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Sahlkamp Kahlschlag am Kanal
Hannover Aus den Stadtteilen Sahlkamp Kahlschlag am Kanal
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00:15 30.01.2016
Bevor die Landschaftsgärtner des Schifffahrtsamtes anrückten, wirkte das Ufer auf der Sahlkamp-Seite des Mittellandkanals noch richtig naturnah (Bild links). Seit Anfang des Jahres sieht die gleiche Stelle ziemlich kahl aus (Bild rechts).Fotos: Link/privat
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Sahlkamp

Im Uferbereich zwischen den Brücken Am Listholze/Holzwiesen und Hebbelstraße hatte die Behörde seit Oktober umfangreiche Pflegearbeiten für die Grünflächen entlang des Kanals durchgeführt. Nach Ansicht von Bürgern sind die Landschaftsgärtner dabei weit über das Ziel hinaus geschossen. Ehemals dicht bewachsene Bereiche sind seit einigen Wochen völlig kahl. Die Untere Naturschutzbehörde sieht das Vorgehen des WSV mit Besorgnis, das Schifffahrtsamt verteidigt dagegen ihre Maßnahme.

Anwohnerin Andrea M., die nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, führt derzeit einen Kampf gegen Windmühlen. Die Hannoveranerin lebt seit ihrer Geburt am Mittellandkanal in Sahlkamp und wehrt sich gegen die jüngsten Abholzungen hinter ihrem Garten. „Früher war hier alles wunderschön, als das noch eine richtige Flusslandschaft war“, sagt die gelernte Gärtnerin. Kurz vor der Expo 2000 wurde der Kanal dann verbreitert. Um die Auswirkungen auf die Natur zu reduzieren, musste die WSV dafür am neuen Uferbereich zusätzliche Sträucher anpflanzen. Doch von der Ausgleichsmaßnahme sei durch den extremen Geholzrückschnitt jetzt nicht mehr viel übrig.

„Hier waren mal viele Vogelschutzgehölze, die wurden durchdacht gepflanzt“, sagt die Nachbarin. Zahlreiche Büsche neben dem Rad- und Fußweg am Kanal seien erst stark gekürzt und ab Sommer 2015 völlig zurückgeschnitten worden. „In einem Bereich hatte nur einer überlebt“, sagt die Bürgerin. Daraufhin beschwerte sie sich beim WSV und forderte mehr Zurückhaltung bei der Uferpflege. „Das Ende vom Lied war, dass sie auch noch den letzten Busch plattgemacht haben.“

M. kritisiert auch das rücksichtslose Vorgehen der Landschaftsgärtner gegenüber den Tieren, die in den Büschen ihren Winterschlaf gehalten haben. „Die Hecken sind Anfang 2016 abgeschlegelt worden“, sagt sie. Sie wisse von mindestens einem Igel, der sich zu dieser Zeit in der Hecke verkrochen hatte. „Die Igel sind bestimmt alle zerhäckselt worden“, ist sich die Anwohnerin sicher. Die Untere Naturschutzbehörde der Region Hannover prüft die Vorwürfe. „Wenn das so ist, dann ist der radikale Rückschnitt aus Sicht des Naturschutzes sehr negativ zu sehen, denn so zerstörte Heckenstrukturen können selbstverständlich die ihnen zugedachte Funktion nicht mehr erfüllen“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann.

Per E-Mail hat die Naturschutzbehörde die WSV bereits an ihre Verpflichtungen gegenüber dem Naturschutz erinnert. „Die Pflanzungen sind Bestandteil Ihrer ‚Baugenehmigung‘, und Sie haben die Verpflichtung, sie dauerhaft zu erhalten. Dabei geht es auch darum, dass sie eine Funktion für Naturhaushalt und Landschaftsbild erfüllen sollen“, heißt es in dem Schreiben der Regionsbehörde.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Braunschweig weist die Vorwürfe allerdings zurück und schiebt den Schwarzen Peter von sich. „Es ist vermehrt zu beobachten, dass die Anwohner auf den Bewuchs am Kanal Einfluss nehmen“, sagt Torsten Wenig von der Außenstelle in Seelze, die für die Kanalpflege in Hannover zuständig ist. Teilweise hätten die Anwohner auch Neophyten, also nicht heimische Pflanzen, auf den Flächen des Bundes angepflanzt. Sowohl Neophytenbefall als auch dichter Brombeerbewuchs hätten den vorhandenen Bewuchs aus Hecken und Sträuchern bedroht. „An vereinzelten Stellen wurde der Brombeerbewuchs weitgehend zurückgeschnitten, um die ursprünglich gepflanzten Hecken vor der Überdeckung durch Brombeeren zu schützen“, sagt Wenig, „einzelne Neophyten werden massiv zurückgeschnitten“. Von Christian Link

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