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Süd Döhrener Liedertafel löst sich nach 130 Jahren auf
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Döhrener Liedertafel löst sich nach 130 Jahren auf
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02:16 13.06.2018
130 Jahre Männerchor: Die Döhrener Liedertafel löst sich auf und blickt gemeinsam zurück. Quelle: privat
Döhren

199 – auf so viele Jahre kommen Hermann Meyer, Helmut Volkwein, Bruno Buschmann und Franz-Georg Kaiser, wenn sie die Zeit ihrer Mitgliedschaft in der Döhrener Liedertafel zusammenzählen. Die Sänger treffen sich jeden Donnerstagabend, um mit Chorleiter Rainer Klugkist Schlager, Volkslieder, Operetten und auch englische Stücke einzuüben. In ein paar Monaten aber ist damit Schluss: Zum Ende dieses Jahres wird sich die Döhrener Liedertafel auflösen.

Der Chor ist alt geworden, die Anreise werde für viele immer beschwerlicher, sagen die Chormitglieder. Die Mitgliedszahl schrumpft – nur wenige der derzeit 15 Sänger sind jünger als 80 Jahre – und der Nachwuchs fehlt. Konzerte sind für dieses Jahr schon nicht mehr geplant. Wenn die Liedertafel sich auflöst, schaut sie auf eine Geschichte von 130 Jahren nach der Gründung im Jahr 1888 zurück.

Gemeinsam haben die Männer der Döhrener Liedertafel jede Menge erlebt.

„Wir wollen abtreten, solange wir noch hörenswert sind“, sagt Hermann Meyer, der seit 27 Jahren Vorsitzender des Männerchors ist. Dass sie noch hörenswert sind, beweisen die Männer an diesem Probendonnerstag mühelos: Bei ihrer Version von Udo Jürgens’ „Ich war noch niemals in New York“ hält es einige der Mitglieder nur schwer auf ihrer Position, beschwingt von der Musik wippen sie von links nach rechts, andere Choristen stehen kerzengerade, konzentrieren sich auf jeden Ton, der ihre Lippen verlässt.

Sobald die Liederbücher aufgeklappt sind, wird es ernst

Beim anschließenden Stück von Friedrich Silcher, der im 19. Jahrhundert unter anderem Lieder für Männerchöre komponierte, zeigen die Männer, dass sie auch nach Jahrzehnten gemeinsamen Singens ihre Musik sehr ernst nehmen. „Das habe ich schon anders erlebt“, sagt Chorleiter Klugkist, der die Liedertafel seit mehr als 20 Jahren leitet. Im Gegensatz zu anderen habe sich die Liedertafel auch auf schwierige Lieder, Operetten und sogar auf englischsprachige Barbershop-Stücke eingelassen. „Stilvoll“ seien die Sänger außerdem, sagt Klugkist. So wird in der Probenpause auch schon mal ein Bier oder ein Glas Wein getrunken, doch sobald die Liederbücher aufgeklappt sind, verschwinden diese von den Tischen.

„Schwere Chöre“, in denen man nach dem Singen noch bei Getränken sitzt, gab es früher zwar auch ab und zu, erzählt Volkwein, doch sie waren nie Zweck der Probetreffen. Die Männer kommen in erster Linie zum Singen zusammen – und haben dies auch schon in einigen Ländern Europas getan: Budapest, Wien, Prag, London, Paris oder Rom – auf ihren Reisen trat die Liedertafel immer auch in der Stadt auf, die sie gerade besuchte. „Das war selbstverständlich“, sagt Volkwein, der seit 70 Jahren im Männerchor ist. So war es auch in Rom 1987, als die Männer erst im Petersdom sangen und danach dem damaligen Papst Johannes Paul II während einer Audienz ein Ehrenkonzert auf dem Petersplatz gaben. Mehrere Dutzend Chormitglieder standen in Anzügen in der Menschenmenge, hielten ihre Liederbücher in den Händen und sangen ­– erst winkte der damalige Papst von seinem Papamobil aus, dann stieg er aus und begrüßte Chorleiter und Vorsitzenden persönlich.

Konzerte immer gut besucht

Auch in Deutschland blickt die Liedertafel auf viele erfolgreiche Auftritte zurück: „Bei unseren Konzerten waren nie unter 200 Gäste da“, sagt Meyer. Ihm werde sowohl das Singen als auch die Chorgemeinschaft fehlen, wenn die Liedertafel sich auflöst. Die meisten Chormitglieder werden danach wohl nicht weitermachen.

Der stellvertretende Vorsitzende, Bruno Buschmann, den die anderen wegen seiner erst 30 Mitgliedsjahre „Youngster“ nennen, singt künftig mit seiner Frau in einem gemischten Kirchenchor. Für die Mehrheit seiner Chorbrüder kommt das nicht infrage. „Wir sind es so gewöhnt. Wir sind ein Männerchor, wir sind 80 Jahre alt“, erklärt Meyer und dreht die Handflächen nach oben. Außerdem sei die Aufteilung der Stimmung in solchen Chören ganz anders, fügt Kaiser hinzu. Zum gruppeninternen „Absingen“ Ende Juni auf der Bernwardswiese dürfen allerdings auch Damen kommen. Dann singen die Männer der Liedertafel ein letztes Mal gemeinsam ­– und nehmen Abschied von 130 Jahren Chorgeschichte.

Von Nadine Wolter

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