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Ost „Wo Platt gesprochen wird, fühlt man sich zu Hause“
Hannover Aus den Stadtteilen Ost „Wo Platt gesprochen wird, fühlt man sich zu Hause“
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00:15 25.01.2014
Von Margret Jans-Lottmann
Werner Peycke (li.) bringt immer neue Geschichten in die Klönstube mit – dann gibt es häufig etwas zu lachen. Quelle: Philipp von Ditfurth
Bothfeld

Gerade hat jemand den ersten Teil der plattdeutschen Nachrichten von Radio Bremen vorgelesen, da stellt sich in der Runde auch schon die erste Frage: „Lidmaat von de Düütsche Bahn, was heißt denn das?“ Werner Peycke übersetzt: „Lidmaat, das ist ein Mitglied der Deutschen Bahn.“ Politik und Weltgeschehen - das ist auch auf Plattdeutsch nicht leicht zu verstehen. Das aber will Peycke ändern. Der 75-jährige ehemalige Bauingenieur leitet „De Plattdüütsch Klöönstuuv“ in Bothfeld und lädt dazu alle 14 Tage abwechselnd in die St.-Nicolai- und in die St.-Nathanael-Gemeinde ein. Dann werden in der Gruppe Geschichten, die Bibel und Nachrichten auf Platt gelesen, es wird geklönt und es werden Lieder gesungen. „Plattdeutsch ist eine wunderbare Sprache“, schwärmt Peycke.

Werner Peycke stellt sich vor - auf Platt:

Das Plattdeutsche lernte Werner Peycke in jungen Jahren kennen und lieben. Das Schicksal hatte ihn 1944 als Kind in die Lüneburger Heide gebracht. Im Dorf wurde Platt gesprochen - und er wollte mitreden. So entwickelte sich bei ihm die Liebe zum Plattdeutschen. Viele Jahre später wurde diese Liebe wieder erweckt, als die Familie Peycke ein kleines Bauernhaus als Ferienhaus in der Nähe von Bergen kaufte. Für Werner Peycke stand fest: Ich will Plattdeutsch lernen. Er besorgte sich plattdeutsche Lehr- und Lesebücher, stellte eine lange Liste der wichtigsten Verben zusammen und arbeitete alles akribisch durch. Es sei nicht einfach, diese Sprache zu lernen, erzählt Peycke. Denn Plattdeutsch sei eine sehr lebendige, bildhafte Sprache und habe überall einen anderen Klang. Dafür nennt er gleich ein Beispiel: „Verstorbene werden nicht auf dem Friedhof beerdigt, sondern ins Grab gebracht“. Damit sei das Plattdeutsche aber viel näher am Menschen, als die hochgestellte Akademikersprache.

Infos zur Klönstube

Zum Programm der plattdeutschen Klönstube gehören Fahrten in die Lüneburger Heide und Besuche des Ohnsorg-Theaters in Hamburg. Nähere Auskünfte gibt Werner Peycke unter der Telefonnummer (0511) 65 27 89 oder der E-Mail-Anschrift werner@peycke.de

Sein Wissen wollte Werner Peycke jedoch nicht für sich behalten. So kam er gemeinsam mit Pastor Christian Kohn von der St.-Nicolai-Gemeinde auf die Idee, eine plattdeutsche Runde ins Leben zu rufen. Vor sieben Jahren gründeten sie dann „De Plattdüütsch Klöönstuuv“. Beim ersten Mal trafen sich neun Frauen und Männer im Gemeindehaus von St. Nathanael. Es dauerte jedoch nicht lange bis die Gruppe wuchs. Inzwischen zählt sie 23 Köpfe - und es kommen immer wieder neue hinzu. „Bislang sind alle dabeigeblieben“, stellt Peycke denn auch ein wenig stolz fest.

Zwischen 64 und 93 Jahre alt sind die Frauen und Männer in der Runde. Manche von ihnen kennen die plattdeutsche Sprache noch aus ihrer Kindheit. „Ich bin damit in einem Dorf bei Walsrode aufgewachsen“, erzählt Bärbel Reese. Auch Hermann Hornbostel stammt aus einem Dorf, in dem Plattdeutsch die Hauptsprache war. „Die Erwachsenen haben mit uns Kindern aber nur Hochdeutsch gesprochen“, sagt er. Nun wolle er Plattdeutsch lernen, damit die Sprache nicht verloren gehe.

Einige in der Gruppe haben Plattdeutsch indes erst als Erwachsene gelernt oder tasten sich langsam an die für sie fremde Sprache heran. „Ich kann das doch nicht auf Platt lesen“, sagt eine Frau und macht dazu ein zerknirschtes Gesicht, als Peycke sie bittet, eine Passage aus einer Geschichte vorzulesen. Aus der Runde erntet sie wohlwollendes Gelächter. „Manche haben noch Angst, Platt zu sprechen, und dazu wird bei uns auch niemand gezwungen“, betont Peycke. „Schließlich soll es allen ja Spaß machen.“

Wenn die Männer und Frauen auch unterschiedliche Voraussetzungen fürs Erlernen der plattdeutschen Sprache mitbringen - in einem sind sich alle einig: Wo Platt gesprochen wird, da fühlt man sich zu Hause. „Auf Platt sagt man genau das, was man wirklich meint“, betont Heinrich Battermann. Diesen Eindruck habe er beim Hochdeutschen oft nicht. „Und das Plattdeutsche kennt keine Unwörter wie Globalisierung, Weltwirtschaftskrise oder Gebäudemanagement“, fügt der 71-Jährige schmunzelnd hinzu.

Und noch eins ist der Runde wichtig: Sie widerspricht dem vielerorts bestehenden Vorurteil, wer Plattdeutsch spreche, lebe hinterm Mond. „Man ist nicht dösig, wenn man Platt spricht“, betont Hannelore Hamburger. Und Bärbel Reese sekundiert: „Wer zwei Sprachen sprechen kann, der ist kein Döskopp.“

Werner Peyckes Vokabeltrainer als Audio:

Wi lehrt Platt – eine Vokabelhilfe

Froag – Frage

Runn – Runde
klauk krieg’n – erklären
Freuher – Früher
Dööntjes – Geschichten
taumeut koom’n – begegnen
Leiv – Liebe
Buurnhuus – Bauernhaus
Leesbeuker – Lesebücher
tauhoop’n – zusammen
inne Reeg broacht – geordnet
in Biller leevt – in Bildern sprechen
de dood bleeb’n is – gestorben
Kösters Kamp – Friedhof
Lüdd – Leute
nöger an de Minsch’n – näher am Menschen
hochdütsch – hochdeutsch
jümmers – immer
middewiel – mittlerweile
weet’n loat’n – wissen lassen
alltiets grötter – immer größer
vullwuss’n – erwachsen
Pleseer – Spaß
vertell’n – erzählen
eindoont – dasselbe
höög´n – erfreuen
dwungen – gezwungen
nipp un nau – genau
faken – oft
Unwöör – Unwörter
bottert – ergänzen
smüüstern – schmunzeln
Maand – Mond
kein – wer
dösig – dumm
Dööskopp– Dummkopf

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