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40 Millionen für Bädersanierung

Südliche Stadtteile 40 Millionen für Bädersanierung

Badbetreiber und Politiker in Anderten, Misburg und Kleefeld widersprechen den Gutachtern der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Denn laut denen wären 40 Millionen Euro nötig, um die Bäder der Stadtteile zu sanieren.

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Das Annabad in Kleefeld.

Quelle: Petrow

Südliche Stadtteile. Lange haben Politiker und Badbetreiber auf das Zahlenwerk der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) gewartet. Nun liegt das Ergebnis vor – und ist niederschmetternd: Mehr als 40 Millionen Euro wären nötig, um einen riesigen Sanierungsstau abzubauen. So bescheinigen es die von der Stadt beauftragten Gutachter. Damit stellt sich auch für das Hallenbad Anderten, das Misburger Bad und das Kleefelder Bad die Frage nach der Zukunft.

Das Gutachten beschreibt Mängel, Besucherdaten und notwendige Sanierungsmaßnahmen. Auch auf die Frage, ob Hannover ausreichend Wasserfläche besitzt, gaben die Gutachter eine Antwort: „Die Versorgung mit Hallenbad-Wasserfläche ist für Vereine ausreichend.“ Und was die Freibadwasserfläche angehe, sei die Lage in Hannover „sehr komfortabel“. Spannend wird es im kommenden Januar: Dann wird noch ein Teil vorgelegt, der konkrete Handlungsempfehlungen für jedes Bad auflisten soll. „Wir dürfen auf keine Wasserfläche verzichten“, betont Peggy Keller, sportpolitische Sprecherin der SPD, schon mal vorsorglich. Schon 2014 könnten erste Sanierungen starten. Der Rat der Stadt hat dafür zunächst einmal 4,8 Millionen Euro bereitgestellt.

Hallenbad Anderten: Der TSV Anderten betreibt das 1967 eröffnete Bad am Eisteichweg. Die Gutachter bescheinigten der Anlage einen satten Besucherzuwachs von 32 Prozent. 2011 kamen 86.000 Gäste. Dennoch liegt die Auslastung laut Analyse bei 18 Besuchern je Stunde und ist damit unterdurchschnittlich. Eine Zahl, die sich die stellvertretende Vereinsvorsitzende Angelika Tiedtke-Crede kaum erklären kann. „Wir sind ein Hallenbad für Vereins- und Schulsport und haben nur ein Schwimmerbecken“, sagt sie. Vor allem während der für Vereine reservierten Öffnungszeit sei das Bad voll ausgelastet. „Wir können nicht alle Vereinsanfragen decken.“

Allenfalls vormittags und am späten Abend gäbe es nach Auskunft von Tiedtke-Crede noch Kapazitäten. Wegen Mängeln im Beckenbereich und am Gebäude müssten laut Gutachten 2,5 Millionen Euro investiert werden. Den Zustand der Bausubstanz könne sie nicht einschätzen, sagt die Vereinsvorsitzende. Aber: „An der Schwimmhalle und den Nassräumen sehen wir wenig Sanierungsbedarf.“ Zudem habe der TSV in den vergangenen Jahren bereits viele Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen.

Misburger Bad: Die Auslastung liegt mit 37 Besuchern je Stunde knapp unter Bundesdurchschnitt. Fast zwei Millionen Euro veranschlagen die Gutachter für notwendige Modernisierungen; unter anderen bei undichten Fugen und in der Anlagentechnik.

Aus Kostengründen hatte die Stadt das Misburger Bad 2007 privatisiert. Die Firma s.a.b baute die Einrichtung in einen Gesundheits- und Bäderpark um und holte wegen finanzieller Probleme 2009 die holländische Firma Optisport ins Boot. Immer wieder klagten Besucher über Mängel. 2012 investierte Optisport in kleinere Sanierungen.

„Die machen inzwischen eine gute Arbeit“, sagt SPD-Ratsfrau Keller. Um die Betreiber zu entlasten, erhöhte die Stadt ihren jährlichen Zuschuss für 2013 und 2014 von je 100.000 Euro auf das Vierfache. Der Bezirksbürgermeister von Misburg-Anderten, Klaus Dickneite, hört jedoch immer noch Klagen über mangelnde Hygiene. „Aber weder das Misburger Bad noch das Anderter Bad sollten geschlossen werden“, betont er.

Kleefelder Bad (Annabad): Das mit Abstand älteste Freibad (Baujahr 1937) steht unter Denkmalschutz. Seit 1996 betreibt es der Polizei-Sportverein. Die Gutachter bescheinigen der Anlage nicht nur einen Sanierungsbedarf in Höhe von 4,7 Millionen Euro, sondern auch einen Besucherrückgang. 2011 kamen 120.000 Badegäste, elf Prozent weniger als im Durchschnitt in den zehn Jahren zuvor.

Badleiter Horst Schröder kritisiert, dass der Besucheransturm in der jüngsten Saison (175.000 Besucher) nicht berücksichtigt wurde. Für überteuert und unnötig hält Schröder zudem die millionenschwere Sanierung. Die Gutachter veranschlagten eine Auskleidung aller vier Becken mit Edelstahl. Wirklich notwendig sei aber lediglich die Sanierung eines Nichtschwimmerbeckens. Kosten: rund 400.000 Euro. „Dazu sind wir mit der Stadt bereits im Gespräch“, sagt Schröder.

Unterstützung bekommt Schröder von Politikern. „Das Annabad ist ein Schmuckstück. Ich denke nicht, dass das gefährdet ist“, sagt Keller. Auch Henning Hofmann, Bezirksbürgermeister in Buchholz-Kleefeld hält die Schließungsdebatte für übertrieben. „Das Annabad ist beliebt“, betont auch CDU-Ratsherr Maximilian Oppelt, der auch im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld sitzt.

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Foto: Sanierungsbedürftig: Das Fössebad in Limmer.

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