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Seelhorst Denkmalgeschützte Gebäude ohne Genehmigung abgerissen
Hannover Aus den Stadtteilen Seelhorst Denkmalgeschützte Gebäude ohne Genehmigung abgerissen
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17:30 07.09.2017
Von Michael Zgoll
Dem Erdboden gleichgemacht: Auf der eingezäunten Fläche neben dem Alten Jagdhaus stand vor ein paar Monaten noch ein Fachwerkensemble Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Die Nebengebäude der historisch bedeutsamen Gaststätte Altes Jagdhaus in Seelhorst haben schon viel mitgemacht. 2012 brannte der Dachstuhl eines als Lagerraum genutzten Fachwerkhauses nieder, und auch Kutscherhaus, Saal, Saalküche und Laube waren im Laufe der Zeit arg heruntergekommen. Jetzt aber ist das denkmalgeschützte Ensemble an der Straße Vor der Seelhorst, das Besitzer Andreas von Graevemeyer umbauen und mit drei Wohnungen ausstatten will, dem Erdboden gleichgemacht worden – was bei der Stadt zu erheblichen Verstimmungen geführt hat und nun sogar das Verwaltungsgericht beschäftigt.

Bauvorbescheid verfallen

Im Haupthaus, 1852 von Georg Ludwig Friedrich Laves erbaut, werden die Gäste seit 2005 vom renommierten Koch Joachim Stern bewirtet. Gerne hätte es der Bemeroder Geschäftsmann von Graevemeyer gesehen, dass der Sterne-Koch einige der Nebengebäude am Waldrand in seine Restauration einbezieht. 2010 erteilte die Stadt dem Immobilienbesitzer sogar schon einen Bauvorbescheid, den Saal, die Laube und das Kutscherhaus abreißen zu dürfen – wenn nachfolgende Neubauten gastronomisch genutzt werden. Doch soll es zwischen Besitzer und Pächter Unstimmigkeiten über die Laufzeit des Vertrags gegeben haben, weshalb dieser Vorentscheid nicht verlängert wurde und verfiel.

Als Nächstes verfolgte von Graevemeyer den Plan, in den Nebengebäuden Wohnungen zu errichten. Im Mai 2016 erteilte ihm die Stadt eine Baugenehmigung mit einer Vielzahl „denkmalrechtlicher Nebenbestimmungen“. Demnach wurde dem Besitzer gestattet, in Fachwerkhaus, Saalküche und Saal drei Wohnungen mit einer Grundfläche von 155, 156 und 200 Quadratmetern einzufügen. Jedes der vom hannoverschen Architektenbüro Radas und Krüger konzipierten Mietobjekte erstreckt sich über Erd- und Dachgeschoss. Die Laube sollte zu einem Einstellplatz für Autos werden.

Sofortiger Baustopp

Doch dann stellte die Verwaltung im Juli 2017 fest, dass die baufälligen Häuser allesamt verschwunden sind. Die unmittelbare Reaktion: Die Stadt ordnete unter Androhung eines Zwangsgeldes von 10 000 Euro einen Baustopp an. Genehmigt worden seien nur ein Teilabriss sowie Umbaumaßnahmen unter Verwendung der bestehenden Bausubstanz. Ein vollständiger Abbruch und Neuaufbau der Gebäude sei „formell illegal“.

Doch das mochte von Graevemeyer nicht akzeptieren, wandte sich an das Verwaltungsgericht. Die 4. Kammer aber lehnte seinen Eilantrag gegen die sofortige Vollziehung des Baustopps vergangene Woche ab. Tatsächlich sei der Bauherr nicht zu Totalabriss und anschließendem Neubau berechtigt gewesen, dies entspreche nicht der 2016 erteilten Baugenehmigung.

Untergrund nicht tragfähig

Ein Gutachter habe im Zuge der Umbauarbeiten festgestellt, dass der Untergrund der Nebengebäude nicht mehr tragfähig sei und ein neues Fundament benötigt werde, erläutert Kläger-Anwalt Erich-Erdmann Deter. Deshalb hätten die Arbeiter die Fassaden entfernt. Eine Werkstatt in Mellendorf arbeite die alten Holzbalken derzeit auf, auch alte Steine und Ziegel werde man – so weit wie möglich – erneut verwenden. Selbstverständlich, so der Anwalt, wolle von Graevemeyer das Ensemble wieder so aufbauen wie mit der Stadt abgesprochen. Dummerweise war dort aber niemand über die geänderten Rahmenbedingungen informiert worden, auch gab es keinen neuen Bauantrag.

Gastwirt Stern ist nicht begeistert von den Querelen rund um das Nachbargrundstück. Wegen des zu erwartenden Baulärms und -staubs hatte er für diesen Sommer seinen Biergarten geschlossen, möchte ihn 2018 aber gerne wieder öffnen. „Der jetzige Zustand mit Bauzaun und Kiesfläche ist natürlich nicht so prickelnd“, formuliert es der 57-Jährige vorsichtig. Sein Interesse sei, dass das Fachwerkensemble so bald wie möglich wiederhergestellt wird. Laut Rechtsanwalt Deter ist aber noch nicht klar, welche Schritte der Grundeigentümer als Nächstes geht. Eine Beschwerde gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts einlegen, einen neuen Bauantrag stellen – oder beides gleichzeitig auf den Weg bringen. Von Graevemeyer wolle dies aber noch im September entscheiden.

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