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Süd Autismus Zentrum feiert 40-jähriges Jubiläum
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Autismus Zentrum feiert 40-jähriges Jubiläum
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00:23 16.08.2014
Dass Nicklas Autist ist, ist ihm nicht anzumerken. Allenfalls ist er etwas ernster und distanzierter als andere Kinder. Quelle: Emine Akbaba
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Hannover

Als sich einige Eltern autistischer Kinder und Jugendlicher vor 40 Jahren zu einer Initiative für die Betreuung ihres Nachwuchses zusammenfanden, da konnten sie nicht ahnen, dass daraus einmal ein großes Therapiezentrum werden würde. Heute besteht der Komplex aus einer ambulanten Pflegeeinrichtung, einem Kindergarten, einer Tagesbildungsstätte und einem Internat. 75 Mitarbeiter kümmern sich um 160 autistische Kinder und Jugendliche.

Seinen runden Geburtstag feierte das Therapiezentrum für autistische Kinder (THZ) nun mit einem Sommerfest am Dietrich-Bonhoeffer-Haus in der Bemeroder Straße. Das 40-jährige Bestehen nahm die gemeinnützige Gesellschaft auch zum Anlass, ihren Namen zu ändern: Das THZ heißt nun Autismus Zentrum Hannover (AZH). „Der Begriff Therapie trifft nicht mehr den Ansatz und den Wunsch der Gründer, Autismus heilen zu können“, begründet Geschäftsführer Markus Kriegel die Entscheidung.

Birgit Glapa ist mit ihrem Sohn Nicklas zum Sommerfest gekommen. Die 50-Jährige sitzt im kühlen Inneren der Villa, Nicklas tollt über den Hof - er kennt sich hier aus. Schließlich hat er drei Jahre lang den Kindergarten der Einrichtung besucht und ist dort intensiv gefördert worden. Wie sie die ersten Jahre nach Nicklas Geburt überstanden hat, weiß die 50-Jährige aus Ahlem nicht mehr. Nicklas war anders als seine drei älteren Brüder, das merkte sie sehr schnell. Er weinte viel und sprach auch mit zwei Jahren noch kein Wort. Wenn Nicklas etwas von ihr wollte, zog er wortlos an ihrem Ärmel. Verstand sie ihn nicht, bekam er Wutanfälle und wurde aggressiv. Wollte sie ihn baden, hielt sich Nicklas am Türrahmen fest und schrie so laut, dass seine Mutter sich danach vor Nachbarn rechtfertigen musste, die sich Sorgen um das Wohl des Jungen machten.

Etwas ernster und distanzierter als andere Kinder

Nach zweieinhalb Jahren kam dann die Diagnose: Nicklas ist frühkindlicher Autist. Bei dieser Form des Autismus beginnt die Erkrankung schon vor dem dritten Lebensjahr, besonders mit der Kommunikation und dem Sozialverhalten haben diese Kinder große Probleme. Sie verstehen Gesten nicht, haben kein Empathievermögen und Veränderungen bereiten ihnen Angst. Mittlerweile ist Nicklas sieben Jahre alt und besucht eine normale Grundschule in Davenstedt.

Er hat einen Arm voll Spielzeug bei der Tombola auf dem Sommerfest gewonnen und breitet die Schätze, darunter Autos und einen Stoffgorilla, auf dem Tisch vor seiner Mutter aus. Dass Nicklas Autist ist, ist ihm nicht anzumerken. Allenfalls ist er etwas ernster und distanzierter als andere Kinder. Wie er den Gorilla nennen will, weiß er noch nicht. „Darüber muss ich mir später Gedanken machen“, sagt er und verschwindet wieder in Richtung Hausmeister, um dort eine Tüte für die Spielsachen aufzutreiben.

„Nicklas’ Entwicklung ist ein besonders positiver Fall gewesen“, sagt Immy Steenwijk. Die 60-Jährige ist seit 21 Jahren Leiterin des Kindergartens und der Tagesbildungsstätte des AZH. In Steenwijks Kindergarten gibt es zwei Gruppen mit jeweils acht Kindern. Jedes von ihnen wird anders gefördert und betreut. Einen Universalschlüssel für autistische Kinder gebe es nicht, sagt sie. Als Erfolg verbuchen sie und ihr Team es, wenn ein Kind sich auf seine Außenwelt einlässt und lernt, seine Wahrnehmung und Kommunikation zu steuern. „Im Gegensatz zu anderen Kindern lernen Autisten nicht durch Imitation“, erläutert Steenwijk. „Die Kommunikation mit der Außenwelt muss trainiert werden.“

Einige Kinder lernen dies mit Heften, in denen sich Kärtchen mit Piktogrammen von Dingen, Tätigkeiten und Gefühlszuständen befinden. In teils jahrelanger Kleinarbeit trainiert das Team mit dem Kind das, was es gerade möchte, mit der richtigen Karte zu zeigen. Andere Kinder lernen wiederum die Gebärdensprache.

2012 entwickelte das AZH eine Fördermaßnahme, die bundesweit einmalig ist: Während der sogenannten autismusspezifischen Verhaltenstherapie werden die Kinder elf Monate intensiv zu Hause und im Kindergarten gefördert. Auch Nicklas hat an dieser Maßnahme teilgenommen und große Fortschritte gemacht. Er verlor die Angst vor dem Baden und lernte zu sprechen. Nicklas erstes Wort wird seine Mutter nie vergessen. Er sagte: „Bus“.

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