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Schulen im Bezirk stoßen an ihre Grenzen

Ricklingen Schulen im Bezirk stoßen an ihre Grenzen

Eine solche Runde gab es noch nicht im Bezirksrat Ricklingen: Die Leiter aller Grundschulen und weiterführenden Schulen im Stadtbezirk waren - bis auf die der Martin-Luther-King-Förderschule, die 2018 aufgelöst wird - der Einladung der Politiker gefolgt, um aus ihrem Schulalltag zu berichten. Das Fazit: Die Lage ist prekär.

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Die Lage ist prekär: Acht Schulleiter berichten im Bezirksrat von den Problemen, mit denen sie an ihrer Schule zu kämpfen haben.

Quelle: Marcel Schwarzenberger

Hannover. Man stoße oft an Grenzen, sagte Stefanie Ramberg im Bezirksrat Ricklingen. Die Leiterin der Grundschule Mühlenberg ist wie die Leiter der anderen Schulen der Einladung des Bezirkrats gefolgt, um aus ihrem Schulalltag zu berichten. Die Schülerschaft entspreche nicht dem hannoverschen Durchschnitt, berichtete Ramberg. Die Viertel, aus denen ihre Schüler kämen, seien von Arbeitslosigkeit und Bildungsferne geprägt. Armen Kindern stünden wenig bis gar keine Arbeitsmittel zur Verfügung. Manche Klassen hätten einen Migrationsanteil von bis zu 90 Prozent.

Das sind die Wünsche der Schulleiter

Die Berichte der Rektoren waren auch eine Botschaft an Stadt und Landesschulbehörde: Lasst uns nicht hängen! Die Kollegien arbeiten zudem daran, ihre Probleme selbst zu lösen. Das sind ihre Wünsche:

Grundschule Mühlenberg: Mehr Personal, um besser fördern zu können. Beispielsweise mehr Stellen für die Sprachförderung.

Henning-von-Tresckow-Schule: Die offene Ganztagsschule will teilgebundene werden. Kleinere Klassen und ein Unterricht mit jeweils zwei Lehrern pro Klasse. Bürokratieabbau und bessere Arbeitszeiten für Lehrer.

Grundschule Stammestraße: Mehr Stunden für Sonderschullehrer.

Grundschule Wettbergen: Brandschutz der Aula erneuern. Zusätzliche Räume für Ganztagsunterricht und Erste Hilfe. Mehr Digitalisierung, etwa mit dem Einsatz von Tablets.

Wilhelm-Busch-Grundschule: Sanierung der Altbauten, zusätzliche Sozialarbeiter und Räume für Schüler und Lehrer.

Leonore-Goldschmidt-Schule: Mehr Stellen für Sprachförderung. Bürokratieabbau, um etwa Fachpersonal wie Logopäden für multiprofessionelle Teams einstellen zu können. Dafür müssen Bund und Land aber die Rahmenbedingungen schaffen. Mehr Vernetzung unter den Ricklinger Schulen.

Peter-Ustinov-Oberschule: Anbau mit mehr Platz für Differenzierung, Ganztags- und berufsvorbereitenden Unterricht. Vereinfachte Förderanträge für das Sozialpaket Bildung und Teilhabe. Mehr Kooperation mit dem Kommunalen Sozialdienst. Multiprofessionelle Teams und Anpassung der Lehrpläne an die Leistungskraft der Schüler. Doppelbesetzung des Unterrichts mit Lehrern.

Johannes-Kepler-Realschule: Entwicklung zur Integrierten Gesamtschule. Sanierung der Schule und zusätzliche Räume. Kleinere Klassen, mehr Personal.

An der Wilhelm-Busch-Schule stammt rund die Hälfte der Schülerschaft aus Einwandererfamilien, etwas mehr sind es an der Stammeschule, 90 Prozent an der Peter-Ustinov-Oberschule und ebenso viele an der Johannes-Kepler-Realschule.

Sprach- und Kulturgrenzen überwinden

Sprachgrenzen, Kulturgrenzen - die Pädagogen, Ganztagsbetreuer und Schulsozialarbeiter arbeiten daran, diese Grenzen zu überwinden. Oft sind Schüler Analphabeten und müssen zunächst einmal das Lesen und Schreiben lernen. Andere wiederum kennen die lateinische Schrift noch nicht.

Schulleiter Michael Bax hat an der Leonore-Goldschmidt-Schule (früher die Integrierte Gesamtschule Mühlenberg) eine Sprachlernklasse eingerichtet, Anke van Laak von der Wilhelm-Busch-Schule hätte auch gerne eine an ihrer Schule. Bax arbeitet unter anderem daran, von Krieg und Flucht traumatisierte Flüchtlingskinder in den Regelklassen unterzubringen.

Große Klassen, zu wenig Sozialarbeiter und Inklusion

Auch Sascha Dierkes-Knauer, Leiter der Johannes-Kepler-Schule, würde gern mehr Kraft in die Zukunft seiner Schule investieren. „Aber wie geht es mit unserer Realschule weiter?“, fragte er in Hinblick darauf, dass diese Schulform in Hannover ausstirbt. „Am besten, wir wären eine Integrierte Gesamtschule“, befand er. Im Sommer hatten Eltern öffentlich über zu viel Gewaltpotenzial an seiner Schule geklagt. Lehrer und Schüler seien nach den Zeitungsberichten irritiert gewesen, sagte der Rektor. „Es gibt Einzelfälle, ja.“ Aber ein Dauerthema sei Gewalt nicht.

Große Klassen, zu wenig Sozialarbeiter und die Inklusion prägen den Schulalltag. Fast jede Schule hat Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Rund 20 Schüler sind es an der Stammeschule, etwa 60 an der Peter-Ustinov-Schule.

Einige Schulen warten darauf, Ganztagsschule zu werden. Andere hoffen auf ein Ende des Sanierungsstaus. In die Wilhem-Busch-Schule regnet es rein, die Sporthalle war wegen eines Wasserschadens lange geschlossen. Geklagt wird auch über zu viel Bürokratie. Die Beantragung von Fördermitteln sowie Zuschüssen für gemeinsame Ausflüge und die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter bedeuten einen hohen Verwaltungsaufwand. Es sei eine Krux, etwa eine individuelle Schulbegleitung für Schüler zu organisieren, sagte Helmut Meffert von der Stammeschule.

Es gibt auch Positives

Aber es gibt auch Dinge, die gut laufen: An der Peter-Ustinov-Schule geht das Kollegium die Probleme unter anderem mit 14 Sprachlernkursen, Förderschullehrern, berufsorientierenden Angeboten und Sozialtraining an. Die Stadt repariert das Dach der Wilhelm-Busch-Schule. Die Grundschule Mühlenberg erhält für 2,5 Millionen Euro eine Mensa und wird zur Ganztagsschule ausgebaut. Bereits Ganztagsschulen sind die Henning-von-Tresckow-Schule, die Stammeschule und die Grundschule Wettbergen. Deren Rektor Robert Kühn betonte: „Ich bin Ganztags-Fan. Weil eine gute Betreuung mehr Chancengerechtigkeit bringt.“

Kühn hat zudem sechs Klassen in mobilen Unterrichtsräumen - Nutzungsdauer noch unbekannt. „Wir sind recht zufrieden damit, die Lehrer unterrichten gern dort“, sagte er. Diese Anlagen lösten Platzprobleme.

Meffert zeigte sich froh darüber, dass mit der baldigen Fertigstellung des Anbaus die 2008 begonnenen Bauarbeiten zu Ende gehen. Nun stehe die pädagogische Arbeit wieder im Vordergrund. Mit Projekten fördert die Stammeschule Eltern wie Schüler. Lesementoren sind in Ricklinger Schulen unterwegs. „Und wir haben viele Lehrer mit Migrationshintergrund“, sagte Bax. Das helfe im Alltag, allein schon weil sie dolmetschen könnten. Die Landesschulbehörde kündigte zudem zusätzliche Sozialarbeiterstellen an. Die Grundschule Mühlenberg bekommt zwei, die Wilhelm-Busch-Schule 0,75, die Stammeschule 0,5, die Peter-Ustinov-Schule 0,25 und die Johannes-Kepler-Schule eine Vollzeitstelle.

Von Marcel Schwarzenberger

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Ricklingen in Zahlen
  • Stadtbezirk : Ricklingen, 9. Stadtbezirk von Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 43.422
  • Einwohner je Stadtteil: Bornum (1.363), Mühlenberg (6.582), Oberricklingen (10.327), Ricklingen (12.685) und Wettbergen (12.465)
  • Bevölkerungsdichte : 2.948 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30453, 30457, 30459
  • Markantes aus der Geschichte: Im alten bäuerlichen Dorfkern liegt die Edelhofkapelle aus dem 14. Jahrhundert mit Glasmalereien von Charles Crodel (1960). Im Dreißigjährigen Krieg lagerte Tilly im Wrampenhof an der Düsternstraße. Das Dorf Ricklingen wurde 1913 in die damalige Stadt Linden und mit dieser 1920 in die Stadt Hannover eingemeindet.
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