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Wirtschaftsgeschichte: Dorfladen wurde Vivo-Markt
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Wirtschaftsgeschichte: Dorfladen wurde Vivo-Markt
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11:33 19.11.2010
Waltraud Zaddach half schon vor dem Zweiten Weltkrieg im Dorfladen ihres Vaters Hermann Pape mit. Das Einzige, was der 85-Jährigen als Erinnerungsstück blieb, sind die beiden Gewichte einer Waage aus den zwanziger Jahren. Quelle: Valentin
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Er befand sich in dem Anbau, der an der Ecke Luhnenstraße / Am Tiergarten an ein älteres Backsteinhaus grenzt, und ist seit Langem verwaist. Waltraud Zaddach kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als sich hier das tägliche Einkaufsleben abspielte. Schon 1924 hatte ihr Vater Hermann Pape an dieser Stelle einen Kaufmannsladen eröffnet. Die kleine Waltraud wuselte dort bald eifrig umher; als sie groß genug war, durfte sie selbst den Zucker abwiegen. „Auch Mehl, Nudeln, Margarine und vieles andere gab es damals lose“, erinnert sich die heute 85-Jährige. Ihre Eltern hatten von morgens bis abends mit dem Laden zu tun. Weil es in den Haushalten keine Kühlschränke gab, durfte das Geschäft auch sonntags nach der Kirche für eine Weile öffnen.

Bei der Firma Feinkost Appel in Hannovers Nordstadt absolvierte Waltraud Pape bis 1942 eine kaufmännische Lehre im Großhandel. Nach dem Krieg stand sie allein, das elterliche Dorfhaus in Anderten war zur Hälfte zerbombt. Doch das junge Ehepaar Heinz und Waltraud Zaddach ließ sich nicht entmutigen und betrieb den Laden weiter. „In den fünfziger Jahren ging es geschäftlich ständig bergauf“, berichtet die Anderterin.

Doch die Konkurrenz schlief nicht. Um Vorteile bei Reklame und Einkauf zu gewinnen, schlossen sich die Eheleute Zaddach 1967 der Vivo-Kette an, der „Vereinigten Internationalen Verkaufsorganisation“. Die Selbstbedienung hatten sie bereits in dem Dorfladen eingeführt, der sich jedoch bald als zu eng erwies. Also ließen die Zaddachs nebenan eine Halle errichten. Die Eröffnung im Februar 1968 geriet zu einem Volksfest; auf dem Vordach stand der Prokurist und warf Bonbons in die jubelnde Menge. 600 Quadratmeter Verkaufsfläche hatte das neue Geschäft; drinnen gab es jeweils einen Extra-Tresen für Wurst und Fleisch, Käse, Salat und Backwaren.

In seinen besten Zeiten beschäftigte der Vivo-Supermarkt bis zu 20 Mitarbeiter, auch Sohn Volker Zaddach bediente dort die Kundschaft. Aber trotz zahlreicher Werbeaktionen konnte der Filialist in Anderten den größeren Märkten letztlich kein Paroli bieten. Auch wegen einer schweren Erkrankung von Heinz Zaddach war im September 1986 endgültig Schluss. Der frühere Supermarkt und der ehemalige Dorfladen wurden verkauft und sahen danach verschiedene Mieter. Beide stehen nun seit Langem leer, und ihr künftiges Dasein ist ungewiss.

Gerda Valentin

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