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Stöcken Mit dem Bus auf die Balkan-Route
Hannover Aus den Stadtteilen Stöcken Mit dem Bus auf die Balkan-Route
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04:56 28.11.2015
Victor Reineking und Isabell Humpert vor der Notunterkunft im ehemaligen Schulzentrum Ahlem. Quelle: Moers
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Hannover

Sie sind so etwas wie der Vorposten der Willkommenskultur. Weit weg von den inzwischen etablierten Unterstützerkreisen versuchen privat organisierte Hilfsaktionen, der allgegenwärtigen Not bereits entlang der Balkan-Route zu begegnen. Auch eine junge Erzieherin und ein Politikstudent aus Stöcken planen, Flüchtlingen an den überlaufenen Grenzstationen zu helfen. Im Frühjahr wollen Isabell Humpert und Victor Reineking mit mindestens einem Transporter in Richtung Serbien aufbrechen. Sie wollen Tüten mit Lebensmitteln oder warme Decken an die Flüchtlinge verteilen, Hilfe leisten, jeweils dort, wo sie am dringendsten nötig ist. Drei Wochen in den Osterferien wollen sie aus Stöcken über Österreich, Slowenien und Kroatien an die serbische Grenze fahren. In einem Online-Videotagebuch können ihre Unterstützer mitverfolgen, was die beiden auf ihrer Reise erleben.

Ihren ersten persönlichen Kontakt mit der Flüchtlingshilfe hatten Humpert und Reineking im Internet. Auf der Facebook-Seite „Flüchtlingshilfe Hannover“ lasen sie eine Nachricht von Ayman A. „Ich bin in Hannover seit 40 Tagen. Und suche billigen Laptop für Deutsch studieren“, wandte sich der 27-jährige Syrer an die über 1100 „Freunde“ der Hilfsseite. Victor Reineking, der in Hildesheim Politik studiert, hatte noch einen Laptop, den er nicht mehr brauchte. Zur Übergabe trafen sich Humpert und Reineking mit Ayman, der ihnen beim Kaffee in der Stadt von seiner Flucht erzählte; von den furchtbaren Verhältnissen entlang der Fluchtrouten, wie sie derzeit in allen Medien zu sehen sind. „Daraufhin haben wir diese Idee entwickelt, selbst entlang der Balkan-Route zu helfen“, erinnert sich Reineking. Fernsehbeiträge über zwei andere private Hilfsaktionen haben sie zusätzlich motiviert. Etwa über das durchaus kontrovers diskutierte Projekt „Sea-Watch“ des Seenotaktivisten Harald Höppner. Der ließ ein Fischerboot umrüsten, das seit einigen Monaten vor den griechischen Inseln patrouilliert, um Flüchtlingen auf dem Mittelmeer zu helfen. 2000 Flüchtlinge konnten die Privatleute nach eigener Aussage bislang retten. So weit wollen Victor Reineking und Isabell Humpert nicht hinaus. Ihre Vorbilder sind zwei Studentinnen aus Fulda, die sich bereits zweimal in den Semesterferien mit ihrem privaten VW-Bulli auf den Weg auf den Balkan gemacht haben. Mit den beiden stehen sie bereits in Kontakt. „Wenn alles klappt, treffen wir die beiden vor Ort, um gemeinsam zu helfen“, erzählt Reineking. Über Facebook und die Spendensammelplattform Betterplace.org versuchen die beiden engagierten Stöckener seit zwei Wochen, Unterstützer und Sponsoren für ihr ambitioniertes Projekt zu gewinnen. Am 14. März soll die dreiwöchige Reise losgehen. 600 Euro Spritgeld, einen Transporter und weitere Helfer müssen sie bis dahin organisieren. Mitnehmen wollen sie „alles, was sich lange hält und möglichst unkompliziert verzehrt werden kann“, aber auch warme Decken, Schlafsäcke und Kuscheltiere.

Victor Reineking und Isabell Humpert wissen, dass sie nicht über das Know-how der großen Hilfsorganisationen verfügen. Sie sind dennoch überzeugt davon, dass solche privaten Projekte, an der richtigen Stelle, eine sinnvolle Ergänzung sind. „Wir suchen daher den Austausch mit anderen Aktionen wie unserer“, erzählt Reineking. „Was genau auf so einer Reise passiert, ist leider schwer vorherzusehen, da sich auf der Route die Bedarfe und Zustände ständig ändern“, weiß Anna Korschinek, eine der beiden studentischen Helferinnen aus Fulda. Am Wochenende haben Reineking und Humpert mit den beiden telefoniert, um weiter die Zusammenarbeit zu planen. Auf ihrer Facebook-Seite fragen derweil bereits die ersten Unterstützer, wo sie Hilfsgüter abgeben können. „Ich habe mehrere Säcke mit Kuscheltieren und Schneeanzügen für Kinder“, bietet Maryam A. an. Ein anderer Besucher wünscht sich noch mehr Informationen über das Projekt. „Es fällt mir schwer, mit Geld und Sachspenden ein Projekt zu unterstützen, das erst in Planung ist. Wo kann ich euch denn mal treffen, damit ich überhaupt mal sehe, wen ich da vor mir habe?“, schreibt Martin S.

Reineking und Humpert können solche Bedenken nachvollziehen. „Sollte es dazu kommen, dass das Projekt, aus welchem Grund auch immer, nicht stattfindet, bekommen alle Spender ihre Gelder automatisch von unserer Betterplace-Seite zurück“, erklären sie. Während die beiden inzwischen täglich mit der Vorbereitung beschäftigt sind, haben sich anderswo in der Stadt bereits weitere Helfer zusammengefunden, die eine ähnliche Hilfsaktion planen. Vier junge Menschen aus dem Umfeld des Flüchtlingscamps am Weißekreuzplatz haben das Projekt „Grenzenloskochen“ ins Leben gerufen. Sie wollen helfen, eine mobile Küche an der slowenisch-kroatischen Grenze aufrechtzuerhalten.

Weitere Informationen zu dem Projekt „Menschlichkeit überquert Grenzen - Mit dem Bus auf der Balkanroute“ gibt es im Internet unter http://on.fb.me/1Wdwhhb

Von Mario Moers

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