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Neue Oberschulen im Süden und Westen Dieser Schulstart ist geglückt

Klein, integriert und nah am Kind – wie arbeiten Hannovers neue Oberschulen im Süden und Westen? Der Versuch einer Annäherung.

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In kleinen Klassen ist auch individuelle Schülerförderung möglich, so wie bei Olaf Schwerdtner in der Pestalozzischule.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Von so einer Schüler-Lehrer-Relation kann man andernorts nur träumen: Elf Kinder sitzen an diesem Vormittag im Mathematikunterricht der Klasse 5b an der Pestalozzi-Oberschule in Anderten. Klassenlehrerin Bianca Kramer erklärt einigen Schülern die Hausaufgabe mit dem Zahlenstrahl, Sonderpädagoge Olaf Schwerdtner kümmert sich um eine andere Gruppe, die noch ein bisschen mehr Unterstützung braucht. Etwas später ist es umgekehrt. Ausnahmsweise hilft auch Achtklässlerin Zehra (15), der der Stolz auf ihre Beratungsrolle ins schmale Gesicht geschrieben steht. Normalerweise sind nicht elf, sondern 16 Kinder in der Klasse. Aber selbst damit ist sie deutlich kleiner als an anderen Schulen, wo 30, sogar 31 Schüler die Regel sind.

Klein, integriert und nah am Kind – so arbeiten Hannovers neue Oberschulen im Süden und Westen. Der Schulstart ist geglückt.

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In einer Oberschule sind die Klassen kleiner als am Gymnasium oder in der Gesamtschule, es gibt Unterstützung durch Sozialarbeiter und verpflichtende Nachmittagsangebote an zwei bis drei Tagen in der Woche. Dadurch, dass die Schüler zusammen sind, erhöht sich auch das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Leiter wirbt für Oberschule

Im Frühjahr hatte Rainer Lubert, Leiter der Pestalozzischule, bei Informationsveranstaltungen bei den Eltern  für die neue Schulform Oberschule geworben: „Wir sind klein, wir sind familiär, hier kennt jeder jeden.“ Als eine Art Mini-IGS beschreibt Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski die Oberschule. Es ist nicht nur ein kleines System, es ist auch im Stadtteil fest verankert, wie Ricklingens Bezirksbürgermeister Andreas Markurth (SPD) beim Schulfest der Peter-Ustinov-Oberschule betont. „Wir sind, was wir sind“, heißt es in einem Imagefilm, in dem Leiterin Karin Haller Kaugummi kauend mit Basecap und Goldkettchen auftritt. „Sie haben es geschafft, das alte Bild von der Hauptschule aus den Köpfen zu vertreiben“, lobt Markurth.

Wie der Namensgeber Peter Ustinov ein Weltbürger war, so präsentiert sich auch die Ricklinger Oberschule auf ihrem neuen Logo, das Jugendliche zusammen mit den Künstlern Yasemin Yilmaz und Burhan Uzunyayla gestaltet haben, als weltumspannend und tolerant. Gewaltpräventionstraining, Berufsberatung, Film-, Kunst- und Politikprojekte - an der Ricklinger Hauptschule wird seit jeher viel mehr als nur Schule gemacht.

Umwandlung oder Neugründung?

Drei Schulen sind in Hannover seit diesem Schuljahr Oberschulen: Neben der Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen und der Pestalozzischule in Anderten, die bisher reine Hauptschulen waren, ist auch die Heisterbergschule in Ahlem, früher eine Haupt- und Realschule, zur Oberschule geworden. Noch ist allerdings unklar, ob die komplette Schule umgewandelt wird oder die neue Schulform von Jahrgang zu Jahrgang wächst. Zwei getrennte Schulen zu führen sei vom Verwaltungsaufwand kaum zu leisten, sagt Rainer Lubert (Pestalozzischule). Es sei auch unsinnig: „Da mache ich von 16 bis 18 Uhr Gesamtkonferenz für die Hauptschule und von 18 bis 20 Uhr für die Oberschule – und das mit demselben Kollegium in beiden Fällen.“

Ähnlich äußern sich Karin Haller (Peter-Ustinov-Schule) und Angelika Wittwer (Heisterbergschule). Besteht die neue Schule nur aus zwei Klassen, hat sie auch keinen Anspruch auf Funktionsstellen wie eine didaktische Leitung. Anders wäre das bei einer Komplettumwandlung. Derzeit verhandelt die Stadt mit dem Land. „Ich hätte gern ein bisschen mehr Lehrer“, sagt Wittwer. An der Pestalozzischule und der Heisterbergschule fehlen drei Vollzeitkräfte. Auch bei den Förderstunden für Kinder mit Handicap könnten 20 Prozent des Bedarfs nicht gedeckt werden, sagt Lubert, weil es zu wenig Sonderpädagogen gebe.

"Ich bin gern hier"

Neue moderne Lehrmethoden gehören auch in den fünften Klassen zum Alltag. Da wird mal eben der Schulgarten umgegraben oder drei Tage lang geklettert. „Wenn man von oben runterguckt, ist das ein ganz schön komisches Gefühl“, sagt Jennifer, als sie von der fünf Meter hohen Leiter zwischen den Bäumen abgeseilt worden ist. Mustafa (11) ist als Erster ganz nach oben geklettert, das Hochgefühl ist bei ihm auch Stunden später noch zu spüren.

„Ich bin gern hier“, sagt July (10) aus der Pestalozzischule in Anderten. Sie mag den Sportunterricht und „dass es nicht so viele Hausaufgaben gibt“. Baris (11), Mitglied bei der Jugendfeuerwehr und schwimmbegeistert („Ich habe schon Silber“), gefällt das Hallenbad um die Ecke: „Welche Schule hat das schon?“ Lina (10) und ihre Freundin Yasemin (11), die beide früher zur katholischen Kardinal-Galen-Grundschule in Misburg gegangen sind, sagen, sie fühlten sich an ihrer neuen Schule pudelwohl.

Großteil kennt sich aus der Grundschule

Auch in der 5a der Heisterbergschule in Ahlem ist ein Zweier-Pädagogen-Team im Matheunterricht dabei - neben der stellvertretenden Klassenlehrerin Nadja Al-Alawi ist es Förderschullehrer Holger Döding. Acht Stunden hilft er jeweils in den beiden fünften Klassen, die mit 22 Schülern auch überschaubar sind. Viele Kinder kommen aus dem Viertel - aus Ahlem oder Davenstedt. Ein Großteil kennt sich schon aus der Grundschule oder sogar aus dem Kindergarten.

„Irgendwie ist hier alles sehr schön“, sagt Melissa (10). In dem neuen Schulgebäude findet sie sich drei Wochen nach Schuljahresbeginn schon bestens zurecht: „Die Älteren haben uns alles gezeigt.“ Ihre Freundin Jasmin (10) liebt „Sport, Kunst und die Pausen“, Klassenkamerad Kenan mag „die Cafeteria, den Sportunterricht und dass mein Bruder auch auf diese Schule geht“. Leonard meint, schon als Erstklässler habe er auf die Heisterbergschule gewollt. „Wir haben zwei Turnhallen, nicht nur eine, es gibt Doppelstunden, und die Lehrer sind nett.“

Das Fazit fällt an allen drei Oberschulen gleich aus: Die Kinder sind angekommen in der neuen Schulform.

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Ricklingen in Zahlen
  • Stadtbezirk : Ricklingen, 9. Stadtbezirk von Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 43.422
  • Einwohner je Stadtteil: Bornum (1.363), Mühlenberg (6.582), Oberricklingen (10.327), Ricklingen (12.685) und Wettbergen (12.465)
  • Bevölkerungsdichte : 2.948 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30453, 30457, 30459
  • Markantes aus der Geschichte: Im alten bäuerlichen Dorfkern liegt die Edelhofkapelle aus dem 14. Jahrhundert mit Glasmalereien von Charles Crodel (1960). Im Dreißigjährigen Krieg lagerte Tilly im Wrampenhof an der Düsternstraße. Das Dorf Ricklingen wurde 1913 in die damalige Stadt Linden und mit dieser 1920 in die Stadt Hannover eingemeindet.
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