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Ricklingen Dieses Pony ist nicht tot - es schläft nur
Hannover Aus den Stadtteilen Ricklingen Dieses Pony ist nicht tot - es schläft nur
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00:15 24.09.2016
Das täuscht: Schimmel Drago ist nicht tot, er schläft nur. Quelle: HAZ
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Hannover

Stellen Sie sich vor, sie halten gemütlich ihren Mittagsschlaf. Plötzlich werden sie mit Steinen beworfen – von fremden Menschen, die es gut mit ihnen meinen. Für Schimmel Drago und seine Halterin Britta Schöpke vom Ponyhof Ricklingen ist das ein vertrautes Szenario. Als Pferd im Rentenalter genehmigt sich Drago (28) auf seiner Koppel in der Nähe der Ricklinger Kiesteiche gerne ein Nickerchen, besonders in der Mittagssonne. Der Anblick des liegenden Pferds führt regelmäßig zu Notrufen bei der Polizei. Spaziergänger bewarfen Drago sogar mit Steinchen. Man erhoffte sich wohl, ein Lebenszeichen zu provozieren – oder den Tod zu diagnostizieren.

Seit fünf Jahren hängt deshalb ein wetterfester Aushang an dem Zaun der Koppel, der seinerseits für schmunzelnde Gesichter sorgt. „Ich heiße Drago. Ich bin nicht krank und auch nicht tot. Ich tue nur das, was ich am liebsten mache, Mittagsschlaf“, steht auf den laminierten Zetteln.

„Die Polizei hat ständig bei mir angerufen: Da liegt ein Pferd, das ist tot“, erinnert sich Schöpke an die Zeit, bevor sie die lustigen Hinweiszettel an die Holzpflöcke gepinnt hat. Dass sich die Spaziergänger besonders um Drago sorgten, liegt an dessen Vorlieben. „Der legt sich auch bei 30 Grad in die Mittagssonne“, lächelt Schöpke. Auch an seinem zweiten Standort, am Ponyhof in Ricklingen, führte diese Vorliebe schon zu Anrufen und Nachfragen besorgter Anwohner. „Es hat etwas gedauert, aber inzwischen haben sich die Leute aus den Hochhäusern daran gewöhnt“, berichtet Schöpke. Drago sei eben ein Rentner.

Drago ist nicht das einzige Pferd in der Stadt, dessen natürliches Verhalten zu Missverständnissen führt. Immer wieder zeigen sich Menschen von schlafenden Weidetieren irritiert. „Solche Anrufe kommen vor“, bestätigt Polizeisprecher Sören Zimbal von der Polizei in Hannover. Am Notruf-Telefon erklärt man den Anrufern dann, dass es sich in 90 Prozent der Fälle um schlafende Tiere handelt. Erst bei begründetem Verdacht auf Krankheit oder Tod wird die örtliche Polizeidirektion verständig, die dann wiederum den Halter kontaktiert.

Welches Ausmaß die Fehleinschätzung im Bezug auf das tierische Verhalten annehmen kann, zeigt sich jeden Sommer an der Nordsee. Dort führen sich sonnende Seehundbabys zu so vielen Notrufen, dass die Polizei dieses Jahr im Radio dazu aufrief, nicht weiter die Notrufnummer mit Fehlalarmen zu blockieren. Die Seehundstation Norden-Norddeich legte in diesem Jahr eine Info-Broschüre auf. Der Titel: „Seehund, was nun?“ Ein Glück, das Dragos Besitzerin besorgte Besucher bereits seit fünf Jahren mit Aushängen aufklärt. So kann er in Ruhe weiterträumen. Vielleicht von alten Zeiten, als er über zehn Jahre als Martinspferd in der Innenstadt auftrat. Oder davon, wie er mit dem „Schimmelreiter“ auf dem Rücken zum Deichgrafenfest über den Ricklinger Deich sauste. Drago hat nämlich ein bewegtes Leben hinter sich. Der Mittagsschlaf sei ihm gegönnt.

Von Mario Moers

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