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Ricklingen Sozialarbeiter lösen "Gelbwesten" ab
Hannover Aus den Stadtteilen Ricklingen Sozialarbeiter lösen "Gelbwesten" ab
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11:49 14.07.2016
Ein-Euro-Jobber und ehrenamtliche Platzhelfer - wie hier in einem Bild aus dem Jahr 2008 - werden von ausgebildeten Sozialarbeitern abgelöst. Quelle: Archiv
Hannover

Der Schünemannplatz ist aus Sicht des Karl-Lemmermann-Hauses (KLH) und der Stadtverwaltung nach wie vor ein Ort, der besonderer Aufsicht bedarf. Doch jetzt sind nicht mehr die an ihren gelben Westen erkennbaren Ein-Euro-Jobber für die tägliche Kontrollen zuständig. Das KLH ist wieder mit eigenen Sozialarbeitern auf dem Platz - wie zu Beginn der Betreuung im Jahr 2005.

Es gibt zwei Gründe, warum die jahrelang eingesetzten Betreuer nicht mehr da sind. Einerseits, weil sich über das Jobcenter kaum noch Menschen für die geringfügig bezahlte Arbeit melden. „Wir hatten immer weniger Bewerber, die wir einsetzen konnten“, berichtete KLH-Geschäftsführer Harald Bremer jüngst dem Bezirksrat Ricklingen. Zuletzt habe es nur noch drei Ein-Euro-Jobber gegeben. Üblicherweise setzte die Einrichtung mindestens zwölf Mitarbeiter pro Woche ein, die sich die täglichen Schichten teilten. Ihre wichtigste Aufgabe: Sie hielten die regelmäßig auftauchenden Nutzergruppen im Zaum, die lange Zeit wegen ihrer Trinkgewohnheiten, manchmal auch wegen Lärmens und Vermüllung des Platzes die Anwohner verunsicherten.

"Es sind viel weniger geworden"

Das KLH, die Stadt und die Nutzer hatten Regeln zur Nutzung aufgestellt, damit auch Senioren und Familien mit Kindern wieder mehr Gefallen an dem begrünten Platz fanden. In den ersten Jahren waren manchmal 60, manchmal bis zu 80 Nutzer auf der Fläche anzutreffen. „Es sind viel weniger geworden“, sagte Bremer. Auch seien die Störungen deutlich zurückgegangen.

Das Karl-Lemmermann-Haus, eine soziale Einrichtung für wohnungslose Männer, sah deshalb auch die Zeit gekommen, den Zeitaufwand wieder etwas zurückzuschrauben. Lediglich 16 Stunden pro Woche sind KLH-Sozialarbeiter auf dem Platz unterwegs. „Aber es geht wieder mehr um persönliche Kontakte und Gespräche“, sagte Bremer.

Platz bereitet Probleme

Verstärkt werde die Sozialarbeit durch das Projekt ,,Restart“; einer offenen Anlaufstelle für Menschen, die Rat wegen Sucht- und sozialen Problemen suchen. Für das Projekt hat das KLH Räume am Ricklinger Stadtweg 12 angemietet - in der Nähe des Schünemannplatzes. „Beide Projekte ergänzen sich ganz hervorragend“, betonte der Geschäftsführer. „Es ist gut, die Platzbetreuung jetzt wieder mit Fachleuten zu machen“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Sophie Bergmann. Aber die bisherigen Betreuer hätten durchaus einen guten Job gemacht, setzte sie hinzu. Rund 35 000 Euro investiert die Stadt in diesem Jahr in die soziale Betreuung des Schünemannplatzes, auch im nächsten Jahr soll das Projekt fortgesetzt werden.

Der Schünemannplatz gilt auch im Sozialbericht der Stadt neben den Grünflächen an der Ihme, dem Raschplatz, der Limmerstraße und dem Gartenfriedhof an der Marienstraße als einer der Bereiche, der wegen starken Alkoholkonsums seitens der Nutzer besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Im vorigen Jahr geriet der Platz wegen einer Massenschlägerei und lebensgefährlichen Verletzungen eines Mannes in die Schlagzeilen. Beteiligt waren daran aber nicht die Stammbesucher: Das hannoversche Schwurgericht verhandelte jüngst den Fall von Libanesen aus Vahrenwald, die die Schlägerei mit einem Ricklinger angezettelt haben sollen, den sie aus einem Frisörgeschäft auf den Schünemannplatz zerrten.

Kehrtwende bei Toilettenanlage

Im vorigen Jahr sollten die öffentlichen WCs am Schünemannplatz nur noch über den Asia-Imbiss erreichbar sein. Den Umbau der Anlage hat die Stadt jetzt aber gestrichen. Er sei zu unwirtschaftlich, ließ die Stadt dem Bezirksrat Ricklingen mitteilen. Stattdessen werde das Herren-WC geschlossen und als Lagerraum genutzt. Die andere Toilette wird zum Unisex-WC samt behindertengerechten Zugang. Das bereits aufgestellte Dixi-Klo neben dem Imbiss bleibt erhalten.

Von Marcel Schwarzenberger

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