Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Ost Künstler Franz Betz schafft Kunst mit Publikum
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Künstler Franz Betz schafft Kunst mit Publikum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 28.02.2018
List

Orangefarbene, stimmungsvolle Beleuchtung erhellt den Raum im Sheraton Hannover Pelikan Hotel. Licht, das ist genau sein Thema: Franz Betz hat eingeladen, um von seinen künstlerischen Projekten zu erzählen, rund 30 Gäste haben sich dafür zusammengefunden. 

Den Schwerpunkt an diesem Abend hat er auf die von ihm sogenannte Schwarmkunst gesetzt: „Bei Franz Betz hat Kunst sehr viel mit Menschen zu tun“, stellte die Buchhändlerin und Literaturwissenschaftlerin Ulrike Groffy den Künstler vorab vor. In dem einstündigen Vortrag berichtete Betz schließlich unter anderem von seinem Projekt „Strichcode“, das sich mit der Rotlicht-Szene Hannovers befasst, die sogenannten Lichtbloobs, die sich um Energiesparlampen drehen, und das Projekt „Kleefeld leuchtet“, das beliebte Treffpunkte und alltägliche Gegenstände in Kleefeld illuminiert. Die Idee für Letzteres kam Betz, da sich sein eigenes Atelier, das „Trafolab“, in Kleefeld befindet. 

Auch stellte er sein vermutlich bekanntestes Werk vor: den Skulpturenbaukasten, das Stadtgeschenk Hannovers. Bei diesem können verschiedene Objekte zu individuellen Skulpturen geformt werden. All diese Werke haben einen Aspekt gemeinsam: Die Besucher werden aktiv in das Erschaffen der Kunstwerke integriert. „Schwarmkunst“ nennt Betz dieses System, das das Publikum von Messen ebenso wie Mitarbeiter des Laserzentrums Hannover begeistert. Er selbst fungiert dabei nicht als Gruppenführer, sondern mehr als Assistent. „Ich biete nur Hilfestellungen“, erklärte Betz. Es sei sehr interessant zu sehen, wie verschieden Menschen mit Kreativität umgehen, sagte er, vor allem im Bezug auf die Arbeit mit den Wissenschaftlern des Laserzentrums. 

Auch die Gäste des Vortrags wurden an dem Abend zu einem Teil seiner Projekte: Gemeinsam erschufen sie am Ende der Veranstaltung eine „Lesestundenskulptur“ aus Skulpturenbauteilen, die sie mit Pelikan-Füllern beschrifteten. Dabei kamen unter den Gästen angeregte Unterhaltungen über Betz’ Kunst auf. „Ich bin ganz fasziniert davon, wie er seine Werke mit diesen LED-Lichtern in Verbindung bringt“, staunte eine Besucherin im Hinblick auf das Schulprojekt „Stadt bei Nacht“. 

Die Skulptur bleibe der Lesestunde hoffentlich erhalten, sagte Groffy. Mit etwas Glück kann sie am 7. März beim nächsten Vortrag bestaunt werden. 

Teil der Kunst werden

Herr Betz, wie entstand die Idee zur „Schwarmkunst“?

Die Idee kam schon mit dem Bau der Skulpturenbaukästen. Das war um 1999. Konkreter ist es dann acht bis neun Jahre später geworden. Es war ein Prozess, zu merken, dass ich Menschen dazu bringen kann, Teil des Kunstwerks zu werden, das Kunstwerk auch anzufassen und sich sozusagen in das Kunstwerk zu integrieren. 

Was ist das Ziel, das Sie mit dem Projekt „Schwarmkunst“ erreichen wollen?

Ich versuche, mit möglichst vielen Menschen Kunstwerke zu erschaffen und sie in eine ganz andere Erfahrungswelt zu bringen. Zu sagen: „Ich werde Teil des Kunstwerks, ich kann mitmachen, ich muss es nicht nur konsumieren.“ Das ist auch eine Konsumkritik an sich: Wenn du heute in ein Museum gehst, dann steht neben jedem Bild ein Wärter und passt auf, dass du das nicht anfasst. Aber es ist doch mehr das Gegenteil: Wenn man sich das Kunstwerk aneignet, ist das viel spannender. Es ist einfach eine moderne, zeitgemäße Form, Kunst mit vielen Menschen zu machen.

Was für Rückmeldungen geben die Teilnehmer?

Es gibt durchweg positive Meldungen von denen, die sich darauf einlassen. Das Schwierigste ist es, den Teilnehmern zunächst die Angst zu nehmen, kreativ zu sein. Die sagen meistens: „Mit zehn Jahren habe ich zum letzten Mal gemalt, ich kann das nicht.“ Dann sage ich: „Doch, du kannst das. Mal einen Kreis in die Mitte von dem Blatt. Dann stell dir vor, das ist ein Stein, der ins Wasser fällt, der zieht dann weitere Kreise. So führe ich sie heran, und auf einmal fangen sie an zu malen und werden kreativ. Das kommt gut an.

Von Nele Schröder