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Weihnachtsparty in der Waldschlösschen-Baustelle

Ricklingen Weihnachtsparty in der Waldschlösschen-Baustelle

„Bürger haben ein Anrecht auf Historie“: Hunderte Ricklinger besichtigen das Waldschlösschen mit Glühwein und Lebkuchen. Der Streit mit der Stadt über eine Neueröffnung des Hauses und die dafür nötige Herrichtung geht unterdessen weiter.

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Besichtigung bei Glühwein und Lebkuchen: Mehr als 100 Neugierige sehen sich in dem sanierungsbedürftigen Haus um.

Quelle: Schwarzenberger

Hannover. Werner Mühlenweg will es genau wissen: In der einen Hand hält er eine alte Ansicht vom Ricklinger Waldschlösschen, in der anderen eine Taschenlampe. Damit leuchtet er auf die Grundrisszeichnungen vom einstigen Hotelrestaurant neben dem Ricklinger Holz. Es ist ein bisschen dämmrig in der alten Gaststube; wenige Lampen erhellen den Raum. Mehr als 100 Anwohner sind am Nikolaustag gekommen, um sich das jahrelang verschlossene Gebäude anzuschauen.

Der neue Eigentümer Harald Nolte und das Bauordnungsamt der Stadt streiten sich seit Monaten darum, ob das alte Haus für eine Neueröffnung hergerichtet werden darf. Nolte lud die Ricklinger ein, sich das Gebäude einmal selbst anzuschauen. „Es ist schade, wenn die Stadt dem Investor Steine in den Weg legt“, findet Mühlenweg. Damit teilt er die Sichtweise von Nolte. Der sieht das Recht auf seiner Seite und will das Waldschlösschen 2016 frisch renoviert als eine Mischung aus Hostel und Café öffnen.

Mühlenweg erfuhr über Freunde, was Nolte am Nikolaustag vorhat. Der Eigentümer hatte über Facebook zu einem Rundgang im Haus mit Glühwein und Lebkuchen eingeladen. „Da wollte ich natürlich auch kommen, sagt der Ricklinger. Es wäre doch schön, wenn das Restaurant wieder belebt würde.“ Genau so sehen es auch Bernd Jacob und Holger Grasdorf. Jacob feierte schon als Kind mit den Sportfreunden Ricklingen im Saal des Hotelrestaurants. „Zur Neueröffnung würde ich gern kommen“, sagt er. Das Waldschlösschen, als Pension und Gasthaus neu belebt, das wäre „doch eine Bereicherung“, findet Grasdorf.

Nolte will das Haus auch für Veranstaltungen öffnen. Gute Idee, findet Grasdorf. „Da fehlt es in Ricklingen an Möglichkeiten.“ Der Saal sei nicht so groß wie der Fritz-Haake-Saal im Freizeitheim, sondern für viele kleinere Veranstaltungen und Feiern genau richtig.

Im alten Gastraum treffen sich Bekannte, man steigt in die oberen Etagen hinauf, bewundert die originalen Wandbemalungen und fachsimpelt über die mögliche Sanierung. „Man muss schon einiges machen, aber man kann es renovieren“, raunt ein Besucher einem anderen zu. Eine Ricklinger Architektin findet das Haus so schön und erhaltenswert, das sie in den vergangenen Wochen rund 300 Unterschriften sammelte. Die seien inzwischen im Büro des Oberbürgermeisters Stefan Schostok abgegeben, berichtet sie. Sie möchte mit ihrer Aktion als neutrale Person auch zwischen Eigentümer und Stadtverwaltung vermitteln, sagt sie, und mag deshalb ihren Namen nicht in der Zeitung nennen. Nach einer Begehung, das betont sie, sei ihr klar geworden, dass das Waldschlösschen wohl tatsächlich saniert werden könne. „Die Bürger haben ein Anrecht auf die Historie ihrer Stadt.“ Dazu gehörten auch alte Häuser wie das Waldschlösschen. Das Hotelrestaurant weise eine gute Bausubstanz auf.

Es gibt Skepsis bei der Stadt, ob das Waldschlösschen wieder erstehen kann. Für sie ist vorstellbar, das Grundstück zu kaufen, das Haus abzureißen und die Fläche zu renaturieren. Viele Ricklinger halten das für Verschwendung und Nolte glaubt - immerhin investiert er privates Geld - an das Potenzial des Hauses. Er will auf Umbauten verzichten und die alte Baustruktur erhalten. Es sind aber derzeit nicht seine Visionen, die das Verfahren bremsen, sondern Formalien.

Nolte und sein Anwalt Rainer Küster sind der Ansicht, dass die alten Genehmigungen für den Betrieb eines Hotelrestaurants noch gelten. Deshalb nahm Nolte erste Renovierungsarbeiten auf. Aus Sicht der Stadt hat der Eigentümer damit die Grenze des Erlaubten überschritten und schickte einen Bußgeldbescheid. Küster legte Widerspruch ein; die städtische Antwort hat Nolte als Kopie im Gastraum ausgehängt. Darin heißt es, dass Instandhaltungsarbeiten erlaubt seien, aber „keine Arbeiten, die eine Nutzungsaufnahme ermöglichen“. Für den 2000 durch die früheren Besitzer aufgegebenen Betrieb gebe es keinen Bestandsschutz mehr. Nolte müsste also zuerst Planungen einreichen und den Hotelbetrieb neu beantragen.

Das kann eine Weile dauern; Nolte aber will rasch loslegen und setzt darauf, dass er die Betriebserlaubnis im Grunde schon in der Tasche hat und jetzt schon sanieren darf. Notfalls, sagt er, wollen er und sein Anwalt eine Verwaltungsklage einreichen.

Von Marcel Schwarzenberger

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Ricklingen in Zahlen
  • Stadtbezirk : Ricklingen, 9. Stadtbezirk von Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 43.422
  • Einwohner je Stadtteil: Bornum (1.363), Mühlenberg (6.582), Oberricklingen (10.327), Ricklingen (12.685) und Wettbergen (12.465)
  • Bevölkerungsdichte : 2.948 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30453, 30457, 30459
  • Markantes aus der Geschichte: Im alten bäuerlichen Dorfkern liegt die Edelhofkapelle aus dem 14. Jahrhundert mit Glasmalereien von Charles Crodel (1960). Im Dreißigjährigen Krieg lagerte Tilly im Wrampenhof an der Düsternstraße. Das Dorf Ricklingen wurde 1913 in die damalige Stadt Linden und mit dieser 1920 in die Stadt Hannover eingemeindet.
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