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Ricklingen Ein Clubheim für die ganze Vereinsfamilie
Hannover Aus den Stadtteilen Ricklingen Ein Clubheim für die ganze Vereinsfamilie
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00:15 21.08.2016
„Du brauchst Leidenschaft“: Andrea Priesnitz und Siegfried Finsterbusch. Quelle: Schwarzenberger
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Hannover

Clubwirte gesucht - in Hannovers Sportszene ist das häufig der Fall. Die Gründe sind so vielfältig wie das Vereinsleben selbst: Streit mit den Clubs, mangelnde gastronomische Erfahrung, Ärger mit Brauereien. Auch bei der Turn- und Spielvereinigung (TSV) Saxonia gab es eine Zeit, in der die Wirte alle zwei, drei Jahre wechselten. Dann kamen Andrea Priesnitz und Siegfried Finsterbusch. Sie sind geblieben; inzwischen seit 20 Jahren. Eine solche Ausdauer hat Seltenheitswert in der Vereinslandschaft. Gutes Essen ist die eine Seite der Medaille. „Du brauchst auch Leidenschaft“, sagt Clubwirtin Priesnitz bei der Jubiläumsfeier am vergangenen Sonnabend. „Sonst hältst du das nicht durch.“

Die TSV Saxonia feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Ein Rückblick.

1996 hatte das Paar Lust auf eine eigene Gastronomie. In der Branche waren sie davor schon lange beschäftigt, nur nicht auf eigene Rechnung. Finsterbusch hatte ein Herz für den Fußball, er war unter anderem Jugendtrainer bei den Sportfreunden Anderten. Mit den Saxonen wurden die neuen Wirte schnell warm. Sie sorgten für eine herzhafte Küche, kümmerten sich auch um die Bewirtschaftung größerer Feste und Feiern und ließen in der Speisekarte keine Langeweile aufkommen. Das Paar, das war den Sportlern schnell klar, kann wesentlich mehr als nur Pommes und Bratwurst. Das lockte auch andere Gäste ins Vereinsheim. Spaziergänger aus dem nahen Ricklinger Holz, hungrige Radwanderer und andere Vereine, die ein gutes Lokal suchten. „Wir haben auch bei den Fidelen Ricklingern viele Stammgäste“, freut sich Priesnitz.

"Von Vereinsmitgliedern allein lebt kaum ein Wirt"

„Von den Vereinsmitgliedern allein lebt kaum ein Clubwirt“, weiß Saxonia-Vorsitzender Simon Goldmann. Auch wenn sich Bogensportler und Fußballer gern im Lokal treffen; ohne externe Gäste würde die Gaststätte kaum laufen. Darauf haben sich die Wirte eingerichtet. Außer montags sind sie jeden Tag da. Priesnitz ist im Hauptberuf Verwaltungsangestellte im öffentlichen Dienst bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung. Das bringt Stabilität, einerseits. Andererseits kommt die Wirtin jeden Tag nach Dienstschluss zum Vereinsheim und tritt dann ihren Zweitjob an der Theke und in der Küche an. Dazu brauche es schon viel Lust, sagt sie. Aber auch wirtschaftliches Denken.

"Viele wollen schnelles Geld machen"

„Viele wollen mit Clubheimen schnelles Geld machen“, sagt Finsterbusch. Das funktioniere nicht. Der einstige Vereinschef Hans-Karl Leonhardt sorgte mit dafür, dass keine Brauerei per Pachtvertrag für die Wirte zuständig ist - eine Gemengelage, die unter anderem beim TuS Wettbergen zu viel Frust beim Verein und ihren Wirten sorgte -, sondern die TSV Saxonia selbst. Eine Clubgaststätte ist wichtig für den Zusammenhalt im Verein, findet Leonhardt. Auch deshalb ist die Miete bei den Saxonen moderat und steckt die TSV jedes Jahr viel Geld in das Gebäude. Allenfalls beim SC Elite in Linden, sinniert Leonhardt, dürfte es eine hannoversche Vereinswirtin geben, die noch länger im gleichen Club arbeitet. „Über 30 Jahre schon.“

"Das ist wie eine große Familie"

Priesnitz ist 59, ihr Lebensgefährte Finsterbusch 62 Jahre alt. Eine Weile wollen sie die Clubgaststätte noch betreiben. „Das ist wie eine große Familie hier, sagt Finsterbusch. Es ist alles so, wie es in einem Verein sein soll.“ Dann erzählt er vom Hochwasser von 2003: Die Beeke floss über und durchnässte zunächst den Rasenplatz der Saxonen. Finsterbusch kontrollierte immer wieder die Pumpen. Doch in der Nacht floss das Wasser ins Vereinsheim und hinein in die Wohnung der Wirte. In seiner Not setzte das Paar einen Anruf bei einem Fußballer ab. Er kam sofort vorbei. Und mit ihm die ganze Mannschaft.

Von Marcel Schwarzenberger

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