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Süd Alte Birke am „offenen“ Grab ist tot
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Alte Birke am „offenen“ Grab ist tot
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15:32 29.01.2010
Nur noch der Stumpf der Sägespäne sind vom bekannte Baum übrig geblieben. Quelle: Karin Vera Schmidt

Wer in diesen Tagen das „geöffnete“ Grab der Henriette Juliane Caroline von Rüling (1756 – 1782) auf dem Gartenfriedhof sucht und es nur von Postkarten oder aus dem neuen Stadtlexikon Hannover kennt, wird die historisch bedeutende Stätte nur mit Mühe finden. Von der alten, malerisch von Efeu umrankten Birke, die lange Zeit untrennbar mit dem Grabstein verbunden schien, ist nur noch ein Stumpf übrig. Der Bereich Umwelt und Stadtgrün hat den stadtbekannten Baum gefällt. Die seit Jahren beobachtete Schieflage der Birke habe sich so verstärkt, dass sie aus Sicherheitsgründen nicht zu halten gewesen sei, begründet Bereichsleiterin Regina Raukuttis diesen Schritt.

Dass der Fachbereich es versäumt hatte, im Vorfeld der Fällung die Öffentlichkeit zu informieren, bedauert Raukuttis und entschuldigt sich dafür. „Schlichtweg dumm“ nennt dagegen Herbert Naglatzki, Pastor der Gartenkirche, das Vorgehen der Grünkolonne. Das Schlimme sei die Unachtsamkeit. „Ich vermisse eine Identifikation mit den Besonderheiten dieser Stadt“, sagt der Pastor. Noch nicht einmal die Sägespäne hätten die Arbeiter von dem Grabstein entfernt. Die Birke sei im Übrigen nicht so schief gewesen, dass von ihr eine Gefährdung ausgegangen sei, meint er.

Der etwa 70 Jahre alte Baum mit einem Stammumfang von 158 Zentimetern war mit dem Grabstein verbunden, weil er zwischen Sockel und Grabplatte gewachsen war und damit die schwere Steinplatte angehoben hatte. Dieses „geöffnete“ Grab von Henriette von Rüling, der früh an Schwindsucht verstorbenen Ehefrau eines hannoverschen Regierungssekretärs, war schon im 19. Jahrhundert eine Kuriosität und Anlass für etliche Schauergeschichten – zumal der Sockel des Grabsteins die Inschrift „Dieses auf ewig gekaufte Begräbnis darf nie geöffnet werden“ trägt. Wie es kommt, dass die erst 70 Jahre alte Birke schon im 19. Jahrhundert die Grabplatte angehoben haben soll, kann Regina Raukuttis nicht erklären. Sie wolle aber noch in historischen Unterlagen nachforschen.

Dass die alte Birke gefällt wurde, ist auch für Theatermacher Albrecht von Blanckenburg ärgerlich. Für das neue Stück der Theatergruppe von Eilenriedestift und Montessori-Schule „Hannoversche Geschichten“ hatte er vor Kurzem mit den Laienspielern einen Film am „geöffneten“ Grab aufnehmen wollen – und nur noch einen Baumstumpf vorgefunden. Viel historisches Material zu dem Stück hatte die im vergangenen Herbst mit 94 Jahren verstorbene Mitspielerin Irmgard Reverey beigetragen. Als Kind hatte sie selbst die schön-schaurige Stätte besucht. „Wir sind schockiert darüber, dass die Stadt diesen wichtigen alten Baum einfach gefällt hat, statt ihn zu beschneiden“, sagt von Blanckenburg. Von ihm stammt das wohl letzte Foto der Birke, er hat es im vergangenen Dezember aufgenommen.

Regina Raukuttis will möglichst bald mit der Denkmalbehörde über eine angemessene Wiederherstellung der historischen Grabstätte nachdenken. „Das Kind kann man nicht mehr aus dem Brunnen herausholen“, sagt dazu Pastor Herbert Naglatzki.

von Karin Vera Schmidt

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