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Ricklingen "Wir fühlen uns veralbert"
Hannover Aus den Stadtteilen Ricklingen "Wir fühlen uns veralbert"
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00:15 18.07.2016
„Unsere Bedenken werden einfach beiseite gewischt“: Von links: Die Anwohner Margit Kolbe-Baus, Marion Platz, Helmut Laier und Helga Witt. Quelle: Christian Link
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Hannover

Aus verschiedenen Gründen halten sie eine Modulunterkunft an dieser Stelle für eine Fehlplanung, der Politik und Verwaltung werfen sie Arroganz vor. „Die Stadt geht überhaupt nicht auf unsere Einwände ein“, kritisiert Cord Schwarze, der zusammen mit anderen Nachbarn eine Petition gegen das Bauprojekt gestartet hatte. Bereits im Januar hatten Bewohner der Großwohnanlage bei Oberbürgermeister Stefan Schostok insgesamt 289 Unterschriften eingereicht, um die geplante Modulanlage zur Flüchtlingsunterbringung zu verhindern. Seitdem warten sie auf eine Entscheidung aus dem Rathaus zu ihrer Petition. Außer einem zwischenzeitlichen Schreiben von Stadtbaurat Uwe Bodemann habe es gar keine Rückmeldung gegeben. Der Brief des zuständigen Dezernenten vom 9. März ist den Petenten allerdings viel zu oberflächlich und allgemein. „Wir fühlen uns veralbert“, sagt Anwohner Hans-Joachim Plenge.

Die Meinungsverschiedenheit zwischen Stadt und Anwohnern ist mittlerweile zu einem Streit geworden. „Den Umgang mit den Bürgern finde ich bedenkenswert“, sagt Rentner Helmut Laier. Der frühere Stadtwerke-Sprecher hätte von der Verwaltung mehr Gesprächsbereitschaft und Informationen erwartet. Wenn sich die Stadt auf einen Zeitraum festgelegt hätte, wie lange sie den Parkplatz zur Flüchtlingsunterbringung nutzen würde, hätte es mehr Entgegenkommen von den Nachbarn gegeben, ist sich Laier sicher. „Das ist die Arroganz der Macht“, ärgert er sich.

"Nicht einer hat eine Antwort erhalten"

„Die Emotionen wären weitaus geringer, wenn man das Gefühl hätte: Die nehmen einen ernst“, ärgert sich Plenge. „Acht Leute haben den Oberbürgermeister persönlich angeschrieben und nicht einer hat innerhalb von zehn Wochen eine Antwort erhalten“, bemängelt der Gymnasiallehrer. Von den Parteien im Bezirksrat fühlen sich die Anwohner ebenfalls im Stich gelassen. Die Sorgen und Ängste vieler - insbesondere älterer - Bewohner würden nicht ernst genommen. „Das ist ein mustergültiges Beispiel dafür, wie man Leute in die Politikverdrossenheit drängt“, sagt Plenge.

Auch andere Anwohner stören sich daran, dass die Stadt ihre Entscheidung für den Standort Kneippweg an den Bürgern vorbei getroffen habe. Zudem haben sie den Eindruck, dass die Auswahl des Standorts nicht nach objektiven Kriterien erfolgt ist. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Leute, die den Parkplatz vorgeschlagen haben, nicht über die Örtlichkeiten Bescheid wussten“, sagt Anwohnerin Helga Witt. Alternativen seien etwa das leer stehende, frühere Telefunken-Gelände an der Ricklinger Chaussee oder ein Vorziehen der geplanten Modulanlage am Friedländer Weg.

"Freizeitangebot beruht auf Parkplatz"

Gegen den Standort Kneippweg spricht aus Sicht der Anwohner vor allem die Tatsache, dass gut der halbe Parkplatz wegfallen würde. Diese Stellplätze würden aber für die Besucher der Wohnanlage Edelhof, Pferdehof, Friedhof, Gastronomie „La Provence“, Naherholungsgebiet und Ricklinger Bad benötigt. „Das ganze Freizeitangebot in diesem Bereich beruht auf diesem Parkplatz“, sagt Anwohnerin Marion Platz.

Groß ist die Sorge, dass das Ricklinger Bad unter Parkplatzmangel leiden könnte. „Viele Familien kommen nicht mit dem Fahrrad oder zu Fuß, sondern mit dem Auto“, mahnt Schwarze und befürchtet einen Einbruch bei den Einnahmen des Freibads, das vom Schwimmverein Aegir betrieben wird. „Das ist das entscheidende Freibad für den Südwesten von Hannover“, betont Plenge.

Keine "Existenzbedrohung für das Schwimmbad"

Die Stadtverwaltung sieht die Situation entspannter. „Uns ist bekannt, dass der Parkplatz von Besuchern des Schwimmbads genutzt wird, und dass es bei Hochbetrieb Engpässe gibt“, antwortete jüngst Stadtplaner Claus Clausnitzer auf ein Schreiben der Anwohner. „Eine Existenzbedrohung für das Schwimmbad lässt sich daraus unseres Erachtens nicht ableiten“, heißt es weiter.

Eigentlich sollen die Bauarbeiten für die Modulanlage am Kneippweg noch in diesem Sommer beginnen, bis zu 150 Flüchtlinge sollen hier unterkommen. Dass die Einwände der Anwohner etwas daran ändern werden, ist unwahrscheinlich. Immerhin hat die Stadt mittlerweile eine Drucksache für den Verwaltungsausschuss vorbereitet, der über Petitionen zu entscheiden hat. Ob das Gremium die Petition in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beraten hat, ist jedoch ungewiss. Das Treffen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Von Christian Link

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