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Süd Ermittlungen im Fall Joshua abgeschlossen
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Ermittlungen im Fall Joshua abgeschlossen
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00:15 05.06.2014
Von Tobias Morchner
Die Ermittlungen im Fall Joshua - auf dem Foto der Sarg - sind überraschend eingestellt worden. Quelle: Droese/Archiv
Hannover

Die Staatsanwaltschaft Hannover wird die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem tragischen Tod des kleinen Joshua einstellen. Der Säugling war am 10. April verstorben, nachdem die Mutter mit ihm im Kinderkrankenhaus Auf der Bult erschienen war und aufgrund von Missverständnissen wieder weggegangen ist. „Die Untersuchungen der MHH-Rechtsmediziner haben ergeben, dass es nicht auszuschließen ist, dass das Kind bereits tot war, als die Mutter mit ihm in der Klinik erschien“, sagt Behördensprecherin Kathrin Söfker. Unter diesen Voraussetzungen seien strafrechtliche Verstöße nicht mehr festzustellen. Bekannt wurde allerdings auch, dass nicht eine Klinikmitarbeiterin die Mutter weggeschickt hat, sondern eine Mitarbeiterin einer Stiftung, die für britische Streitkräfte in Norddeutschland zuständig ist.

Matthias Waldraff, Anwalt der Mutter des verstorbenen Kindes, hat Verständnis dafür, dass die Strafermitttlungen eingestellt werden. „Wir teilen die Meinung der Staatsanwaltschaft, dass der strafrechtliche Nachweis in dieser Sache nicht mehr geführt werden kann“, sagt er. Gleichwohl sei die Vorstellung für seine Mandantin ein Schock, dass Joshua möglicherweise bereits nicht mehr am Leben war, als sie die Klinik erreicht hatte.

Die Autopsie hat ergeben, dass Joshua an einer virusbedingten Lungenentzündung gestorben ist. Den genauen Todeszeitpunkt konnten die Rechtsmediziner aber nicht mehr bestimmen. „Es bleibt ein Zeitfenster von etwa drei Stunden“, sagt Waldraff. Nach Auskunft des Anwalts hatte sich Joshuas Mutter, die aus Ghana stammt, am 10. April gegen 8 Uhr mit ihrem Jungen auf den Weg zum Kinderkrankenhaus Auf der Bult gemacht. Nach den Verwicklungen bei der Aufnahme hatte die 32-Jährige die Klinik wieder verlassen und erreichte gegen 10.45 Uhr ihre Kinderärztin, die feststellte, dass der Säugling nicht mehr atmete. „Die Mutter hat ihren Sohn lebend in den Kinderwagen gelegt und war davon ausgegangen, dass er die ganze Zeit über geschlafen hat“, sagt Matthias Waldraff.

Weiter im Unklaren bleibt, was genau sich im Kinderkrankenhaus Auf der Bult abgespielt hat und warum die Mutter die Klinik wieder verlassen hat. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben keine Hinweise zutage gefördert, dass Mitarbeiter der Klinik die Ghanaerin und ihr Kind weggeschickt haben. „Aus den Akten geht allerdings hervor, dass sich eine Mitarbeiterin einer Stiftung, die für die britischen Streitkräfte tätig ist, in den Fall eingeschaltet hat. Sie hat mit meiner Mandantin gesprochen und sie weggeschickt“, sagt Rechtsanwalt Waldraff. Die Klinik wollte sich zu den aktuellen Entwicklungen nicht äußern. Nach HAZ-Informationen hat auch die betroffene 50-Jährige bislang zu den Vorwürfen geschwiegen.

Die Untersuchungsakten offenbaren noch einen anderen Umstand. Selbst wenn bei der Aufnahme des kleinen Joshua alles seinen geordneten Verlauf genommen hätte, hätte der Säugling möglicherweise „nicht entscheidend länger gelebt“. Das geht aus dem rechtsmedizinischen Gutachten der MHH-Spezialisten hervor. Anwalt Waldraff prüft nun zwar weiter einen Schadensersatzanspruch für seine Mandantin, hat aber selbst Zweifel, ob er damit nach dem Gutachten noch Chancen hat. Er fordert allerdings ein Umdenken bei den Verantwortlichen des Kinderkrankenhauses Auf der Bult. „Die Kinderklinik muss dringend ihr Szenario bei der Notaufnahme hinterfragen – das hat uns der Fall Joshua gelehrt.“

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