Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Döhrener Innenhöfe erzählen viele Geschichten

Kulturinitiative Döhrener Innenhöfe erzählen viele Geschichten

„Hinter den Häusern – Einblicke in Gärten und Höfe“ - unter diesem Motto haben zwei Döhrenerinnen Innenhofgeschichten aus dem alten Stadtteil gesammelt und jetzt in einem Rundgang öffentlich vorgestellt.

Hannover. Viele Döhrener Häuser verbergen ihre Schokoladenseite gewissermaßen hinterrücks – denn viele Innenhöfe sind die wahren Schokoladenseiten der Gebäude. Das ist das Ergebnis einer Recherche, die Sunnhild Reinckens und Gertrud Riepe von der Kulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld jetzt öffentlich vorgestellt haben. „Hinter den Häusern – Einblicke in Gärten und Höfe“ haben die beiden Döhrenerinnen einen Rundgang durch den alten Stadtteil genannt und dabei elf Häuser und ihre Innenhofgeschichten vorgestellt. Trotz heftigen Schauerwetters kamen mehr als 50 Menschen, um den Ausführungen von Menschen zu lauschen, die die Geschichte dieser Häuser kennen.

Da ist zum Beispiel das Haus Ziegelstraße 11. Hier befand sich früher die Schlachterei Kock. Vor der Renovierung des Betriebes und der Umgestaltung des Hofes konnte man einen großen Haufen Schutt besichtigen, auf dem ganz obenauf ein Auto stand; nun sind hier ein Garten und ein gepflasterter Hof entstanden. Oder man wirft einen Blick in den Hofgarten Cäcilienstraße 3, in dem alle Mitglieder der Hausgemeinschaft gern sitzen und feiern. Oder man lernt den kleinen grünen Garten mit verschiedenen Sitzecken für die Hausbewohner kennen, der sich hinter der Borgentrickstraße 12 verbirgt. Nach Osten hin wird dieser Grünbereich durch die alte Backsteinmauer des früheren Kinos „Europa-Palast“ begrenzt. „Da sind die Jungs früher immer durchs Toilettenfenster eingestiegen“, erzählt eine Hausbewohnerin. „Wir Mädchen konnten das nicht und mussten 50 Pfennig Eintritt bezahlen.“

Schräg gegenüber gibt es im Innenhof zwischen den Häusern einen Gewerbekomplex, der vor vielen Jahren von Dachdecker Anton Müller errichtet wurde. Ein altes Reklameschild an der Hauswand erinnert an die „Bedachungen Richard“ – noch mit einer fünfstelligen Telefonnummer. Neben diversen Betrieben befand sich in diesem Komplex auch lange der Gasthof „Deutsches Haus“. Überhaupt hat das Kleingewerbe früher die Innenhöfe beherrscht. Hinter dem Haus Borgentrickstraße 1 war einst ein enorm großes Lager für Bau-, Garten- und Brennmaterial, bevor die Häuser an der Hildesheimer- und Borgentrickstraße gebaut wurden. Hier gab es auch einen Pferde- und einen Hühnerstall. Heute wird der große Innenhof vor allem zum Parken genutzt, das alte Ziegelhäuschen steht seit Langem leer.

Auf der anderen Seite dieses Hofes zur Abelmannstraße 27 hin befand sich noch bis 1998 ein Gewerbebetrieb. Dort gründete 1905 der Großvater von Horst Deppe, der heute noch mit seiner Frau im Vorderhaus wohnt, einen Betrieb für Feinmechanik und Elektrotechnik. Der Betrieb wuchs stetig, bis sogar Schuppen, Pferdestall und Räume von Nachbarn für die Produktion genutzt wurden. „Das Quietschen der Drehmaschinen war mich als kleiner Junge wie Musik“, erzählt Deppe. Mittlerweile ist er aber froh, dass seit dem Fortgang der Firma und dem Einzug einer Werbeagentur wunderbare Ruhe auf dem Hinterhof eingekehrt ist.

Von einer großen Dachterrasse über Deppes Garage kann man nebenan das „Haus mit den zwei Gesichtern“ von hinten sehen. Dort wo ein Glashaus auf Stelzen entstanden ist, war früher das Anwesen vom „Lumpen-Meyer“. Der war immer mit Pferdewagen unterwegs und hatte Lumpen, Knochen und Eisen eingesammelt. Das kleine Backsteinhaus vorn an der Abelmannstraße 25, in dem sich mittlerweile eine Arztpraxis befindet, durfte zur Straße hin aus Denkmalschutzgründen nicht verändert werden. Von hinten ist es seit dem Um- und Anbau mit dem Glashaus allerdings nicht wiederzuerkennen – daher der Name mit den zwei Gesichtern.

Schräg gegenüber in der Borgentrickstraße 4-6 gibt es ein weiteres Haus mit zwei Ansichten. Von der Straße aus sieht es aus wie ein „normales“ Haus. Von hinten ist es eine Art Glaspalast, in dem eine Tages-Klinik für psychisch Kranke mit Bistro untergebracht ist. Auch von hier aus kann man wieder auf das ehemalige Kino schauen, das 1971 ein Supermarkt bezogen hat.

Die Spaziergänger erfahren an diesem Nachmittag viel über die Geschichte des Kleingewerbes im Stadtteil, doch endet der Rundgang auf zwei Grundstücken, die von jeher als (Nutz-)Gärten kultiviert wurden. Bis zur Jahrhundertwende stand an der heutigen Abelmannstraße 9 noch ein altes Bauernhaus. Dort ernährte die Besitzerin des großen Grundstücks, bekannt als Oma Else, die ganze Familie. Noch heute ist der Garten ein grünes Paradies. Ebenso üppig blüht es im Hausgemeinschaftsgarten Querstraße 30 mit seinem alten Obstbaumbestand; hier endet der Erkundungsgang schließlich auch.

Schon jetzt ist sicher, dass es im nächsten Jahr wieder solch einen Rundgang geben wird. So viele Geschichten von so vielen Häusern wurden an diesem Tag erzählt – und es sind sicherlich nicht alle. Sicher ist aber auch, dass nächstes Mal nicht wieder 50 Interessierte mitgehen können: Auch auf den großen Grundstücken war es einfach zu voll. Verbindliche Voranmeldungen sollen daher beim nächsten Termin helfen, den Rahmen nicht zu sprengen.

Karin Vera Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Süd
So schön ist die Südstadt in Hannover
Region Hannover
So schön ist Hannover-Kirchrode