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Ricklingen Nachbarn protestieren gegen Asylbewerber-Heim
Hannover Aus den Stadtteilen Ricklingen Nachbarn protestieren gegen Asylbewerber-Heim
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00:15 05.03.2016
Auf dem Parkplatz am Kneippweg in Ricklingen soll ein Wohnheim entstehen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Der Kneippweg ist nah am Ricklinger Holz und am Freibad; es ist schön in dieser Ecke des Stadtteils. Doch für Anlieger ist der im Sommer überbelegte Parkplatz ein Anlass für Ärgernis. Der nun geplante Bau eines Asylbewerber-Heims mitten auf dem Parkplatz treibt den Puls vieler Anwohner in die Höhe. Und er bereitet auch den Betreibern des Ricklinger Freibads große Sorgen.

Der Schwimmverein Aegir braucht den Parkplatz für sein Publikum, das nicht nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommt. Denn das Freibad ist über Ricklingens Grenzen hinaus beliebt. Auch das Restaurant Paradies ist auf den Parkplatz am Kneippweg angewiesen. „Die Gastronomie braucht 100 bis 150 Besucherparkplätze“, sagte Aegir-Chef Gerd Weßling in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Ricklingen.

Auch der Pferdehof, der Michaelisfriedhof und nicht zuletzt die Bewohner der Wohnanlage An der Bauerwiese/Kneippweg benötigten Stellplätze. Weßling wohnt selbst dort und weiß, dass nicht alle Anwohner über Parkplätze in der Tiefgarage unter der Anlage verfügen. An warmen Tagen herrscht derart großer Parkdruck am Kneippweg, dass zahlreiche Restaurant- und Badbesucher illegal auf Grünstreifen, vor Garageneinfahrten und an der schmalen, nur Einsatzfahrzeugen vorbehaltenen Zufahrt zum Freibad parken. Eine Lösung für diese Probleme gibt es bis heute nicht.

Und nun soll noch in diesem Jahr ein Asylheim mit bis zu 150 Plätzen auf der Parkanlage errichtet werden. „Ist der Parkplatz wirklich gründlich auf seine Eignung geprüft worden?”, fragte Weßling. Verschärft wird die Lage noch durch den städtischen Plan, auf dem Parkplatz Bäume und Sträucher zu pflanzen - als Ersatz für den Grünstreifen, der vor zwei Jahren dem neuen Deich weichen musste.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Bau der Flüchtlingsunterkunft. Sie ist neben den bereits bestehenden Anlagen an der Munzeler Straße und der Tresckowstraße sowie den ebenfalls in Vorbereitung befindlichen Modulbauten an Deveser Straße und Friedländer Weg die fünfte Unterkunft für verfolgte sowie aus Kriegs- und Krisengebieten geflohene Menschen im Stadtbezirk Ricklingen.

Am Kneippweg wird eine Modulanlage errichtet, die einige Jahre lang betrieben wird. Die Stadt will dadurch Notunterkünfte wie Sporthallen oder das einstige Oststadtkrankenhaus entlasten und möglichst auflösen. Voraussichtlich im Sommer dieses Jahres wird mit dem Bau begonnen.

Die Stadt habe alternative Standorte untersucht, sagte Bezirksbürgermeister Andreas Markurth in der Sitzung des Bezirksrats. Der Kneippweg sei als bestmöglicher Standort ausgewählt worden, darin vertraue er der Verwaltung, betonte Markurth. „Etwa die Hälfte des Parkplatzes wird für das Asylheim benötigt“, kündigte er an. Er sehe die Stadt allerdings auch in der Pflicht, für den Besucherverkehr Ersatzflächen zu schaffen.

An diesem Punkt wurde es unruhig im Sitzungssaal im Freizeitheim. Hatte Weßling noch sachliche Argumente vorgebracht, wurden etliche Anwohner des Kneippwegs jetzt emotional. „Es geht so nicht weiter mit den Flüchtlingen“, schimpfte ein Anwohner. Ein Nachbar klagte, dass „die gesamte Infrastruktur“ durch die Ansiedlung von Flüchtlingen zerschlagen werde. Eine Besucherin warnte davor, dass Frauen und Mädchen womöglich durch „arabische Männer“ aus dem Flüchtlingsheim belästigt würden.

Das alles sind Kritikpunkte, die Anwohner schon im vergangenen November äußerten. Damals stellte die Stadt ihre Baupläne vor und Markurth bekam von den Bewohnern der Wohnanlage eine Liste mit 300 Unterschriften gegen die Unterkunft auf den Tisch. Vor ihrer Haustür, so das Fazit des Einwurfs, wollen viele Nachbarn kein Flüchtlingsheim haben. An dieser Haltung hat sich bis heute wenig geändert.

Vergeblich warf Markurth ein, dass die Nachbarschaft mit einer Unterkunft gut funktionieren kann. Er verwies auf die Anlage in Oberricklingen. „Es gibt dort keine Probleme oder Gefährdungen“, sagte er. Vergeblich war auch der Hinweis des Ricklingers Robert Schnüll auf das Engagement vieler Bürger für die Willkommensnetzwerke bereits bestehender Unterkünfte. Allein das Wettberger Heim hat einen Unterstützerkreis mit rund 200 Mitgliedern. „Helfen Sie dort mit, da wird man schnell Vorurteile los“, rief Schnüll, der selbst aktiv ist. Doch die meisten Besucher mochten da schon gar nicht mehr zuhören und hatten den Saal aus Protest bereits verlassen.

Von Marcel Schwarzenberger

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