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Ricklingen Plötzlich anonym: Friedhofsverwaltung entfernt Holzkreuz
Hannover Aus den Stadtteilen Ricklingen Plötzlich anonym: Friedhofsverwaltung entfernt Holzkreuz
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00:16 19.12.2015
Plötzlich ohne: Das Grab in Abteilung 2 ist ungewollt anonym. Quelle: Benjamin Behrens
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Hannover

Gerda K. hat es nicht selbst entdeckt. Bekannte, die das Grab ihres Ende 2013 verstorbenen Mannes auf dem Ricklinger Stadtfriedhof besucht hatten, benachrichtigten sie. Das provisorische Holzkreuz auf dem Grab war verschwunden. „Ich hab’ an Vandalismus gedacht“, sagt die Angehörige. Es ist jedoch nicht gestohlen worden. Nachforschungen bei der Friedhofsverwaltung zeigten, dass diese das Provisorium entfernt hatte.

16 Monate lang hatte das Kreuz die letzte Ruhestätte markiert, in unmittelbarer Nachbarschaft finden sich noch weitere Kreuze, ebenfalls versehen mit Lebensdaten und Namen. Das brachte auch Gerd K. auf die Idee, ein solches Kreuz von einem Tischler anfertigen zu lassen. „Man hat mich in keinster Weise vorher informiert, sondern es einfach entfernt“, ärgert sich die Angehörige. Eigentlich sollte das Kreuz schnellstmöglich durch den umgearbeiteten Stein des Familiengrabs ihrer Eltern ersetzt werden, aufgrund der Erkrankung des beauftragten Steinmetzes habe das aber verzögert, sagt Gerda K..

„Die Friedhofsatzung sagt deutlich, dass die lasierten Holzkreuze nicht länger als zwölf Monate nach der Beisetzung verwendet werden dürfen“, sagt Cordula Wächtler, Leiterin des Fachbereichs Städtische Friedhöfe. Zudem regele Paragraf 21, Absatz 2 die Genehmigungspflicht der Provisorien durch die Verwaltung.

„Wir haben da eine interessante Verbindung zwischen öffentlichem und privatem Recht“, sagt die 51-Jährige. Zwar sei das Grab selbst Privatsache der Hinterbliebenen, das umliegende Gelände aber natürlich Angelegenheit der Verwaltung. „Einmal im Jahr wird kontrolliert, wie der Zustand ist. Das müssen wir allein schon aus Unfallverhütungs- und Arbeitsschutzgründen durchführen“, sagt die Fachbereichsleiterin. Das schließe natürlich auch die Standsicherheit der Grabsteine und Holzkreuze ein.

Sollte ein Kreuz seine zwölf Monate überschritten haben, wird es entfernt, ohne vorherige Information an die Grabeigentümer. Um den Verwaltungsaufwand gering zu halten, werden alle betroffenen Kreuze im Jahr gleichzeitig entfernt, 40 Kreuze waren es auf dem Friedhof Ricklingen.

Offenbar trifft diese Vorschrift bei trauernden Hinterbliebenen nicht immer auf Verständnis. „Die Situation ist eine Ausnahmesituation, das ist immer das größte Problem“, bestätigt Wächtler. In einem Todesfall sei ganz viel zu regeln und es gebe viel Unsicherheit. Deswegen werde auch bei Erwerb eines Wahlgrabs durch die Verwaltung oder bei Reihengräbern durch den Bestatter alles genau erklärt und ein Merkblatt ausgeteilt. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Leute sehr wohl informiert sind.“ Regelmäßig wiederhole sich jedoch, dass Holzkreuze ohne Anfrage bei der Verwaltung aufgestellt würden, nicht nur in Ricklingen. „Etwa 95 Prozent der Kreuze, die jüngst entfernt wurden, waren nicht genehmigt.“ Die Kreuze würden natürlich nicht entsorgt, sondern mindestens zwei Jahre aufbewahrt. Für die Zukunft könne man überlegen, vor der Räumung ein Schild mit der Bitte um Kontaktaufnahme ans Grab zu stecken, sagt Wächtler.

Gerda K. hätte es dann nicht ganz so kalt erwischt. Wäre sie sich des Verstoßes bewusst gewesen, hätte sie selbstverständlich einen Antrag gestellt, sagt sie. An entsprechende Informationen oder einen Handzettel kann sie sich nicht erinnern.

von Benjamin Behrens

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