Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Gläubige bauen an ihrer Kirche
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Gläubige bauen an ihrer Kirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:10 15.10.2009
Aufbau statt Abriss: Die Kirchengemeinde an der Brabeckstraße wächst. Quelle: Sebastian Hoff

Wenn Pastor Oliver Kaiser seine Schäfchen zusammenrufen möchte, geht er ins Internet. Die Gemeinde der Alt-Katholiken Hannover ist über ganz Niedersachsen verstreut. Über die Verabredungsseite doodle.com hatte Kaiser daher für das vergangene Wochenende Freiwillige gesucht; 21 sind seinem Aufruf gefolgt. Gemeinsam wollten sie mit ihrem Pastor an ihrem Gotteshaus weiter bauen.

An der Brabeckstraße in Kirchrode entsteht derzeit einer der ganz wenigen Kirchenneubauten in Deutschland. Das Betontragewerk steht bereits, auch viele Maurerarbeiten sind abgeschlossen. Als nächstes sollen die Arbeiten am Dachstuhl folgen. Vergangenen Freitag und Sonnabend wurden unter anderem die Fenster eingesetzt. Kaiser koordiniert die Arbeiten der ehrenamtlichen Helfer – und fasst selbst mit an. In seiner Arbeitskluft sieht man ihm den Pastor nicht an: „Ich will bei den Eigenleistungen mit gutem Beispiel vorangehen“, betont Kaiser. „Außerdem macht mir so etwas Spaß.“

Die Idee für den Kirchenneubau hatten die Gemeindemitglieder schon lange. Kaiser war schließlich die treibende Kraft, das Vorhaben anzugehen. Bislang wurden für die rund 1700 Mitglieder Gottesdienste im Gemeindehaus an der Brabeckstraße abgehalten, das die Alt-Katholiken 2003 erworben hatten. Häufig wich die Gemeinde auch auf andere Kirchen aus. „Bisher waren wir immer Gäste“, sagt Gemeindemitglied Stephanie Feindt. „Bald werden wir eine wirkliche Heimat haben.“ Rund 500 000 Euro sind für den Kirchenneubau und den Umbau des alten Gemeindehauses veranschlagt. Den größten Teil der Kosten trägt das Bistum Deutschland. Etwas 33 000 Euro sind bereits an Spendengeldern zusammen gekommen. Viel Geld wird dadurch gespart, dass die Gemeindemitglieder immer wieder selbst mit anfassen.

„Das ist ein Akt der Solidarität mit der Gemeinde“, sagt Achim Beinsen, der 2006 von den Protestanten zu den Alt-Katholiken konvertierte. Und Feindt findet es schön, „in der Gruppe so etwas Großartiges zu schaffen“. Die Arbeiten an der Kirche stärkten das Gemeinschaftsgefühl, hat Kaiser beobachtet. Auch im Stadtteil wird der Neubau mit großem Interesse verfolgt, und der Bekanntheitsgrad des Pastors steigt: Neulich wurde Kaiser in einer Apotheke angesprochen, als er Pflaster kaufen wollte: „Das werden sie jetzt bestimmt öfter brauchen“, sagte der Apotheker.

Noch ist viel zu tun auf der Baustelle. Doch schon Weihnachten hofft Kaiser den ersten Gottesdienst in der neuen Kirche feiern zu können. Dann werden die Gläubigen die Kirche im Westen betreten, also von der Straße abgewandten Seite. Gleich hinter dem Eingang befindet sich das Ganzkörper-Taufbecken, das in den Boden eingelassen ist und in dem auch Erwachsene getauft werden können. Der Altar wird im Osten stehen. „Das ist die klassische Gebetsrichtung“, erläutert Kaiser. Der Kirchenbau lehne sich bewusst an katholische Traditionen an. Das sei zwar nicht immer praktisch, aber spirituell. Man habe bewusst die Rationalität normaler Gebäude durchbrechen wollen.

Bis zu 100 Gläubige werden in der 130 Quadratmeter großen Kirche Platz finden. Für die Weitgereisten sollen Übernachtungsmöglichkeiten im Gemeindehaus entstehen. Die Alt-Katholische Kirchengemeinde ist eine der wenigen Christengemeinschaften, die noch wächst. Die meisten neuen Mitglieder treten von der römischen-katholischen Kirche über, einige auch von der evangelischen. Aber auch Menschen, die noch nie einer Kirche angehörten, finden den Weg zu den Alt-Katholiken. Bald stehen wieder zwei Taufen an. Ostern im kommenden Jahr sollen weitere folgen – dann auch im Ganzkörperbecken der neuen Kirche.

von Sebastian Hoff

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Fläche an der Ecke Schläger- und Krausenstraße in der Südstadt soll im Frühjahr bebaut werden.

15.10.2009

Ein 16 Jahre alter Jugendlicher ist am Mittwochabend gegen 23.40 Uhr betrunken mit dem BMW seiner Mutter gefahren und hat dabei in Döhren mehrere Unfälle verursacht. Er flüchtete jeweils vom Unfallort.

15.10.2009

In der Salzburger Straße ist die Firma Strabag seit Mitte September mit umfangreichen Bauarbeiten beschäftigt: Weil die Gas- und Wasserrohre rund 50 Jahre alt sind, und Schäden am Material drohen, lassen die Stadtwerke Hannover insgesamt rund 1600 Meter neue Leitungen verlegen.

15.10.2009