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Looms schließt nach 25 Jahren

Oststadt Looms schließt nach 25 Jahren

Eine weitere Institution im Einzelhandel in der List gibt auf: Klaus Hallemann schließt seinen Laden Looms in der Gretchenstraße. Nach 25 Jahren.

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„Ich habe hier mein zweites Zuhause gehabt“: Klaus Hallemann (links) und seine Mitarbeiterin Manuela Peier.

Quelle: Sonja Steiner

Hannover. Das Geschäftesterben im Einzelhandel geht weiter. Und es ist ein schwerer Abschied, das ist schon nach wenigen Minuten in den halb leeren Geschäftsräumen von Looms zu merken. Hier und da stehen Glasvasen, Untersetzer liegen auf Tischchen, Kissenhüllen und Hemden und einige Möbel sind noch zu entdecken. Während Geschäftsführer Klaus Hallemann nach Worten sucht und sichtbar bewegt den Blick über die letzten Wandteppiche schweifen lässt, kommt Gisela Brunotte aus der Südstadt in den Laden in der Gretchenstraße. „Das meint ihr doch nicht im Ernst, dass ihr schließen wollt?“, fragt sie fassungslos. „Doch, wir machen dicht“, bestätigt Hallemann. „Danke für Ihre treue Kundschaft über so viele Jahre, wir kennen uns ja schon lange.“ Gisela Brunotte seufzt und meint: „So ein Geschäft wie dieses gibt es sonst nirgends. Ich komme hier immer vorbei, wenn ich zum Zahnarzt muss, und gehe immer mit einem schönen Stück wieder raus.“

Das Wort Hippie hört er ungern

Vor 25 Jahren eröffnete Klaus Hallemann, genannt „Shammy“, in der Gretchenstraße seinen Laden, den er Looms nannte. Zuvor hatte er zehn Jahre lang bis 1982 in der Marienstraße „Shammys Bazaar“ betrieben, ein Laden für alles Exotisch-orientalische, und bediente damit ein „spezielles“ Klientel, wie Hallemann es nennt. Das Wort Hippie hört er ungern, auch wenn er selbst früher wohl so bezeichnet wurde. „Es waren Leute, die halt gern bunte Sachen aus anderen Ländern hatten“, umschreibt er seine Kunden. „Ich habe mich immer für Handwerk interessiert, das eine Wertigkeit hat, und war auch mit der Erste, der nach Afghanistan reiste, um dort einzukaufen. Und ich habe immer noch meine alten Handelsbeziehungen in der Türkei“, erzählt er und klingt dabei ein wenig wehmütig. „Ich habe eine Leidenschaft für Teppiche und lege immer großen Wert auf gut gemachtes Handwerk“, erzählt er.

„Looms ist eine Institution, hier kommen nicht nur Leute aus Hannover her, sondern aus einem großen Umkreis.“ Warum dann die Geschäftsaufgabe? „Nun, ich bin jetzt, Moment, wie alt? Jahrgang 43. Ah, 73, ich dachte die ganze Zeit, ich werde schon 75. Stimmt ja gar nicht“, sagt er, und ganz kurz verzieht sich sein schmales Gesicht zu einem breiten Lächeln, bevor er wieder ernst fortfährt: „Es sind einerseits Altersgründe, aber es sind auch wirtschaftliche.“ Viele Kunden kauften heutzutage ihre Möbel übers Internet, das bekam auch Looms stark zu spüren. „Es läuft halt nicht mehr so wie früher, das ist ganz klar“, sagt Hallemann und guckt wieder zu der Wand, an der noch ein Kelim hängt. Sein Lieblingsstück hat er vor kurzer Zeit verkauft. „Eine indonesische Ethno-Liege, auf der habe ich auch oft mal ein Mittagsnickerchen gemacht. Die vermisse ich“, erzählt er weiter. „Ich habe hier mein zweites Zuhause gehabt“, bekennt er.

Kunden fällt die Trennung schwer

Auch seiner langjährigen Mitarbeiterin Manuela Peier fällt die Trennung von dem bunten Reich aus 1001 Nacht sichtlich schwer. „Ich war 18 Jahre hier, und so einen Chef findet man nicht noch mal“, meint sie und lächelt warmherzig. „Ohne dich hätte ich den Laden schon viel früher dicht gemacht“, gibt Hallemann das Kompliment gleich zurück. „Es ist schon schwer, vor allem, wenn ich jetzt auch jeden Tag mitbekomme, wie die Kunden reagieren. Ein Mann kam vorbei und brachte uns Blumen, viele Kundinnen haben Tränen in den Augen, wenn sie in den Laden kommen. Das macht einen schon nachdenklich.“

Aber es gehe auch wieder aufwärts. „Ich merke, wenn sich das alles so langsam aufrollt, wächst etwas Neues von unten nach.“ Was er als Erstes machen wird, wenn er den Schlüssel zum letzten Mal im Schloss umgedreht hat? „Ich gehe in meinen Garten am Georgengarten und mache Tai-Chi. Und dann werde ich in Deutschland herumreisen und Freunde besuchen, dazu hatte ich nie die Zeit.“

Von Sonja Steiner

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Oststadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Mitte, 1. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Mitte, Calenberger Neustadt, Oststadt, Zoo
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 34.040 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Mitte (9.418 Einwohner), Calenberger Neustadt 6.556 (Einwohner), Oststadt (13.695 Einwohner), Zoo (4.371 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 3.167 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30159, 30161, 30167, 30169, 30175
  • Geschichte: Der westliche Teil der Oststadt in Hannover ist durch den Wohnungsbau in den 1950er Jahren geprägt, nachdem der Teil im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. In ihrem Entstehungszeitraum im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war die Oststadt ein geschlossenes Siedlungsgebiet.