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Süd Kiosk muss nach 26 Jahren schließen
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Kiosk muss nach 26 Jahren schließen
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00:16 22.07.2018
Zweimal Eis am Stil: Gerda Lanza verkauft den süßen Klassiker gern an ihre jüngsten Kunden. Quelle: Foto: Wiechers
Döhren

Ein kleiner Schwatz in der Nachbarschaft? Bei Gerda Lanza ist dies möglich. Besser gesagt: War dies möglich. Zum 1. August muss die 65-Jährige ihren Kiosk an der Hildesheimer Straße zwischen Borgentrick- und Abelmannstraße schließen. Wenn am 28. Juli stadtweit mit einem bunten Programm der erste Kiosktag in Hannover gefeiert wird, ist sie nicht mehr dabei. Der Vermieter hat ihr nach mehr als zwei Jahrzehnten die Kündigung geschickt. Über die Gründe schweigt er. Auch über mögliche Pläne für die künftige Nutzung des Ladens will er sich gegenüber der Zeitung nicht äußern.

„Wir werden sie vermissen“

Viele von Lanzas Stammkunden bedauern das Ende. „Wir werden sie vermissen“, sagt Karina Kallweit, die den Rausschmiss noch abwenden wollte. Drei Tage lang hat sie sich mit einem Plakat vor den Kiosk gestellt und 385 Unterschriften gegen die Kündigung gesammelt. Gerda Lanza sei eine Institution im Viertel, sagt sie. Durch ihre Offenheit und Freundlichkeit habe sie den Kiosk zu einem wichtigen Treffpunkt gemacht, wo Nachbarn sich kennenlernen, Freundschaften schließen und sich, wenn nötig, gegenseitig helfen. Karina Kallweit ist überzeugte Döhrenerin und schwärmt von der familiären Atmosphäre im Stadtteil. Ein Grund seien Geschäftsleute wie Gerda Lanza, bei der man nicht nur seine Zeitung, Gummibärchen, Eis, Bier und Wein bekomme, sondern auch ein gutes Wort auf dem Weg zur Arbeit.

26 Jahre lang hat Gerda Lanza in dem kleinen Verkaufsraum hinter dem Ladentisch gestanden. 15 Stunden am Tag, auch sonnabends und sonntags, war sie für ihre Kunden da. Die Spezialität des Ladens war der direkt importierte Wein aus Italien – ein Angebot, das nahe lag, da Ehemann Franco gebürtiger Italiener ist. Reichtümer kann man damit allerdings nicht verdienen. Als sie in den Achtzigerjahren ihren ersten Kiosk übernahm, hat ihr ein Bankdirektor in der Nachbarschaft erklärt, dass angesichts der geringen Umsätze gerade einmal eine Person davon leben könne. Mehr? Auf keinen Fall. Entsprechend klein ist auch die Rente, mit der Gerda Lanza künftig auskommen muss. Die Erwartung, am Ende eines langen Berufslebens zwischen Getränkeregalen und Zeitungswänden den Kiosk (wie üblich) an einen Nachfolger gegen eine Ablösesumme übergeben zu können, kann sie nun vergessen.

„Es hat immer Spaß gemacht, hier vorbei zu kommen“, sagt Nachbarin Kallweit. Gerda Lanza nickt. Manchmal war es anstrengend, aber schlecht gelaunt? Nein, das war sie nie.

Kommentar: Artenschutz für Kioske

Noch einer weniger. Döhren-Wülfel verliert in diesen Tagen einen seiner ohnehin spärlich gesäten Kioske: Ende des Monats muss Gerda Lanza ihren Kiosk an der Hildesheimer Straße schließen. Ihr Vermieter hat ihr nach mehr als zwei Jahrzehnten gekündigt, und über die Gründe schweigt er. Im Jahr 2015 wies eine Forschungsarbeit an der Leibniz-Uni lediglich sieben Kioske für Döhren-Wülfel aus – in Linden-Limmer waren es 44.

Wieso gibt es in Linden fast so viele Kioske wie Straßenecken – und in der Südstadt und Döhren muss man lange suchen, um eine bunte Tüte oder eine kalte Flasche Bier zu bekommen? Natürlich liegt das zu einem guten Teil an der Mentalität der Anwohner. Während der Lindener seine Kioskkultur zelebriert und es ihn auf die Straße zieht, sobald die ersten Sonnenstrahlen den Asphalt erwärmen, blickt der Döhrener in weitgehend menschenleere Häuserschluchten. Der Südstädter steuert offenbar eher seine Attraktionen an als die nächste Straßenecke – zum Beispiel seinen geliebten Maschsee oder den Stephans- oder Fiedelerplatz.

Gerade deswegen tut Artenschutz für die Kioske not. Am Sonnabend, 28. Juli, wird Hannovers erster Kiosktag gefeiert. Die HAZ-Redaktion und das Kulturbüro der Stadt möchten die Treffpunkte in der Nachbarschaft und deren kleinteilige Einzelhandelsstrukturen stärken – und den Kiosk zum Mittelpunkt des Geschehens machen. Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Verkostungen in diversen Kiosken sind in Planung.

Gerda Lanza ist da mit ihrem Kiosk schon nicht mehr dabei. Wie schade.

Von Rüdiger Meise

Von Gabi Stief

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