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Süd Lehrer wollen Klassenfahrten streichen
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Lehrer wollen Klassenfahrten streichen
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13:54 10.10.2013
Pech für die Schüler: Sollte die Landesregierung die geplante Unterrichtszeitverlängerung für Lehrer nicht aussetzen, will ein Südstädter Gymnasium alle Klassenfahrten streichen. Quelle: Caroline Seidel (Symbolfoto)
Südstadt

Das Kollegium eines Südstädter Gymnasiums will alle Klassenfahrten streichen, wenn die Landesregierung die geplante Unterrichtszeitverlängerung für Lehrer nicht aussetzt. Am Montag gab es Kritik nicht nur von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, sondern auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Dort findet man das Vorgehen der Lehrer ungeschickt. Zunächst hatte das Kollegium der Elsa-Brändström-Schule solch einen Beschluss gefasst, Montagabend wurde gleiches auch von der Wilhelm-Raabe-Schule bekannt. Elternvertreter sind entsetzt. An der Elsa-Brändström-Schule brachte ein erstes Krisengespräch von Schulelternvorstand und Personalvertretung am Abend zwar noch keine Konfliktlösung – aber immerhin eine Annäherung.

Eine Lehrerversammlung in der Elsa-Brändström-Schule hat zu Monatsbeginn mit großer Mehrheit beschlossen, ein Zeichen gegen die Arbeitsbelastung des Kollegiums zu setzen. Deshalb würden an der Schule „zum Schuljahr 2014/15 sämtliche Austausche und Schulfahrten (Klassen- und Studienfahrten) ausgesetzt“, heißt es in einer Mitteilung an alle Eltern. Damit reagiere man auf das Vorhaben der Landesregierung, Gymnasiallehrern künftig 24,5 Unterrichtsstunden wöchentlich und damit eine Stunde zusätzlich aufzubrummen; zudem soll die Besserstellung älterer Lehrer rückgängig gemacht werden. Das Land will damit die Unterrichtsversorgung verbessern, ohne zusätzliche Lehrer einstellen zu müssen.

Ministerin Heiligenstadt äußerte wenig Verständnis für das Kollegium. Zwar sei es „das gute Recht der Lehrer, ihrem Ärger Luft zu machen – nicht alle politischen Entscheidungen werden im Konsens gefällt“, sagt sie. Das Streichen von Klassenfahrten und Austauschen jedoch gehe „über die legitime Interessenvertretung hinaus“. Hier werde „ein politischer Streit auf dem Rücken der Kinder ausgetragen“. Den Schülern werde „die Freude an schulischen Aktivitäten genommen“.

Sogar von der Lehrergewerkschaft GEW, die jüngst fast 10 000 Betroffene gegen das Vorhaben der Landesregierung auf die Straße gebracht hatte, gibt es deutliche Worte. Die Unterrichtszeitausweitung lasse sich „nur durch politischen Druck abwenden, nicht durch Druck auf die Schüler“, sagt Gewerkschaftssprecher Richard Lauenstein. Sein Chef, der Landesvorsitzende Eberhard Brandt, hält die Strategie des Kollegiums schlicht für „unklug“. Er war gestern nach Bekanntwerden des Klassenfahrtboykotts in der Schule und hat lange mit den Personalvertretern gesprochen. „Was das Kollegium besprochen hat, ist nicht unrecht – aber es hilft nichts in der Auseinandersetzung, weil es den Fokus auf einen Nebenaspekt lenkt.“ Er berichtet, dass mittlerweile auch an anderen hannoverschen Schulen Kollegien über derartige Drohgebärden nachdenken. „Ich möchte dringend davon abraten“, sagt Brandt. Statt Schülern die Fahrten zu nehmen, solle man besser die Landtagsabgeordneten überzeugen, mehr Geld für die Unterrichtsversorgung im Haushalt einzustellen.

Auch an der Schule hatte das Vorgehen der Lehrer Aufregung verursacht. Schulelternsprecher Wolfgang Czychon berichtet, dass er mehrere empörte Briefe von Eltern erhalten hat. „Privat finde ich, dass man in der politischen Auseinandersetzung nicht beim schwächsten Glied, den Schülern, ansetzen sollte“, sagt er. Ob das Vorgehen des Kollegiums rechtens ist, ist unklar. Individuell dürften Lehrkräfte „nicht zur Durchführung von Klassenfahrten verpflichtet“ werden, heißt es im Ministerium. Andererseits beinhaltet der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen auch das Durchführen von Fahrten und Austauschen. Insofern seien sie verpflichtende Aufgabe der Lehrkräfte.

Von Sabrina Mazzola und Conrad von Meding

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