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Südstadt

CDU will KPD nicht aufs Schild heben

Von Michael Zgoll

Ein Faible für Streitereien rund um die angemessene Einordnung historischer Vorgänge scheint derzeit der Bezirksrat Südstadt-Bult zu entwickeln. In der vergangenen Sitzung entbrannte ein eigenwilliger Streit um die Umwidmung der Wißmannstraße.

In der vergangenen Sitzung kreiste die Debatte nicht nur um die politisch korrekten Formulierungen auf einer Infotafel am Maschsee, der zu Nazi-Zeiten entstanden war. Auch die bereits vor Monaten beschlossene Umbenennung der Wißmannstraße – vom Afrika-Kolonialisten Hermann von Wissmann zum Nazi-Opfer Hermann Wißmann – sorgte erstaunlicherweise noch einmal für ein paar Aufgeregtheiten.

Am Ausgangspunkt steht ein interfraktioneller Antrag, für die Anbringung von drei Legendenschildern an der Südstädter Straße 390 Euro aus dem Bezirksrats-Etat zu bewilligen. Doch der Textvorschlag für diese Tafeln, den Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne als Zusatzantrag frisch auf den Tisch legt, behagt einigen CDU-Politikern überhaupt nicht. Der von Pollähne vorgeschlagene Text lautet: „Hermann Wißmann (24.01.1902 – 08.04.1933). Als KPD-Mitglied 1933 politisch verfolgt, starb im Konzentrationslager Heuberg.“

Die CDU-Bezirksratsfrau Brigitte Ike begehrt auf, verlangt die Streichung der Worte „Als KPD-Mitglied“. Ihre Begründung: Beim Lesen des Legendenschildes könnten Passanten meinen, dass es inzwischen so weit gekommen sei mit der Stadt Hannover, dass jetzt schon KPD-Mitglieder geehrt würden. Unisono weisen Vertreter von SPD, Grünen, Linken und FDP darauf hin, dass Wißmann nun einmal aufgrund seiner Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei zu Tode gekommen sei und dass man diesen Tatbestand deshalb auch benennen müsse. Pollähne erinnert daran, dass der Ermordete unabhängig davon auch Gewerkschafter und Arbeitersportler war. Letztendlich stimmen SPD, Grüne und Linken-Vertreter für die Formulierung des Bürgermeisters, von der CDU kommen vier Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.

Vollends aufs Abstellgleis gerät die Debatte, als es nachfolgend um den Ausgangs-Antrag geht, aus Bezirksratsmitteln 390 Euro für das Anbringen der Legendenschilder zu bewilligen. Nun führt die Christdemokratin Ike neue Argumente ins Feld, indem sie behauptet, dass die Stadt die Texttafeln bezahlen müsse und nicht der Bezirksrat. Den Hinweis von Verwaltungssprecher Detlef Busse, dass die Stadtteilpolitiker schon seit 2005 für derartige Hinweisschilder aufkämen und dass die Alternative gar keine Legendentafeln seien, mag die CDU-Frau nicht akzeptieren. Das wiederum provoziert SPD-Fraktionschef Ewald Nagel zu einer wenig charmanten Gegenrede, in der auch die Worte „beleidigte Leberwurst“ fallen. Bei der Abstimmung über den Zuschuss-Antrag muss Brigitte Ike zur Kenntnis nehmen, dass ihre Rückendeckung weiter geschrumpft ist: Von Seiten der CDU kommen jetzt nur noch drei Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Und damit steht fest – die Legendenschilder können kommen und werden auch bezahlt.

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