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Arbeitsagentur weicht Wohnkomplex

Neubau am Altenbekener Damm Arbeitsagentur weicht Wohnkomplex

Das Bauunternehmen Gundlach plant am Altenbekener Damm 80 Wohnungen und bereitet den Abriss des dortigen Bürogebäudes vor.

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Das ehemalige Gebäude der Regionaldirektion der Arbeitsagentur soll einem Wohnkomplex weichen.

Quelle: Hagemann, Gundlach

Die Südstadt gilt als einer der stadtweit begehrtesten Standorte für den Wohnungsbau. Nun werden die Pläne für ein Großprojekt am Altenbekener Damm konkreter: Das Bauunternehmen Gundlach hat einen Zeitplan und weitere Details für seinen Neubau mit rund 80 Eigentums- und Mietwohnungen vorgestellt, der auf dem Gelände der Regionaldirektion der Arbeitsagentur in der Nähe des Maschsees entstehen wird. „Wir streben einen Baubeginn spätestens Ende dieses Jahres an“, sagt Projektleiter Andreas Kramer dem Stadt- Anzeiger. Zuvor muss das massige Gebäude der Arbeitsagentur abgerissen werden. Einen Termin dafür gibt es noch nicht. Fest steht: Binnen zwei Jahren soll der Neubaukomplex, in den Gundlach einen zweistelligen Millionenbetrag investiert, bezugsfertig sein.

Das 5400 Quadratmeter große Grundstück am Altenbekener Damm ist das letzte noch bebaubare Areal in der Umgebung des Maschsees – und entsprechend attraktiv für den Wohnungsbau. Ende vergangenen Jahres sind die Mitarbeiter der Arbeitsbehörde aus dem Bürobau, der aus den Sechzigerjahren stammt, ausgezogen und in einen Neubau am Pferdeturm umgesiedelt. „Wir haben für den Altbau am Altenbekener Damm eine Altlastenuntersuchung in Auftrag gegeben“, sagt Kramer. Es solle geprüft werden, ob in dem Bürohaus Asbest verbaut wurde. Danach werde ein Abrisskonzept erarbeitet. Doch wann genau die Bagger anrücken können, hängt von mehreren Faktoren ab.

Bisher besteht für das Gundlach-Projekt noch kein Baurecht auf dem Gelände; das Bebauungsplanverfahren läuft derzeit. Nachdem der Bezirksrat Südstadt- Bult jüngst eine entsprechende Verwaltungsvorlage einstimmig gebilligt hat, sind die Ratsgremien am Zuge. Wenn diese ein positives Votum abgegeben haben, könnte das Bauprojekt starten. Doch hier zeichnet sich ein zeitliches Problem ab: Sieben Bäume auf dem Gelände müssen gefällt werden. Wegen der Brut- und Setzzeit für Vögel sind Fällungen nur bis Ende Februar erlaubt. Bis dahin wird aber nach aller Erfahrung kein gültiger Bebauungsplan vorliegen. Mit der Stadt will Gundlach klären, ob möglicherweise doch schon im Vorgriff auf das zu erwartende Baurecht früher gefällt werden kann. „Andernfalls müssen wir bis zum Herbst warten“, sagt Kramer. Sollte das der Fall sein, würden auch die Abrissarbeiten bis dahin verschoben. „Wir haben das leer stehende Gebäude gut abgesichert und lassen es überwachen“, betont er.

Im Bezirksrat Südstadt-Bult, wo Kramer den neuesten Stand der Planungen jüngst vorstellte, stieß das Projekt auf Wohlwollen. Die Stadtteilpolitiker lobten vor allem die Architektur des Komplexes, die sich in die für die Südstadt typischen Ziegelsteinfassaden einfügt. Gebaut wird nach den Plänen des Rasteder Büros Gruppeomp, das als Sieger aus einem von der Stadt ausgelobten Architektenwettbewerb hervorgegangen war. Die Entwürfe sehen einen bis zu fünfgeschossigen Gebäudeblock mit einem geräumigen Innenhof vor, der vom Altenbekener Damm und der Siemensstraße begrenzt wird. Den Architekten ist es gelungen, außer der Ziegelfassade zwei Besonderheiten in ihren Entwurf zu integrieren. Sie staffeln die oberen Geschosse so, dass vom Maschsee aus der Eindruck eines Stufengiebels entsteht, wie er typisch für bestimmte Backsteinbauten ist. Zudem wollen sie den Innenhof mit zwei großen Zufahrten in Form von Rundbögen ausstatten, was an die Gründerzeitarchitektur vor allem der Genossenschaftsbauten in norddeutschen Großstädten erinnert.

In dem Gebäudeblock sollen familienfreundliche und seniorengerechte Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern entstehen. Nach den mit der Stadt abgestimmten Planungen werden zehn Prozent der Wohnungen den Mietpreisbindungen des sozialen Wohnungsbaus unterliegen. Eine Vereinbarung, die die Bezirksratspolitiker begrüßten. Zu den weiteren Miet- und Kaufpreisen wollte sich Projektleiter Kramer auf Nachfrage von SPD-Fraktionschef Roland Schmitz- Justen noch nicht äußern. Wie viele der 80 Wohnungen vermietet werden und wie viele in Eigentum übergehen, ließ er ebenfalls offen. In der Drucksache der Verwaltung ist nur die Rede von einer „Wohnanlage mit Eigentumswohnungen im mittleren und gehobenen Geschosswohnungsbau sowie Mietwohnungen“. Auch bei einer ersten Vorstellung des Projekts im Sommer 2013 hatte Gundlach-Geschäftsführer Lorenz Hansen erklärt, es handele sich überwiegend um Eigentumswohnungen, die zu den ortsüblichen Preisen vermarktet würden.

Parkplätze für die künftigen Bewohner werden in einer Tiefgarage auf dem Grundstück eingerichtet. Die Quote liege bei 80 Prozent, das entspreche den städtischen Vorgaben, erklärt Kramer. FDP-Vertreter Thomas Siekermann fragte, ob „die restlichen 20 Prozent auf den Altenbekener Damm ausweichen“. Darauf antwortete der Gundlach-Mann: „Wir setzen auf die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und auf Car-Sharing-Stellplätze.“

Bekannte Architektur

Das Landesarbeitsamt Niedersachsen- Bremen (später Regionaldirektion der Arbeitsagentur) wurde 1967 bis 1969 am Altenbekener Damm errichtet. Der hannoversche Architekt Heinz Wilke (1927– 1992) orientierte sich bei der Gestaltung der Betonfassade für den siebengeschossigen Verwaltungsbau an Entwürfen des amerikanischen Architekten Paul Rudolph. Wilke lebte und arbeitete in Hannover und Düsseldorf. In der niedersächsischen Landeshauptstadt gibt es mehrere bekannte Bauten aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, für die er verantwortlich zeichnet. Dazu zählen das Bürogebäude der Sparkasse am Raschplatz, das derzeit saniert wird, ein Terminal des Flughafens in Langenhagen und die Parkgarage in der Osterstraße samt Restaurant und Bowlingbahn – dieses Gebäude steht heute unter Denkmalschutz. einige Bauten der Hannover- Messe stammen ebenfalls von Wilke.

jk

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