Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Oststadt Hunderte tauschen Kleider im Pavillon
Hannover Aus den Stadtteilen Oststadt Hunderte tauschen Kleider im Pavillon
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 21.05.2016
Oststadt

Die 19-jährige Rieke steht auf den Festival-Look. Zu ihren ausgewaschenen Jeans-Hot-Pants trägt sie ein knappes schwarzes Shirt, eine bunte Tasche und Turnschuhe. Über den Arm hängen zwei Batik-Shirts, die sie sich gerade aus den großen Haufen von Secondhandklamotten gefischt hat, die sich im Pavillon auftürmen. Zum zweiten Mal lud die Jugendgruppe Conzoom dort zur Kleidertauschparty. „Ich finde gut, dass die Sachen wiederverwertet werden“, sagt Rieke. Eine Freundin hatte ihr von der Veranstaltung erzählt, deshalb ist sie extra aus Springe mit dem Zug angereist.

Zum zweiten Mal lud die Jugendgruppe "Conzoom" zum Kleidertausch in den Pavillon. Die Textil-Party-Reihe lockt junge Frauen aus der ganzen Region und hat bereits Nachahmer.

Im März bei der ersten Conzoom-Kleidertauschbörse kamen gleich mehr als 1000 Besucher. Das Prinzip ist einfach. Bis zu acht ausrangierte Kleidungsstücke darf jeder mitbringen. An der Warenannahme tauschen die jungen Conzoom-Macherinnen die Teile gegen Wertmarken. Für jede Marke darf ein anderes Teil ausgesucht werden. Was am Ende niemand haben will, geht als Spende an das Sozialkaufhaus Fairkauf.

„Das Tauschgeschäft ist eine bessere Art von Konsum, weil es ohne Geld auskommt“, erklärt die ebenfalls 19-jährige Liv Bertram. Gemeinsam mit sechs weiteren Helferinnen und Helfern hat sie die Gruppe Conzoom bei ihrem Freiwilligen Ökologischen Jahr gegründet. Was ursprünglich ein Seminar-Projekt war, hat inzwischen ein Eigenleben entwickelt. Neben den Kleidertauschpartys hat Conzoom auch einen „Flaishmob“ zum Thema Fleischkonsum sowie einen „Fit and Healthy Day“ auf die Beine gestellt. In einem Workshop haben die Macher vegane Smoothies und Cremes gemixt. „Aufklärend und verständnisvoll“, so schreiben sie auf ihrem Flyer, wollen die Jugendlichen so informieren.

Die Mischung aus trendigem Nachhaltigkeits-Lifestyle und dezenter Konsumkritik kommt an. Trotz Sonnenschein sind die von Fairkauf geliehenen Kleiderständer und Wühltische mit Bergen aussortierter Sachen gefüllt. Es geht zu wie beim Schlussverkauf. Jedes Mal wenn eine neue Ladung Klamotten auf dem Sortiertresen landet, bildet sich eine Traube. Bis auf wenige Ausnahmen sind kaum Männer unter den Besuchern.

„Ich würde mich freuen, wenn es auch unter Jungs populärer wird“, sagt Maximilian Kleinau. Ein altes Shirt hat er gegen ein Louis-Vuitton-Tuch getauscht - ein Imitat freilich. Das gefälschte Designer-Tuch verdeutlicht gut die Mentalität, mit der viele hier ihre Sachen aussuchen. Der Wert der Teile bemisst sich nicht mehr nach Marke oder Qualität. Stattdessen stehen Originalität und die Einzigartigkeit im Vordergrund. „Altes zu tauschen ist besser als Neues zu kaufen“, meint Conzoom-Initiatorin Liv Bertram. Auch das Landesministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung findet das Konzept der Jugendlichen spannend. Seit Kurzem werden sie im Rahmen des Programms „Generation 3“ unterstützt.

Inzwischen haben viele Kultur- und Jugendzentren in Hannover eigene Tauschbörsen organisiert, einige inspiriert von den Conzoom-Machern. Die überlegen nun, ob sie die Reihe auch nach dem Ende ihrer Freiwilligenzeit fortsetzen. „Wir waren überrascht, wie extrem gut es angekommen ist“, freut sich Vanessa.

Am Mittwoch, 22. Juni, lädt Conzoom zum „Diner en couleur!“ an einen noch unbekannten Ort. Das ungewöhnliche Event-Picknick dreht sich rund um regionales und saisonales Essen. Der Umwelt zuliebe werden Teller, Besteck und Getränke selbst mitgebracht. Nähere Informationen gibt es auf der Facebook-Seite der Gruppe.

Von Mario Moers

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die SPD-Ratsfraktion sucht neue Impulse für den Raschplatz. Die Parkour-Gruppe will die schmuddelige Zwischenebene vor dem Andreas-Hermes-Platz aufwerten und mit Graffiti verschönern.

07.05.2016

Der Weg in die Hinterhäuser an der Lister Meile lohnen sich. Dort bietet Olaf Gallus mit World of Arts Raum für Bewegung und Kultur an. Wolfgang Grieger betreibt seit einem Jahr sein Kaufhaus König.

Susanna Bauch 22.04.2016

Altes Buckelpflaster oder ein Mittelstreifen aus geglättetem Naturstein? Die Pläne der Stadt Hannover für einen neuen Belag in der Oststädter Yorckstraße haben im Bezirksrat Mitte eine zweistündige Grundsatzdebatte ausgelöst.

Andreas Schinkel 20.04.2016