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Neue Stolpersteine in der Oststadt

Gedenken an NS-Opfer Neue Stolpersteine in der Oststadt

Der Künstler Gunther Demnig hat  verlegt in Hannover an neun Stationen insgesamt 27 jener Denkmale im Miniaturformat, die im Gehwegpflaster an NS-Opfer erinnern. Auch in der Oststadt sind neue hinzugekommen.

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Der Künstler Gunther Demnig verlegt an diesem Tag in Hannover an neun Stationen insgesamt 27 jener Denkmale im Miniaturformat, die im Gehwegpflaster an NS-Opfer erinnern.

Quelle: Katrin Kutter

Oststadt. Ellen Lehner erinnert sich noch gut daran, wie sie als Kind ihre Großeltern besuchte. Alfred Wechsler und seine Frau Toni gingen dann mit ihr und ihren drei kleinen Schwestern auf den nahen Spielplatz in der Eilenriede. „Und später musste ich mit ansehen, wie mein Großvater mit Fußtritten auf einen Lastwagen getrieben wurde - da war er 93 Jahre alt“, sagt Ellen Lehner und schüttelt kaum merklich den Kopf.

Im Juli 1942 wurde der hochbetagte Alfred Wechsler nach Theresienstadt deportiert, wo er bereits nach wenigen Tagen den Tod fand. Seine Frau war bereits zwei Jahre zuvor gestorben. Und jetzt sind die 84-jährige Ellen Lehner, die heute in Hameln wohnt, und ihre Schwestern Jutta Ahlhelm, Lilian Wechsler und Ilse Förstermann noch einmal gemeinsam zurückgekehrt, in die heutige Yorckstraße 10, wo ihre Großeltern einst lebten. Heute werden Alfred und Toni Wechsler hier mit einem Stolperstein geehrt.

Der Künstler Gunther Demnig verlegt an diesem Tag in Hannover an neun Stationen insgesamt 27 jener Denkmale im Miniaturformat, die im Gehwegpflaster an NS-Opfer erinnern. Mit stiller Routine passt der Künstler, der wie immer einen breitkrempigen Hut trägt, die Steine in eine Lücke im Gehweg ein. Dann klopft er sie mit dem Gummihammer im Mörtelbett fest.

Die neu verlegten Steine erinnern an höchst unterschiedliche Schicksale: Vor der Kramerstraße 4 beispielsweise verlegt Demnig einen Stolperstein für den Metallarbeiter Otto Kreikbaum. Der Kommunist wurde von den Nazis in die Konzentrationslager Moringen und Esterwegen verschleppt, 1945 starb er als Soldat in Russland.

Vor der Vahrenwalder Straße 18 wird Arno Behrendt mit einem Stolperstein geehrt: „Sein Schicksal steht beispielhaft für das von 15 jüdischen Ärzten aus Hannover, die zu Tode kamen“, sagt der Historiker Peter Schulze. Arno Behrendt, ein Kaufmannssohn aus Westpreußen, war seit 1921 als praktischer Arzt in Hannover tätig. „Viele Arbeiter der Continental zählten zu seinen Patienten“, sagt Schulze. Im Jahr 1938 floh er in die Tschechoslowakei: Er hatte eine Warnung erhalten, dass die Gestapo gegen ihn ermittelte, weil er eine verbotene Beziehung zu einer Nicht-Jüdin hatte. Die Nazis besetzten das Land, der Mediziner starb in Auschwitz.

Mit dem Taschentuch poliert Gunther Demnig die Stolpersteine, die in der Yorckstraße jetzt an das Ehepaar Wechsler erinnern. „Ich werde dafür sorgen, dass diese Steine gepflegt werden“, verspricht der Hauseigentümer Hanns-Georg Fricke, der in dem gediegenen Altbau eine Anwaltskanzlei betreibt. Es gibt eine kleine, würdige Gedenkfeier. Detlef Lehner, der Urenkel des ermordeten Alfred Wechsler, legt eine Blume nieder, die Besucher halten bei einer Schweigeminute auf dem Gehweg inne.

„Diese Steine sollen an die mörderische Geschichte der Ausgrenzung und Verfolgung von Juden in Deutschland erinnern“, sagt Karljosef Kreter vom städtischen Team Erinnerungskultur. Die 84-jährige Ellen Lehner blickt skeptisch: „Momentan sieht’s da ja nicht so gut aus“, sagt sie dann nüchtern. Die Neonazis, die heute wieder aktiv sind, machen ihr Angst: „Einige“, sagt Lehner, „haben aus der Geschichte nichts gelernt.“

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Zwischen Mitte und List führt die Oststadt in Hannover ein wenig ein Schattendasein. Dabei gibt es in dem Viertel viel zu entdecken: Ein Streifzug zu den schönsten Plätzen des Stadtteils.

Oststadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Mitte, 1. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Mitte, Calenberger Neustadt, Oststadt, Zoo
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 34.040 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Mitte (9.418 Einwohner), Calenberger Neustadt 6.556 (Einwohner), Oststadt (13.695 Einwohner), Zoo (4.371 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 3.167 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30159, 30161, 30167, 30169, 30175
  • Geschichte: Der westliche Teil der Oststadt in Hannover ist durch den Wohnungsbau in den 1950er Jahren geprägt, nachdem der Teil im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. In ihrem Entstehungszeitraum im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war die Oststadt ein geschlossenes Siedlungsgebiet.