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Ricklingen Seit 70 Jahren Orgel in der Gemeinde gespielt
Hannover Aus den Stadtteilen Ricklingen Seit 70 Jahren Orgel in der Gemeinde gespielt
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00:17 21.08.2017
Von Andreas Zimmer
Angela Heise spielt in der St.-Johannes-Bosco-Kirche in Hemmingen-Westerfeld. Quelle: Andreas Zimmer
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Hemmingen

Hauptberuflich hat sie als Sekretärin bei einem bekannten Porzellanunternehmen gearbeitet.

Sie spielen seit 70 Jahren Orgel. Dann haben Sie bereits mit acht Jahren begonnen?

Ja, ich bekam seit 1946 Klavierunterricht durch eine Lehrerin und spielte dann in Hemmingen das Harmonium im Gottesdienst.

Wie kam es dazu?

Wir gingen normalerweise zur Heiligen Messe nach Döhren oder Wülfel. Nach dem Krieg kamen viele Katholiken nach Hemmingen, aber es gab dort keine eigene Kirche. Deshalb fragte meine Mutter in der evangelischen Gemeinde an, ob wir in der Alten Kapelle in Hemmingen eine Heilige Messe feiern dürfen, denn es war auch ein katholischer Priester unter den Flüchtlingen.

Wie hat denn die Gemeinde darauf reagiert, dass eine Achtjährige spielt?

Die war froh, dass es jemanden gab.

Kamen Sie nicht vor Lampenfieber um?

Na klar war ich aufgeregt. Aber ich bin auch die Älteste von drei Geschwistern. Von klein auf wurde von mir Bestimmtes erwartet. Aber auf dem alten wurmstichigen Harmonium war es für mich als kleines Mädchen richtig anstrengend die Pedale zu treten, damit auch Töne hervorkamen. Ich weiß noch, dass die Noten der Lieder alle von Hand geschrieben waren.

Hatten Sie zu Hause im Dorf Hemmingen ein Klavier?

Nein, ich habe bei einer Freundin geübt, die auch Unterricht bekam. Täglich beaufsichtigte meine Mutter uns dabei – jeder eine Stunde. In den fünfziger Jahren haben meine Eltern dann ein gebrauchtes Klavier gekauft. Für die Kapelle haben meine Eltern später ein kleines Harmonium angeschafft. Es wurde zu jedem Gottesdienst von meinem Elternhaus zur Kapelle getragen und wieder zurück. Ich weiß noch, dass in kalten Wintern die Heilige Messe oft im Haus meiner Eltern gefeiert wurde, da der Wein manchmal im Kelch gefroren war.

Haben Sie immer nur Kirchenlieder gespielt?

Nein, bei den Gemeindefesten zum Beispiel musste es auch mal was zum Tanzen sein.

Ich muss das nochmal fragen, weil es so ein langer Zeitraum ist. Sie spielen seit 70 Jahren in Gottesdiensten...

...und bei Hochzeiten, Taufen, Erstkommunion, Firmung, Beerdigungen. Als Schulmädchen durfte ich immer den Unterricht verlassen, um auf einer Beerdigung zu spielen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange spielen würde.

Stimmt es, dass Sie über mehrere Jahrzehnte jeden Tag öffentlich gespielt haben?

Ja, das ergab sich schnell zu Zeiten, als es täglich entweder in Arnum oder in Hemmingen-Westerfeld einen Gottesdienst oder eine Andacht gab. Bei den Geburten – ich habe fünf Kinder – habe ich natürlich gefehlt.

Frau Heise...

Damals musste man noch eine Woche im Krankenhaus bleiben. Später haben dann Verwandte auf meine Kinder aufgepasst, wenn ich Orgeldienst hatte.

Gab es Tage, an denen Sie mehrmals im Einsatz waren?

An bestimmten Dienstagen habe ich drei Mal am Tag gespielt: erst im Seniorenheim Im Rosenpark in Hemmingen-Westerfeld, dann beim Seniorennachmittag in Hemmingen-Westerfeld und im Altenpflegeheim St. Monika in Ricklingen.

Dreimal am Tag?

Nun, gelegentlich kam noch eine Beerdigung hinzu.

Und das alles ehrenamtlich?

Die ersten 25 Jahre ja, dann gab es mal zum Jahresende 50 Mark und eine Schachtel Pralinen und heute ist es das Fahrgeld. Aber darum geht es mir nicht. Ich spiele zur Ehre Gottes und ich freue mich, wenn die Gemeinde und ich im Gleichklang sind und die Leute sich über mein Orgelspiel freuen.

Sie haben seit 2002 bis auf Urlaub täglich in St. Monika gespielt und seit 2006 auch die Orgel in St. Augustinus in Ricklingen. Wo noch?

In der ganzen Region Hannover, zum Beispiel an den Sühnesamstagen, aber auch, wo es sich ergeben hat. Bei einem Verwandtenbesuch zu Ostern in Berlin musste ich zum Beispiel kurzfristig als Vertretung einspringen.

Haben Sie eine Lieblingsorgel?

Eine Lieblingsorgel? Nein, das kann man nicht sagen.

Ist Orgel zu spielen heute etwas Anderes als früher?

Eigentlich nicht, aber die Liednummern im Gotteslob haben sich geändert. Früher kannte ich alle, heute dauert es lange, bis das Liedprogramm steht.

Wie sieht es heute mit Lampenfieber aus?

Am Heiligabend bin ich jedes Jahr noch ein wenig aufgeregt. Es ist sowieso eine besondere Atmosphäre und dann ist die Kirche mit rund 400 Besuchern so voll.

Gab es mal eine Panne?

Natürlich. Bei einer Beerdigung auf einem Friedhof ging die Orgel nicht auf. Der Schlüssel passte, aber die Orgel ließ sich partout nicht öffnen. Zig Leute haben es versucht – vergeblich. Die Lieder wurden dann ohne musikalische Begleitung gesungen.

Künftig übernehmen Sie nur noch den Orgeldienst einmal in der Woche in St. Monika und einmal monatlich in Harkenbleck. Warum ziehen Sie sich zurück?

Altersbedingt und weil es ein guter Zeitpunkt ist. Bald gibt es den Pastoralbereich, dessen Einzugsgebiet größer sein wird.

Ist bei den Liedern im Gottesdienst am Sonnabend auch Ihr Lieblingsstück – Händels „Largo“ – dabei?

Ja, und außerdem viele fröhliche Lieder, die Dank zum Ausdruck bringen. „Ehre sei Gott in der Höhe“ zum Beispiel und ein schönes „Halleluja“.

Rund 200 Kinder und Erwachsene haben am Sonntag am zweiten Pfarrausflug der katholischen St.-Augustinus-Gemeinde teilgenommen. Zu ihr gehören Hemmingen, Pattensen und Ricklingen. Der Freiluftgottesdienst bei sonnigem Wetter auf der Bernwardswiese in Döhren stand unter dem Motto „Vertrauen ist gut“.

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