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Stöcken Stöckener Friedhof begeht Jubiläum
Hannover Aus den Stadtteilen Stöcken Stöckener Friedhof begeht Jubiläum
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02:15 16.07.2016
Von Susanna Bauch
Zunächst wurde der Friedhof mit einem System streng symmetrischer Achsen angelegt. Später bekam er einen parkähnlichen Charakter. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Der kleine Heinrich Schomburg war vor 125 Jahren der erste, der auf dem gerade eröffneten Stöckener Friedhof beerdigt wurde. Nur drei Jahre alt wurde der Junge, der Grabstein steht noch heute auf der 55 Hektar großen Parkanlage. In Stöcken wurde im Jahr 1891 der zweite sogenannte Großfriedhof eröffnet, die Fläche in Engesohde war zu klein geworden für die schnell wachsende Stadt Hannover. Anlässlich des Jubiläums führt die Leiterin der städtischen Friedhöfe, Cordula Wächtler, über die Anlage mit den mittlerweile 17 000 Grabstätten.

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Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums führt die Leiterin der städtischen Friedhöfe, Cordula Wächtler, über den Stöckener friedhof mit den mittlerweile 17.000 Grabstätten.

In den Anfängen wurde der Friedhof nach strengen architektonischen Maßstäben angelegt. „Es gab Hauptachsen, von denen symmetrisch Nebenachsen abzweigten“, sagt Wächtler. Bepflanzung habe damals keine große Rolle gespielt, „die Anlage war eine Wüste aus Sand und Stein“. Die meisten Gräber wurden mit Mauern oder Gittern eingegrenzt. „Das Grab war für die Menschen der letzte Garten und darum gehörte ein Zaun.“ Erst rund zehn Jahre später, als die erste Erweiterung der Anlage fällig wurde, verwandelte Stadtgartendirektor Julius Trip das Areal in einen durchgestalteten Parkfriedhof. Vor allem zur Zeit der Rhododendronblüte im Mai ist die Parklandschaft rund um den 2,5 Hektar großen Teich ein Anziehungspunkt für die Lebenden - auch wenn ihr Besuch nicht dem Grab von Angehörigen oder Freunden gilt.

Friedhof spiegelt Stadtviertel wider

Aber auch der erste Friedhofsabschnitt spiegelt wider, was sich in den Stadtvierteln jener Jahrzehnte ablesen lässt: Wie etwa an der Bödekerstraße, an der üppig mit Schmuck verzierte Bürgerhäuser der Reichen stehen und einfachere Architekturformen in den Nebenstraßen (Bütersworthstraße) vorherrschen, so prägen die Erbbegräbnisse der Wohlhabenden auch die Hauptachsen des Friedhofes im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die lebensgroße Christus-Statue mit dem nach unten gerichteten Palmzweig, der trauernde Engel, die schwere Sarkophagplatte, die eiserne Einfriedigung, das Familienmausoleum nach klassischem Vorbild - repräsentative Bilder von Tod und Vergänglichkeit. Dahinter liegen, von Hecken und Buschwerk verborgen, die schlichten Abteilungen mit Wahl- und Reihengräbern.

Weitere Abschnitte wurden 1913 bis 1918 nach Plänen von Gartendirektor Hermann Kube angelegt. Nach dem raumgreifenden aber auch pflegeintensiven Konzept des Parkfriedhofs mit hohem Grünflächenanteil führten ökonomische Probleme und der Zwang zur dichteren Belegung der Begräbnisflächen nun wieder zu einer stärker architektonischen Gestaltung.

"Menschen möchten weniger Geld aufwenden"

Vor allem in den letzten Jahrzehnten wurden auch auf dem Stöckener Friedhof andere Bestattungsformen gewählt. „Die Menschen möchten weniger Geld für die Grabstätte und weniger Zeit für die Grabpflege aufwenden“, sagt Cordula Wächtler. Urnengrabfelder sind so entstanden, außerdem sogenannte Baumgrabstätten oder Urnengräber, die sich großzügig um ein Denkmal gruppieren. Ausnahme dürfte das vor rund 20 Jahren errichtete Mausoleum Wisskirchen sein, eine Marmorgrabanlage im Wert eines Einfamilienhauses. Auch namhafte Persönlichkeiten haben in Stöcken ihre letzte Ruhestatt gefunden: neben Friedhofsdirektor Julius Trip auch Hinrich-Wilhelm Kopf, Curt Emmrich, Heimatdichter Wilhelm Henze und jüngst Mike Gehrke - sowie Gedenkstätten für die Familie Madsack, die Opfer des Massenmörders Haarmann und des Kapp-Putsches.

Seit 1989 gibt es in Stöcken zwei Abteilungen mit eigenem Gräberfeld für Muslime, die so ausgerichtet sind, dass der Kopf Richtung Mekka zeigt. Knapp 2000 Muslime wurden hier bereits beigesetzt. Außerdem ist auf dem Friedhof Stöcken seit gut zehn Jahren Platz für eine Kindergedenkstätte sowie für verstorbene Säuglinge. „Da sich die Gesamtzahl der Bestattungen in den vergangenen drei Jahrzehnten auf rund 3300 pro Jahr halbiert hat, haben wir auf dem Gelände mehr Platz, den wir raumgreifend nutzen können“, betont Cordula Wächtler. Grabanlagen werden großzügig und mit viel Grün angelegt, um auch dem Parkcharakter gerecht zu werden. Heute werde der Reichtum der Verstorbenen nicht mehr auf den Friedhof getragen. „Die Menschen möchten pflegeleichte Grabstätten.“

Ein ausgedehnter Spaziergang über das Areal fördert neben wunderschönen Grabstätten und bestechender Flora auch manch Überraschung zutage: Auf vielen Grabstätten wachsen Erdbeeren. „Erdbeeren haben Tradition auf Friedhöfen“, weiß Wächtler. Sie haben dreigliedrige Blätter, „die für die Dreifaltigkeit stehen.“

Kaffee und Kuchen bei Anna Blume

Seit diesem Frühjahr kann der Stöckener Friedhof mit einer Besonderheit aufwarten. Das Café Anna Blume im Seitenflügel des prächtigen Eingangsgebäudes bietet selbst gemachte Kuchenkreationen, Kaffee, Frühstück und auch einen Mittagstisch. Die Mitarbeiterinnen bewirten die Gäste in historischem Ambiente unter Spitzbögen sowie draußen auf einem kleinen Rasenstück. Neben Spaziergängern und Grabbesuchern kehren auch regelmäßig Trauergesellschaften ein. Geplant sind kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen. Das Café ist ein Inklusionsbetrieb, in dem sich behinderte und nicht behinderte Angestellte um die Gäste kümmern.

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