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Plätzchenduft weckt Erinnerungen

Stöcken Plätzchenduft weckt Erinnerungen

Die Bewohner des Integra Seniorenpflegezentrums auf der Klappenburg backen gemeinsam und denken an vergangene Weihnachten – Die Feiertage stimmen viele Senioren nachdenklich und manchmal auch traurig.

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Edith Gascek und Maria Müller bereiten zusammen mit Anastasia Rump den Teig vor. Ursula Winzer sticht die Plätzchen aus.Fotos: Moers (3)

Stöcken. Ein Glück, dass Matthias Rump heute extra viel Teig in der Küche bestellt hat. Am dritten Advent besuchen so viele Bewohner das gemeinsame Plätzchenbacken, dass jeder Platz im Speiseraum besetzt ist. „Heute backen wir mitten im Wohnbereich, damit alle Bewohner den Plätzchengeruch wahrnehmen können“, erklärt der stellvertretende Einrichtungsleiter. Um ihn herum beginnen die Damen bereits, die improvisierte Weihnachtsbäckerei in Betrieb zu nehmen.

„Wir brauchen noch Mehl, damit der Teig nicht kleben bleibt.“ Mit dem Nudelholz in der Hand weist die 90-jährige Maria Müller den Stellvertreter beherzt auf sein Versäumnis bei der Vorbereitung hin. Kaum hat Rump das vergessene Mehl zu den zahlreichen Streuseln, Nüssen und Backblechen auf den Tisch gestellt, beginnt die rüstige Rentnerin damit, mit kräftigem Druck den Teig auszuwalzen. Schon als kleines Mädchen hat Maria Müller in einer Backstube in Breslau mitgeholfen. „Die Gesellen waren alle zum Krieg eingezogen, da musste ich in der Bäckerei einer Bekannten mitarbeiten“, erinnert sich die gebürtige Schlesierin. Später organisierte die ehemalige Leiterin eines Seniorenkreises 35 Jahre lang selber die Weihnachtsfeiern für die Senioren der Vinnhorster St.-Hedwig-Kirchengemeinde. Das gemeinsame Kneten, Ausstechen und Dekorieren des Weihnachtsgebäcks weckt Erinnerungen, nicht nur bei ihr. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims ist der Advent aber auch eine herausfordernde Zeit.

„Weihnachten ist immer auch ein wenig traurig“, findet Hedwig Brose. Auch mit 91 Jahren weiß sie noch genau, wie er damals war, der Heiligabend im Elternhaus. Gegen Abend, wenn die Mutter die sechs Geschwister aus der Kirche zurückkehren sah, wurden die Kerzen am Christbaum angezündet. „Dann mussten wir immer zuerst singen. Es war ganz feierlich und schön“, erzählt sie, während sie mit den Fingern Schokostreusel auf den sternförmigen Plätzchen verteilt. Als eine Pflegekraft ihr rät, den Teelöffel zu benutzen, winkt sie resolut ab. „Da hat man ja kein Gefühl drin“, findet Brose. Wie die meisten hier hat sie schließlich ein Leben lang Weihnachtsplätzchen gebacken und dabei eigene Techniken und Kniffe entwickelt. Gerade zu Weihnachten gedenken die Bewohner solcher Rituale.

Im Pflegeheim ist man daher bemüht, durch kleine Adventsfeiern oder das gemeinsame Backen den Tagesablauf um Ausschnitte und Abläufe aus dem einstigen Alltag zu bereichern. Wie wichtig den Frauen etwa die Arbeit in der Küche ist, zeigt ein Vorfall aus der letzten Backstunde. Nachdem eine Pflegerin eine Ladung Plätzchen im Ofen anbrennen ließ, echauffierte sich eine Bewohnerin: „Sie haben wohl keinen eigenen Haushalt?“ Heute läuft die Plätzchenproduktion allerdings wie geschmiert. Dafür sorgt Frau Müller, die immer noch fleißig den Teig ausrollt und engagiert die weiteren Arbeitsschritte delegiert. „Ach, ich habe noch nichts geschafft“, sorgt sich eine andere Dame am Tisch. Rump fasst ihr behutsam auf die Schulter und sagt ihr, dass bereits ausreichend Plätzchen im Ofen sind. Die Herren der Schöpfung halten sich bei den Backaktionen übrigens vornehm zurück. Von ihnen ist heute keiner erschienen. „Die warten lieber, bis das Essen fertig ist“, scherzt eine Bewohnerin.

„In der Weihnachtszeit bieten wir den Bewohnern jede Woche etwas“, erklärt Rump. Zusätzlich zu kleineren Adventsfesten in den Wohnbereichen gibt es eine große Weihnachtsfeier, zu der alle 110 Bewohner eingeladen sind. Das Programm gestalten die Senioren selbst. In diesem Jahr trug etwa ein ehemaliger U-Boot-Fahrer seine Erinnerungen vor. Die rüstige Frau Müller las eine Weihnachtsgeschichte. Für die Bewohner, deren Gedächtnis schnell wieder vergisst, werden in dem Foyer Fotos der Feier aufgehängt. Dort weist ein Aushang außerdem auf die Weihnachtsmesse hin, zu der auch viele Damen aus der Backstube gehen wollen. „Weihnachten ohne Kirchengang ist nicht Weihnachten“, sagt Hedwig Brose selbstbewusst.

An den Festtagen erwartet sie außerdem ihre Familie zu Besuch. Sie ist schon gespannt, was die Enkel Neues zu erzählen haben. Als kleines Präsent dürfen die sich unter anderem über die Plätzchen freuen, die ihre Oma gerade backt.

Für Hedwig Brose ist es das erste Fest, dass die Seniorin nicht in der eigenen Wohnung erlebt. Der Gedanke daran stimmt sie traurig. In ihrem Zimmer hat sie dennoch etwas Weihnachtsschmuck aus dem alten Haushalt aufgestellt. „Das hat man noch in der Kiste“, sagt sie lächelnd. Bei einem feierlichen Glas Sekt erzählt sie weiter von den früheren Festen. „Zu uns kam sogar der echte Weihnachtsmann. Irgendwann hat man natürlich spitz bekommen, dass es der Nachbar war“, schmunzelt sie.

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Stöcken in Zahlen
  • Stadtbezirk : Herrenhausen-Stöcken, 12. Stadtbezirk in Hannover 
  • Stadtteile: Burg, Herrenhausen, Ledeburg, Leinhausen, Marienwerder, Nordhafen und Stöcken
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 34.664 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Burg (3.725), Herrenhausen (7.660), Ledeburg (5.797), Leinhausen (2.918), Marienwerder (2.461), Nordhafen (128) und Stöcken (11.975)
  • Bevölkerungsdichte : 1.641 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30419
  • Geschichte: Der berühmteste Einwohner Stöckens war wohl Cord Broyhan. Er erfand 1526 ein helles Bier. Das nach ihm benannte obergärige Broyhan-Bier verschaffte der Stadt Hannover einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung und eine bedeutende Stellung auf dem Gebiet der damaligen Braukunst. Aus der Sitte, das Broyhan-Bier zusammen mit Branntwein zu trinken, entstand die Lüttje Lage.
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