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Oststadt 27 neue Stolpersteine erinnern an NS-Opfer
Hannover Aus den Stadtteilen Oststadt 27 neue Stolpersteine erinnern an NS-Opfer
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02:15 07.10.2016
Von Simon Benne
Künstler Gunther Demnig setzt an der Yorckstraße 10 Stolpersteine für den 1942 deportierten Alfred Wechsler und seine Frau Toni. Quelle: Kutter
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Hannover

Ellen Lehner erinnert sich noch gut daran, wie sie als Kind ihre Großeltern besuchte. Alfred Wechsler und seine Frau Toni gingen dann mit ihr und ihren drei kleinen Schwestern auf den nahen Spielplatz in der Eilenriede. „Und später musste ich mit ansehen, wie mein Großvater mit Fußtritten auf einen Lastwagen getrieben wurde – da war er 93 Jahre alt“, sagt Ellen Lehner und schüttelt kaum merklich den Kopf.

Im Juli 1942 wurde der hochbetagte Alfred Wechsler nach Theresienstadt deportiert, wo er bereits nach wenigen Tagen den Tod fand. Seine Frau war bereits zwei Jahre zuvor gestorben. Und jetzt sind die 84-jährige Ellen Lehner, die heute in Hameln wohnt, und ihre Schwestern Jutta Ahlhelm, Lilian Wechsler und Ilse Förstermann noch einmal gemeinsam zurückgekehrt, in die heutige Yorckstraße 10, wo ihre Großeltern einst lebten. Heute werden Alfred und Toni Wechsler hier mit einem Stolperstein geehrt.

Die neu verlegten Steine erinnern an höchst unterschiedliche Schicksale: Vor der Kramerstraße 4 beispielsweise verlegt Demnig einen Stolperstein für den Metallarbeiter Otto Kreikbaum. Der Kommunist wurde von den Nazis in die Konzentrationslager Moringen und Esterwegen verschleppt, 1945 starb er als Soldat in Russland.

Vor der Vahrenwalder Straße 18 wird Arno Behrendt mit einem Stolperstein geehrt: „Sein Schicksal steht beispielhaft für das von 15 jüdischen Ärzten aus Hannover, die zu Tode kamen“, sagt der Historiker Peter Schulze. Arno Behrendt, ein Kaufmannssohn aus Westpreußen, war seit 1921 als praktischer Arzt in Hannover tätig. „Viele Arbeiter der Continental zählten zu seinen Patienten“, sagt Schulze. Im Jahr 1938 floh er in die Tschechoslowakei: Er hatte eine Warnung erhalten, dass die Gestapo gegen ihn ermittelte, weil er eine verbotene Beziehung zu einer Nicht-Jüdin hatte. Die Nazis besetzten das Land, der Mediziner starb in Auschwitz.

Mit dem Taschentuch poliert Gunther Demnig die Stolpersteine, die in der Yorckstraße jetzt an das Ehepaar Wechsler erinnern. „Ich werde dafür sorgen, dass diese Steine gepflegt werden“, verspricht der Hauseigentümer Hanns-Georg Fricke, der in dem gediegenen Altbau eine Anwaltskanzlei betreibt. Es gibt eine kleine, würdige Gedenkfeier. Detlef Lehner, der Urenkel des ermordeten Alfred Wechsler, legt eine Blume nieder, die Besucher halten bei einer Schweigeminute auf dem Gehweg inne.

„Diese Steine sollen an die mörderische Geschichte der Ausgrenzung und Verfolgung von Juden in Deutschland erinnern“, sagt Karljosef Kreter vom städtischen Team Erinnerungskultur. Die 84-jährige Ellen Lehner blickt skeptisch: „Momentan sieht’s da ja nicht so gut aus“, sagt sie dann nüchtern. Die Neonazis, die heute wieder aktiv sind, machen ihr Angst: „Einige“, sagt Lehner, „haben aus der Geschichte nichts gelernt.“

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