Oberstufenschüler Annika Kramer, Liane Gaedicke und Johannes Heipke untersuchen ein Schweineherz. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Wenn Stefan Zantop beim Schlachter seines Vertrauens eine Bestellung in Auftrag gibt, geht es nicht zwingend um kalte Platten oder den vorbereiteten Sonntagsbraten. Zantop ist Biologielehrer an der Schillerschule und ordert beim Schlachter Anschauungsmaterial - zuletzt etwa Schweineherzen für einen kompletten Bio-Leistungskurs. Nun liegen die Herzen im Klassenraum A 7 in flachen Schalen auf den Tischen. „Wir wollen Biologie nicht nur aus dem Buch oder am Modell erklären, sondern die Schüler sollen selbst experimentieren“, sagt Zantop. Dieser Ansatz gehört zum Profil, das die Schillerschule seit Jahren im Unterricht von der fünften bis zur zwölften Klasse pflegt: Auf die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) wird dort viel Wert gelegt.

Für dieses Konzept hat das Kleefelder Gymnasium jetzt den Ritterschlag erhalten: Als einzige Schule in Niedersachsen ist des neu in das bundesweite Exzellenznetzwerk MINT-ec aufgenommen worden. Insgesamt wurden von 40 aktuellen Neubewerbungen für eine Mitgliedschaft im Netzwerk nur drei Schulen bundesweit von einer Jury ausgewählt. Der Verbund aus Firmen, Hochschulen und Schulen hat es sich zum Ziel gesetzt, den naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs an Gymnasien durch Workshops, Praktika und Kooperationen zu fördern und für die entsprechenden Berufe zu interessieren. Die Mitgliedschaft wird nach drei Jahren überprüft und neu zertifiziert.

„Die Schillerschule bietet alles, was wir uns wünschen - eine kontinuierliche starke MINT-Ausrichtung von der Sekundarstufe I bis zur Oberstufe“, sagt Niki Sarantidou, Geschäftsführerin des MINT-ec, die vergangene Woche zur Feier der Neuaufnahme der Schillerschule ins Netzwerk aus Berlin angereist war. Zudem könne die Schule erfolgreiche Wettbewerbsteilnahmen ihrer Schüler etwa bei Jugend forscht sowie Mathe- und Chemieolympiaden vorweisen, ergänzt die promovierte Politikwissenschaftlerin, die sich ein naturwissenschaftliches Studium früher nach eigenen Angaben „nicht getraut“ hat. Heute ist die Förderung speziell von Mädchen in diesen Bereichen eines der Anliegen des MINT-ec.

30 bis 40 Veranstaltungen pro Jahr werden bundesweit für die derzeit 184 MINT-ec-Schulen von dem Exzellenzverbund finanziert. Beate Günther, Leiterin der Schillerschule, kann sich etwa vorstellen, die Kontakte zu den Firmen Bahlsen, Sennheiser und Kind auszubauen und dort in Kooperation mit MINT-ec Workshops anzubieten. „Die Mitgliedschaft ist eine tolle Anerkennung für unsere Arbeit, und die Schüler haben richtig etwas davon“, sagt sie. Die Aufnahme im MINT-ec sei zudem eine Bestätigung der Elternarbeit zur Unterstützung der naturwissenschaftlich-mathematischen Fächer, betont Nikolaus Lange, Führungskraft bei Intel Deutschland und Vater zweier Schillerschüler. Seine Tochter habe in der elften Klasse Mathe und Physik als Schwerpunkte gewählt und beweise damit, dass auch Mädchen sich für MINT-Fächer begeistern können. Sein Sohn im zwölften Jahrgang interessiere sich dagegen eher für Gesellschaftswissenschaften.

Auch Annika Kramer und Liane Gaedicke, 18 und 17 Jahre alt, die mit ihrem Mitschüler Johannes Heipke eines der Schweineherzen vom Schlachter sezieren, zeigen Interesse am naturwissenschaftlichen Bereich. Annika hat bereits ein Pharmaziepraktikum an der Medizinischen Hochschule (MHH) absolviert, Liane hat sich dort die Chirurgie näher angesehen. Eklig finden beide es nicht, das Tierherz zu untersuchen. Und Mitschüler Jonas Böhme, der in einer anderen Tischgruppe an dem Organ arbeitet, weiß sogar schon, dass er Mediziner werden will.

Die jüngeren Schüler lernen derweil Physik lebensnah kennen und basteln eine Lochkamera aus Pappröhren, schwarzem Karton und Butterbrotpapier. Der zwölfjährige Nils und der elfjährige Anton aus der 6 b haben keine Probleme mit der Bauanleitung, die ihnen ihre Lehrerin Nadine Bröker vorgelegt hat. „Wir machen zwar am liebsten Sport und Musik, doch Physik können wir auch gut“, meint Nils, und sein Freund nickt dazu.

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