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Süd 40.000 Bücher gingen in Flammen auf
Hannover Aus den Stadtteilen Süd 40.000 Bücher gingen in Flammen auf
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15:05 13.05.2015
Zehntklässler errichten am Maschsee an die Bücherverbrennung 1933. Quelle: Christian LInk
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Südstadt

Südstadt. Wo heute auf dem Maschsee eine kleine Boje treibt, loderte 1933 ein gewaltiges Feuer. „Als der Maschsee noch nicht da war, hat da hinten die Büchverbrennung stattgefunden“, sagt Sven Röhlen und zeigt von der Geibelbastion aus auf den See. „Wenn man sich verdeutlicht, wie viele Bücher damals vernichtet wurden, ist das schon erschreckend“, ergänzt der 16-Jährige aus der Klasse 10a der Käthe-Kollwitz-Schule, die am vergangenen Montag in einer Gedenkfeier mit rund 30 Teilnehmern an die Bücherverbrennung in Hannover erinnerte.

Am 10. Mai 1933 hatten nationalsozialistische Studenten eine ganze Wagenladung von „undeutschen Schriften“ in der Stadt zusammengetragen, um sie anschließend vor der damaligen Bismarcksäule zu verbrennen. Vorausgegangen war ein Fackelzug unter Hakenkreuzfahnen durch die Innenstadt, der von Tausenden Hannoveranern bejubelt wurde.

Geschätzte 40.000 Werke seien damals in Flammen aufgegangen, berichtet Schülerin Kati Gebauer. Aufeinandergestapelt hätten sie eine Höhe von gut 800 Metern erreicht. „Das sind sehr viele Bücher“, sagt Kati und muss sich schon ziemlich lang machen, um den kleinen Gedenkstapel mit nur 60 Büchern zu vollenden, den sie und ihre Mitschüler zu Erinnerung errichten. Fast zwei Meter ist dieser am Ende hoch.

Die Schüler zitieren aus den Werken von Autoren, die 1933 von den Nazis geächtet wurden. Darunter finden sich Namen wie Erich Kästner, Heinrich Heine oder Bertolt Brecht. Auch der österreichische Schriftsteller Oskar Maria Graf wird von den Gymnasiasten gewürdigt. Er hatte sich nachträglich bei den Nazis darüber beschwert, dass seine Werke nicht auch verbrannt wurden. „Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein wie eure Schmach!“, lesen die Schüler aus seinem Brief vor.

Der Bezirksbürgermeister von Südstadt-Bult, Lothar Pollähne, lobt: „Das war toll, was die Schüler da gemacht haben.“ Es sei das erste Mal gewesen, dass die offizielle Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung von einer Schulklasse ausgerichtet worden sei. Die Schüler hatten sich unter der Leitung von Geschichtslehrerin Stefanie Lemeire gut zwei Monate auf diesen Tag vorbereitet.

Pollähne hatte die Veranstaltung zuvor mit einem Grußwort eröffnet, in dem er an hannoversche Autoren erinnerte, deren Werke 1933 verbrannt wurden. „Diese Urheber sind zum Teil vergessen oder erst sehr spät und eher pflichtschuldig wiederentdeckt worden“, sagt er. Namentlich erwähnt der Bürgermeister die Romanautoren Vicki Baum und Jakob Hirsch, den Kulturkritiker Herbert Ihering, den „philosophischen Querdenker“ Theodor Lessing, Erich Maria Remarque, Joachim Ringelnatz, den „Ur-Hannoveraner“ Kurt Schwitters, die Schauspielautoren Carl Sternheim und Frank Wedekind sowie die Schriftsteller Gustav Noske und Albrecht Schaeffer, die beide auf dem Friedhof Engesohde bestattet sind.

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