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Süd 96-jähriger Rolf Zick erzählt Schülern vom Krieg
Hannover Aus den Stadtteilen Süd 96-jähriger Rolf Zick erzählt Schülern vom Krieg
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12:40 26.02.2018
Der ehemalige Vorsitzende der Landespressekonferenz, Rolf Zick, berichtet in der Bismarckschule vom Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit. Quelle: privat
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Hannover

 Es klingt wie bei einer Märchenstunde. Rolf Zick sitzt auf der Bühne der Aula der Bismarckschule und beginnt mit seiner tiefen ruhigen Stimme: „Heute werde ich euch etwas aus einer Zeit erzählen, die für euch Geschichte ist. Es ist eine Geschichte von einem Zeitzeugen, quasi eurem alten Opa.“ Es ist mucksmäuschenstill. Die Schüler der zehnten Klasse hören aufmerksam zu, als der 96-Jährige sein Leben schildert.

Die Schüler aus der 10D haben die Veranstaltung für den gesamten Jahrgang organisiert. Neben Zick auf der Bühne sitzen die Schüler Alexa Biller und Raavi Nasser. Sie moderieren. „Es ist wichtig für uns zu hören, was Herr Zick zu erzählen hat. In Geschichte nehmen wir gerade den Zweiten Weltkrieg durch, und seine Geschichten als Überlebender vermitteln uns einen Eindruck aus dem Krieg – besser als alle Geschichtsbücher“, sagt die 15-jährige Alexa.

Zick arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg viele Jahre als Journalist. In der Nachkriegszeit begann er als Lokalreporter in Göttingen zu arbeiten. Von 1971 bis 1990 war Zick Vorsitzender der niedersächsischen Landespressekonferenz. Vor sieben Jahren wurde ihm die höchste Auszeichnung Niedersachsens – die Niedersächsische Landesmedaille – verliehen. Bis dahin war es ein langer Weg. Und von diesem erzählt er den Bismarckschülern.

70 Angriffe überlebt

Zick hat sein Abitur 1939 gemacht. Das letzte Friedensabitur, wie er es nennt. Dabei wurde er im Boxen geprüft. Ob sie sich das vorstellen können, fragt er die Schüler. Können sie nicht. Genauso schwer fällt es ihnen, sich vorzustellen, was Zick die darauffolgenden Jahre erlebt hat. Er leitet es als Beschreibung seines schrecklichsten und schlimmsten Lebensabschnitts ein. „Zwölf Jahre in unserer 6000-jährigen Geschichte sind ein Fliegenschiss. Aber was da abging, das geht auf keine Kuhhaut“, beschreibt Zick. Nach dem Abitur wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Dort war er bei der Luftabwehr im Einsatz und verteidigte Hannover. Mehr als 70 Angriffe habe er erlebt und überlebt, bis Hannover 1943 nahezu vollkommen zerstört war. Sein nächster Einsatz: an der vordersten Front in der Sowjetunion. Dort kämpfte er bis zum Kriegsende. Dann kam er in die sowjetische Kriegsgefangenschaft – mit ausgeschlagenen Zähnen und nichts weiter als einem Hemd. „Es waren minus 40 Grad in Sibirien, und Hunger war unser ständiger Begleiter.“ Solch detaillierte Erzählungen lesen die Schüler nicht in ihren Geschichtsbüchern. „Nach insgesamt zehn Jahren kam ich in die Heimat als Gespenst aus Haut und Knochen zurück. Meine eigene Mutter hat mich nicht erkannt.“ Körperlich habe er sich in kurzer Zeit wieder erholt. Die seelische Genesung ende nie. In der Aula der Bismarckschule herrscht Stille. Alle hören gespannt zu.

Werdegang als Journalist

Nach der Heimkehr fing Zick als Lokalredakteur in Göttingen an – das abenteuerliche Leben als Journalist begann, sagt er. Sein einziges Arbeitswerkzeug: ein Bleistift. Da staunten die Schüler nicht schlecht angesichts des Repertoires an Informationstechnologie, mit dem sie selbst heute arbeiten.

Zick erzählt an diesem Morgen viele Anekdoten. Sie zeigen, was er alles in fast 100 Jahren miterlebt hat: „Ich bin der einzige Lebende, der von dem ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf bis Stephan Weil alle persönlich kennengelernt hat.“ Die Schüler staunen. Zick begeistert sie durch sein charismatisches Auftreten. Der Mann im grauen Anzug nimmt kein Blatt vor den Mund. Für die Schüler füllt der Zeitzeuge die Lücke zwischen ihrem persönlichen Erleben und ihren Geschichtsbüchern mit realen Bildern.

Den Boxkampf im Abitur hat Zick übrigens verloren. Seinen Überlebenskampf im Krieg nicht. Ein unersetzbarer Gewinn für die einmalige Geschichtsstunde der Zehntklässler der Bismarckschule.

Von Sophie Richter

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