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Stöcken Speisen unterm Spitzbogen
Hannover Aus den Stadtteilen Stöcken Speisen unterm Spitzbogen
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02:15 30.04.2016
Von Bärbel Hilbig
Hannover, Stöckener Stasse 68, Café Anna Blume am Stöckener Friedhof steht kurz vor der Eröffnung.Ute Wrede (Geschäftsführerin), Dunja Karzewsky ( Köchin), Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
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Stöcken

Die ersten Gäste haben längst den Weg ins Café Anna Blume gefunden, dabei weist vor dem Stadtfriedhof Stöcken nur ein kleiner Aufsteller auf den Gastronomiebetrieb im historischen Gemäuer hin: RhabarberBaiser-Torte, Käsekuchen und Kartoffel-Bärlauch-Suppe verspricht das Schild. Offiziell eröffnet ist das Café erst ab Sonnabend, 30. April, um 12 Uhr. Im Probebetrieb üben die sechs Mitarbeiter jedoch seit Anfang des Monats und freuen sich über Gäste.

„Wir brauchen die Einarbeitungszeit, denn unser Team besteht zur Hälfte aus Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung auf dem Arbeitsmarkt bisher nur schwer oder nie eine Stelle gefunden haben“, erläutert Initiatorin Ute Wrede. Wie Janina Knake, die trotz Ausbildungen zur Kinderpflegerin und Hauswirtschafterin nur befristet in Teilzeitjobs tätig war. „Endlich habe ich Gelegenheit, meine Fähigkeiten zu zeigen“, sagt die 34-Jährige mit eingeschränktem Hörvermögen. Das Café bietet als integrativer Betrieb sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Mitarbeiter mit zum Beispiel psychischen oder kognitiven Einschränkungen. Dafür unterstützt das Integrationsamt des Landes den laufenden Betrieb finanziell und hat sich wie Stadt und Region an den Umbaukosten im denkmalgeschützten Seitenflügel des Friedhofseingangs beteiligt.

Gelegenheit zum Einarbeiten bekamen die Mitarbeiterinnen schnell. Neben Spaziergängern konnten sie an den 15 Tischen unter schmucken Spitzbögen bereits Gäste einer Geburtstags- und einer Trauerfeier bewirten. Vergangene Woche stand außerdem spontan eine Trauergesellschaft mit 25 Personen vor der Tür. Sie bekamen unkompliziert belegte Brötchen und Kuchen. „Wir möchten, dass Menschen in Trauer sich durch den schönen Raum, das Essen und die warme, freundliche Bedienung gehalten fühlen“, erklärt Geschäftsführerin Ute Wrede. Köchin Dunja Karzewski hält neben saisonalen Suppen, Frühstück und kleinen Gerichten ab Mai auch Mittagstisch und Abendbrot bereit. Die 43-Jährige hat im Maritim Seehotel in Timmendorfer Strand gelernt, im Berggasthaus Niedersachsen in Gehrden und zuletzt beim Partyservice der Fleischerei Scheller im Empelde gearbeitet. Für das Anna Blume hat sie eigens einen grünen Kuchen erfunden. Der „Greenie“ besteht aus Avocado, gemahlenen Mandeln und weißer Schokolade, verrät Dunja Karzewski. „Alles andere behalte ich für mich.“

Gäste wie Heidemarie Kruse wissen das Angebot zu schätzen. „Das Frühstück ist so lecker und liebevoll gemacht“, lobt die Seniorin. Ihre Tochter Kerstin Kruse ergänzt: „Und das Café ist ein so schöner Ort.“

Die Liebe zum Detail zeigt sich auch im Namen des Cafés, der auf das wohl bekannteste Gedicht des Dada-Künstlers Kurt Schwitters zurückgeht. Ein von Schwitters selbst entworfenes Anna-Blume-Logo darf mit Genehmigung der Kurt-und-Ernst-Schwitters-Stiftung die Servietten im Café zieren. Das Gedicht selbst hängt gerahmt an der Wand - auf Spanisch, Schwedisch und der philippinischen Sprache Tagalog, denn die Servicechefin stammt aus dem fernöstlichen Land. „Die Auswahl freut mich natürlich“, sagt Julinda Alcalde-Maier.

Geplant sind in Zukunft kleine Konzerte, Lesungen und im Winter Stummfilmabende mit Klavierbegleitung. Geöffnet ist das Café ab 1. Mai dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr, im Sommer am Wochenende auch länger. Da sonnabends und sonntags in der Regel keine Bestattungen stattfinden, öffnet das Anna Blume dann einige wenige Tische auch draußen.

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