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Ricklingen Literaturfans diskutieren im Lyrik-Kreis Gedichte
Hannover Aus den Stadtteilen Ricklingen Literaturfans diskutieren im Lyrik-Kreis Gedichte
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00:15 12.05.2017
Die Teilnehmer des Lyrik_Kreises unter Leitung von Ute Heidborn (3.v.l.) diskutieren über ihre persönlichen Eindrücke klassischer und moderner Gedichte. Quelle: Sonja Steiner
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Hannover

„Die neueren Dichter sind kompliziert und schwierig, aber wir finden meistens dann doch einen Zugang zu ihnen“, meint Jutta Vogt nachdenklich. Sie ist seit fünf Jahren Teilnehmerin des Lyrik-Kreises, der sich einmal im Monat im Stadtteilzentrum Ricklingen in der dortigen Bibliothek trifft. „Ich habe mir bewusst so einen Kreis gesucht, da ich Lyrik nicht gut kannte und mich vieles interessiert, was neu ist. Und zeitgenössische Gedichte erweitern auch den Horizont“, sagt die 79-Jährige und lächelt.

Treffen seit elf Jahren

Gegründet wurde der Kreis vor elf Jahren von Ute Heidborn. Seitdem stellt die Bibliothek ihre Räume den Lyrik-Freunden kostenfrei zur Verfügung. „Ich liebe Gedichte, solange ich mich erinnern kann“, sagt die Gründerin. „Als ich einem Freund Balladen vorlas, meinte der, mach das doch mal in einem größeren Kreis, du kannst das so gut.“ Damit war die Idee geboren.

Info

Der Lyrik-Kreis im Stadtteilzentrum Ricklingen, Ricklinger Stadtweg 1, Telefon 16 84 95 95, ist offen für alle Interessierten.

An diesem Tag stehen mit Eva Strittmatter und Rainer Kunze die Werke zweier Dichter aus der ehemaligen DDR auf dem Programm. Es folgen mit Hans Carossa, Hermann Hesse und Wilhelm Busch drei populäre Autoren. Als Ute Heidborn mit klarer Stimme beginnt, das erste Gedicht „Der Amsel“ von Strittmatter zu lesen, ist es still. Die Teilnehmer, durchweg Männer und Frauen zwischen 60 und 80 Jahren, lesen den Text auf Kopien mit. „Wie ist es euch ergangen mit dem Artikel im Titel?“, fragt die Leiterin. „Strittmatter will die Regeln der Lyrik sprengen, vielleicht überträgt sie das auf die Grammatik“, mutmaßt eine Teilnehmerin und schaut zweifelnd in die Runde. Andere Kommentare gehen in die gleiche Richtung.

Ute Heidborn erläutert nach einer kurzer Debatte die biografischen Daten Strittmatters und wendet sich dann dem nächsten Gedicht „sensible wege“ von Reiner Kunze zu. Da werden bei einigen Kindheitserinnerungen wach, eine lebhafte Diskussion über die Metaphorik der Begriffe „Wurzeln“, „Wege“ und „Quellen“ beginnt.

„Es ist nicht unser Anliegen, Texte zu sezieren wie in der Schule, sondern wir wollen spontan mit den Gedichten umgehen“, erklärt Ute Heidborn. Dabei gehe es um sehr persönliche Interpretationen und nicht so sehr darum, einen Konsens zu finden. „Das Gedicht liefert so viel an Inhalt, dass man ganz unterschiedlicher Auffassung über die Aussage und den Inhalt sein kann“, meint sie.

„Jeder darf hier ausreden“

Im Vordergrund steht der Spaß am gemeinsamen Lyrik-Erlebnis. „Ich schätze den Kreis sehr. Es ist eine tolle Disziplin, jeder darf hier ausreden, und es ist eine wunderbare Führung“, meint Wolfgang Grote (72), der seit sechs Jahren aus Altwarmbüchen kommt. Er sammle sich während der Bahnfahrt schon mal innerlich, meint er augenzwinkernd. „Ich lese viele Gedichte, wobei ich keinen Lieblingsdichter habe - es gibt so viele gute!“

Nach Kriterien gefragt, nach denen sie die Gedichte aussucht, antwortet Ute Heidborn: „Ich gucke in den großen Conrady und finde da immer etwas. Es ergibt sich immer eine Konstellation an Gedichten, die passt. Ganz intuitiv.“

Von Sonja Steiner

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