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Eine Heidelandschaft mitten in der Stadt

75 Jahre Hermann-Löns-Park Eine Heidelandschaft mitten in der Stadt

Der Hermann-Löns-Park wird 75 Jahre alt. Aus diesem Anlass hat die Stadt einen Hörspaziergang herausgebracht, mit dem Besucher beim Rundgang viel Wissenswertes erfahren können.

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Seit 75 Jahren können die Hannoveraner im Hermann Löns Park lustwandeln.

Quelle: Handout

Hannover. Als der Hermann-Löns-Park im Sommer 1939 eröffnet wurde, war er eine kleine Sensation. Auf dem sumpfigen Gelände hinter dem Annateich war in drei Jahren Bauzeit eine Grünanlage entstanden, die einer urtypischen niedersächsischen Auelandschaft nachempfunden war. Damit hatte sich die Landeshauptstadt ein Stück Heidelandschaft mitten in die Stadt geholt. Aus landschaftsarchitektonischer Sicht war dies eine beachtliche Leistung - auch wenn das ganze Projekt durch die Heimatideologie der dreißiger Jahre verklärt und belastet war.

Gartenarchitekt Wilhelm Hübotter und Stadtbaurat Karl Elkart betrieben das Projekt, den auf diese besondere Weise gestalteten Volkspark zu errichten. „Hier in Hannover ist erstmalig der Versuch gemacht, mit dem englischen Parkideal zu brechen und eine naturgemäße deutsche Landschaft zu schaffen“, lobte der damalige Stadtgartendirektor Hermann Wernicke die neue Grünanlage im Südosten Hannovers, die die Eilenriede und den Tiergarten miteinander verbindet. Schon 1935 hatte die Stadtverwaltung einen „Volkspark am Annateich“ geplant. Oberbürgermeister Arthur Menge wollte Hannovers Ruf als Gartenstadt damit weiter festigen.

Zum 75. Jubiläum hat die Stadt Hannover dem Geburtstagskind nun einen Hörspaziergang spendiert. „Wiesengeschichten“ heißt der 50-minütige Audiorundgang von Landschaftsarchitektin Stefanie Krebs, der während eines Spaziergangs durch den Park dessen Besonderheiten und Geschichten erzählt. Mit viel Liebe und Aufwand hat die Fachjournalistin, die auch an der Leibniz Universität lehrt, den Audioguide zusammengestellt. Von Mai bis Juli recherchierte sie und führte viele Interviews. Für den Hinüberschen Garten in Marienwerder und die Leineaue in Döhren hat Krebs bereits ähnliche Hörspaziergänge aufgenommen - im Auftrag der Stadt Hannover. „Wir wollten das Jubiläum des Lönsparks nicht sang- und klanglos verstreichen lassen“, betont Claudia Wollkopf vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün.

Charakteristisch für den Hermann-Löns-Park ist seine vielfältige Flora. Dabei hatten seine Erbauer noch genau darauf geachtet, dass auf dem 86 Hektar großen Gelände nur deutsche Pflanzen wachsen - auch diese Planungen waren der Ideologie der damaligen Zeit geschuldet. Allerdings sei das Thema Naturschutz schon seinerzeit kontrovers diskutiert worden, sagt Krebs. Denn bis 1936 war das Parkgelände noch eine riesige Feuchtwiesenlandschaft - und manche Zeitgenossen störten sich daran, dass die natürliche Landschaftsform geopfert wurde.

Um der Heimatideologie Genüge zu tun, wurden mitunter auch sehr künstliche Details in den Parks „importiert“. Zum Beispiel die typisch deutschen Findlinge. „Wie man in englischen Gartenanlagen der dreißiger Jahre Pyramiden und Tempel aufstellte, hat man in Deutschland Findlinge gesetzt“, erklärt Krebs. Bereits zusammen mit dem Park - auch das erfahren Interessierte bei dem Hörspaziergang - wurden bereits der Annateich, das Kleefelder Annabad und die benachbarte Kleingartenkolonie angelegt.

Die Audiodateien für den Hörspaziergang können unter www.hermann-loens-park-hoeren.de kostenfrei aus dem Internet heruntergeladen werden; sie sind geeignet für MP3-Player oder Smartphone. Außerdem werden im Gasthof „Alte Mühle“ zehn Audiogeräte ebenfalls kostenlos gegen ein Pfand ausgeliehen.

Gasthof Alte Mühle

Für den typisch niedersächsischen Volkspark wurde seinerzeit auch ein kleines Freilichtmuseum eingerichtet. Im Zentrum dieser Anlage liegt der Gasthof „Alte Mühle“, der 1939 als Ausflugslokal eröffnet wurde. Dort werden heute unter dem gleichem Namen noch immer Gäste bewirtet – und die Betreiber des Parkrestaurants verweisen gern auf die wechselvolle Geschichte des Hauses. Eigentlich ist das Gebäude ein altes Bauernhaus aus dem Jahr 1720, das ursprünglich in Wettmar stand. Der Speicher ist sogar auf das Jahr 1637 datiert. Beide Bauten sollen die niedersächsische Baukunst vergangener Zeiten auch für den modernen Menschen erlebbar machen.

Annateich

Der Annateich verdankt seine Entstehung einer Ziegelei, die dort ursprünglich Ton abgebaut hatte. Erst später füllte sich die Grube mit Wasser und ließ das kleine Gewässer entstehen. Für den Hermann-Löns-Park wurde der Teich deutlich erweitert. „Im Zuge der Bauarbeiten ist er malerischer gestaltet worden, sodass man viele unterschiedliche Perspektiven auf den Teich hat“, berichtet Landschaftsarchitektin Claudia Wollkopf. Die Erweiterung sei allerdings umstritten gewesen. Die „Pflanzengesellschaft von seltener Reichhaltigkeit“ rund um das Gewässer werde dadurch gestört, kritisierte damals der Naturschutzbeauftragte der Stadt. Er stimmte den Plänen dennoch zu.

Bockwindmühle

Ebenso wie das Ensemble rund um das Bauernhaus gehört auch die Bockwindmühle zum Freilichtmuseum im Hermann-Löns-Park. Das 1701 errichtete Bauwerk hat eine sprichwörtlich bewegte Vergangenheit: Zunächst stand die Mühle am Aegidientor, dann auf dem Opernplatz, am Maschsee-Nordufer, in der Meterstraße und schließlich neben dem Engesohder Friedhof. Weil sie überall der Stadterweiterung im Weg stand, musste sie ständig umziehen. Als auch noch der Friedhof erweitert wurde, verließ die Mühle Hannover in Richtung Hohenbostel. Für den Volkspark kaufte die Stadt Hannover das Gebäude schließlich wieder zurück.

Findlinge

Der Findlingkreis im Hermann-Löns-Park bleibt in mancher Hinsicht rätselhaft. Vermutlich handelt es sich bei der Steinformation, die als Naturdenkmal eingestuft ist, um ein altes Hünengrab, das sich offenbar zunächst an anderer Stelle befand. „Es ist anzunehmen, dass man die Findlinge nachträglich in den Park integriert hat“, sagt Landschaftsarchitektin Stefanie Krebs. Bei ihren Recherchen stieß sie auf Hinweise, dass die Findlinge ursprünglich von einem Ort namens „Hünenbrink“ stammen, der nicht weit vom Annateich entfernt lag. Nun befinden sie sich in der Nähe des Kiebitzberges, einer kaum bemerkbaren Erhebung mit einem Birkenhain an der Nordseite des Parks.

Kleingärten

Die Dauerkleingartenkolonie „Am Annateich“ wurde eigens für den Volkspark angelegt. In Hannover herrschte zu jener Zeit hoher Bedarf an neuen Gärten – für den Bau eines Truppenaufmarschplatzes war erst kürzlich eine Kolonie planiert worden. Gegen ein solches Schicksal ist die Anlage in Kleefeld gefeit: Wegen ihres historischen Charakters steht sie unter Denkmalschutz. Daher haben sich dort Lauben, Grundstücke und Wege seit 75 Jahren auch kaum verändert. „Trotz des klaren Rasters kann sich jeder Gärtner sein individuelles Refugium schaffen“, beschreibt Landschaftsarchitektin Claudia Wollkopf die Besonderheit der Kolonie. Für sie ist die Anlage in Kleefeld eine der schönsten im ganzen Stadtgebiet.

Apothekerwiese

Im Laufe der Zeit haben die Gärtner im Hermann-Löns-Park jeder Wiese einen eigenen Namen gegeben. Die Apothekerwiese etwa zeichnet sich durch ihre Vielzahl an Heilkräutern aus, auf der Kiebitzwiese soll es früher zahlreiche Vögel dieser Art gegeben haben. Diese Zeiten sind allerdings vorbei. Im Gegensatz zur Pflanzenwelt ist die Fauna im Hermann-Löns-Park nicht sehr vielfältig. „Das prägendste Tier neben den Grillen im Sommer ist die Graugans“, sagt Landschaftsarchitektin Stefanie Krebs. Bis zu 120 Graugänse soll es im Park geben. Gegenüber den Besuchern sind die Federtiere zwar ziemlich furchtlos, dafür haben sie aber einen anderen Feind. „Manchmal kommen Füchse aus dem Tiergarten herüber und nehmen auch mal eine Graugans mit“, erzählt Krebs.

Das war Hermann Löns

Mit seinen satirischen Glossen erlangte er als „Fritz von der Leine“ Berühmtheit in Hannover: Hermann Löns schrieb ab 1893 als Mitarbeiter des Hannoverschen Anzeigers von Verleger August Madsack, des Vorläufers der HAZ, über aktuelle und hintergründige Themen aus Hannover. 1866 im westpreußischen Culm als erstes von 14 Kindern geboren, brach er später das Studium der Naturwissenschaften ab und hospitierte zunächst bei verschiedenen Zeitungen, bis er 1892 nach Hannover kam, wo er sich vom freien Mitarbeiter bis zum Chefredakteur hocharbeitete. Seine Leidenschaft galt der Heide, die er in vielen Texten und Liedern glorifizierte. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm 1909 mit ausgiebigen Naturschilderungen. Besonders erfolgreich waren seine Bücher „Mümmelmann“ und „Was da kreucht und fleucht“. Oft durchstreifte Löns die Lüneburger Heide – er gilt als früher Naturschützer. Mit dem Lied „Grün ist die Heide, die Heide ist grün“ setzte er ihr ein musikalisches Denkmal. Nach zwei gescheiterten Ehen und vielen Alkoholproblemen meldete Löns sich mit 48 Jahren als Freiwilliger zum Ersten Weltkrieg. Nur wenige Wochen nach Kriegsbeginn fiel er am 26. September 1914 nahe der französischen Stadt Reims. Von den Nationalsozialisten wurde er später als „deutscher Held“ gefeiert und für Propagandazwecke missbraucht. cli/med

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