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Ricklingen Flüchtlingsheim wird wohl zehn Jahre gebraucht
Hannover Aus den Stadtteilen Ricklingen Flüchtlingsheim wird wohl zehn Jahre gebraucht
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00:15 30.11.2016
Platz ist knapp: Auf einem Teil des Parkplatzes soll das Flüchtlingsheim gebaut werden. Quelle: Marcel Schwarzenberger (Archiv)
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Hannover

In der Tat benötige die Stadt die Unterkunft voraussichtlich doch bis zu zehn Jahre, räumte Stadtplanerin Eva Ehrenberg-John in der Sitzung ein – auf Nachfrage verärgerter Anwohner. Derzeit sieht der Fahrplan für Unterkunft so aus: Ab Ende März nächsten Jahres wird gebaut. Die Eröffnung der Unterkunft für 80 bis 100 Menschen – um fast ein Drittel kleiner als zunächst geplant – könnte noch 2017 erfolgen. In den nächsten Wochen wird das Baugelände auf dem Parkplatz neben der Wohnanlage „Vor dem Edelhof“ vorbereitet. Das geschehe „abhängig von der Witterung“, sagte Stadtsprecher Alexis Demos auf Anfrage. Mehr als drei Jahre werde die Stadt das Heim brauchen. Deshalb müsse der Bebauungsplan, der vorerst eine Nutzungsdauer von drei Jahren vorsieht, geändert werden. Die Ratsgremien müssen darüber entscheiden.

Zahlreiche Anwohner, die ohnehin sehr kritisch auf die Baupläne schauen, fühlen sich in ihrem Unmut bestätigt. „Am Kneippweg herrscht eine chaotische Situation“, sagte Hans-Joachim Plenge. Es herrscht eine schwierige Gemengelage auf dem Parkplatz zwischen Wohnanlage und Pferdekoppel. An vielen Tagen sind die meisten der rund 230 Stellplätze ungenutzt. Aber im Sommer herrscht drangvolle Enge, wenn Familien mit ihren Autos zum Ricklinger Freibad fahren. Es wird noch enger, wenn die Stadt die Unterkunft errichtet und dafür einen Teil des Parkplatzes schließt. Das wird in Kürze passieren. Anwohner protestieren seit über einem Jahr dagegen. Teils, weil sie grundsätzlich gegen Flüchtlinge vor ihrer Tür sind. Teils aber auch, weil sie die Umnutzung des so dringend gebrauchten Parkplatzes für eine unausgegorene Idee halten. Da macht es auch einen Unterschied, ob das Heim drei oder zehn Jahre besteht.

Was Anwohner wie Plenge ärgert, ist die Tatsache, dass sie erst vom Bauvorhaben informiert wurden, als schon Vorentscheidungen getroffen waren – im vergangenen Herbst. Das sei kein transparentes Verfahren, sagte der Lehrer, der am Humboldtgymnasium unter anderem Politik unterrichtet. Wie er glauben viele Bewohner zudem, dass Bezirksbürgermeister Markurth den Standort Kneippweg im Alleingang durchgesetzt habe. Richtig ist: 2015, als Hannover immer größere Zuweisungen an Flüchtlingen unterbringen musste, suchte die Stadtverwaltung händeringend nach Lösungen. Und bat alle 13 Stadtbezirksräte um Standortvorschläge. Auch ein interner Kreis des Ricklinger Gremiums, an dem alle Fraktionen beteiligt sind, machte Vorschläge. So landeten der Kneippweg, das Gewerbegebiet Wettbergen und die Brache am Friedländer Weg auf der Liste. Und einer habe das Schreiben an die Stadt ja verfassen müssen, sagte Markurth. „Das war ich als Bezirksbürgermeister.“

Das Brot-Henke-Areal in Wettbergen erwies sich wegen problematischer Eigentumsverhältnisse als ungeeignet; auch gegen den Friedländer Weg gab es seitens der Stadt erhebliche Einwände. Wegen seiner Lage und wegen günstigerer Erschließungskosten sei der Kneippweg schließlich der aussichtsreichste Standort gewesen, betonte Markurth jüngst immer wieder. Die Entscheidung aber trafen letztlich Stadtverwaltung und Rat der Stadt. Bei Plenge und anderen Anwohnern aber ist das Misstrauen geblieben. Etliche Wohnungseigentümer wollen die Standortfrage jetzt juristisch anfechten.

Heimat auf Zeit

Menschen brauchen ein Zuhause. Das gilt für alteingesessene Bürger wie für Flüchtlinge, die vorübergehend ein Heim beziehen. Die Stadt wiederum braucht Standorte, an denen sie eine Flüchtlingsunterkunft bauen kann. In ihrer Not, möglichst rasch möglichst viele Schlafplätze aus dem Boden zu stampfen, hat die Verwaltung zu oft die Menschen vergessen, die da schon wohnen. Es gab und gibt kein Kommunikationskonzept, das ausreichend früh in Gang gesetzt wird. Entscheidungen „von oben“ schüren Misstrauen. Das vergiftet das Heimatgefühl; es erschwert Neubürgern das Ankommen.
Wer per se gegen Flüchtlinge ist, dem kann man mit keinem vernünftigen Argument kommen. Aber: Kann die Stadt einen Nachbarschaftsdialog für jeden einzelnen in Frage kommenden Standort in Hannover initiieren? Zum Beispiel mit Ortsbegehungen an fraglichen Standorten, am besten gemeinsam mit Bürgern und Flüchtlingsvertretern? Ja, mit großem Aufwand. Doch der könnte sich lohnen. Auch mögliche Fehlentscheidungen und Planänderungen könnten diskutiert werden. Die Stadt muss den Bürgern zuhören. Und umgekehrt. Das kostet Kraft. Doch vielleicht schlüge dann auch dieser – oft überhörte – Appell tiefere Wurzeln: Wir bauen hier für Notleidende ein Zuhause auf Zeit. Das ist nicht für alle schön, aber verdammt wichtig.

Ein Kommentar von Marcel Schwarzenberger

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