Anderten. Auf den ersten Blick ist es ein ungewohntes Bild, das die Hindenburgschleuse in Hannover-Anderten abgibt: Dort, wo jedes Jahr rund 17.000 Schiffe vorbeikommen und für Betrieb sorgen, herrscht Stille. Der Mittellandkanal ist am Montag zugefroren, das Rauschen des Wassers verstummt. Nur der Verkehr auf der nahe gelegenen Bundesstraße 65 ist leise zu hören. Das Winterwetter hat die Binnenschifffahrt in Niedersachsen weitgehend zum Erliegen gebracht.
Ein letzter Schiffskonvoi hat sich am Morgen an der Schleuse Rothensee bei Magdeburg auf den Weg in Richtung Westen gemacht - er wird von zwei Eisbrechern unterstützt, die noch einmal die Fahrrinne freimachen sollen.
Sobald der Konvoi an der Schleuse Sülfeld bei Wolfsburg angekommen ist, wird die Oststrecke des Mittellandkanals - einem Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Braunschweig zufolge - für die Schifffahrt gesperrt. Wenn die Schiffe voraussichtlich am Dienstagabend die Schleuse in Anderten erreichen, wird auch dieses Teilstück dicht gemacht.
Auf der Südseite der Hindenburgschleuse haben bereits die beiden Binnenfrachter „Tor Hamburg“ und „Odin“ festgemacht. Weil Elbe und Elbe-Seitenkanal schon seit Samstag nicht mehr befahrbar sind, bleibt den Schiffen nichts anderes übrig, als auf steigende Temperaturen zu warten.
Obwohl landesweit viele weitere Frachter feststecken, sieht man beim Bund der Deutschen Binnenschifffahrt keinen Grund zur Beunruhigung. Die Situation sei nicht ungewöhnlich. „Weder Schifffahrt noch Kunden überrascht ein Wintereinbruch im Februar“, sagte ein Sprecher.
Auch bei der Hindenburgschleuse in Anderten bleibt man gelassen. Die ungewohnte Ruhe nutzen Maschinisten für Wartungsarbeiten, für die bei normalem Betrieb keine Zeit ist. Damit das 83 Jahre alte Bauwerk bei den eisigen Temperaturen keinen Schaden nimmt, sind außerdem alle Sprudelanlagen im Einsatz. Sie sorgen dafür, dass das Wasser in Bewegung bleibt und nicht gefrieren kann.
„Eher wird der ganze Mittellandkanal gesperrt, als dass die Schleuse nicht mehr schleusen kann“, sagte der stellvertretende Betriebsstellenleiter Rüdiger Kastaun. Für die Schiffe bedeutet das dicke Eis dennoch Endstation.
dpa
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