Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Humoristische Führung über den Stadtfriedhof
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Humoristische Führung über den Stadtfriedhof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 14.07.2012
Christine Renken (l.) hat als Bestatter in Seelhorst viel zu berichten. Quelle: Christian Link
Anzeige
Seelhorst

Es ist keine Trauergemeinde, die sich an diesem Sonnabend auf dem Stadtfriedhof Seelhorst rund um Bestatter Bergmann von Hurrelberg versammelt hat. Ansonsten könnte die Begrüßung durch den „Herrn“ in grauem Dreiteiler und schwarzem Mantel am Friedhofseingang auch für Empörung sorgen: „Ich habe eine gute Nachricht für Sie. Die Herrschaften, die wir heute besuchen wollen, sind auch alle da.“ Die etwa 20 Spaziergänger wollen sich unterhalten lassen, und hinter dem vermeintlichen Bestatter verbirgt sich eine Schauspielerin. Christine Renken vom Bremer Theater Interaktiwo bietet seit 2008 humoristische Führungen über hannoversche Friedhöfe an. Der Titel der Reihe: „Guck mal, wer da liegt!“

Angefangen hat sie mit dem Stadtfriedhof Engesohde, dann kamen die Anlagen St. Nikolai in der Nordstadt und Stöcken hinzu. Über den Friedhof Seelhorst führt Renken die Besucher zum ersten Mal. Nicht wenige Teilnehmer des Spaziergangs haben schon an einer ihrer Führungen an anderer Stelle teilgenommen. „Auf dem Friedhof Engesohde waren Sie nicht so schnell unterwegs“, bemängelt eine gehbehinderte Frau auf dem Weg zur ersten Station. Fortan geht es über den mit 68,5 Hektar flächenmäßig größten Friedhof der Stadt einen Halbschritt langsamer.

Zunächst gibt Renken einen Einblick in die Geschichte des Totenackers. Unter der Leitung von Stadtgartendirektor Hermann Kube wurde er als dritter Stadtfriedhof für die Kommune Hannover angelegt. Die auf dem Gelände bereits vorhandenen Friedhöfe der Stadtteile Döhren und Wülfel gingen in der neuen Anlage auf. 1920 wurde die erste Bestattung auf dem streng geometrisch angelegten Friedhof durchgeführt.

Renken hat gründlich in den Annalen der südlichen Stadtteile recherchiert und gibt zahlreiche historische Fakten, Anekdoten und Begebenheiten zum Besten. Außerdem unternimmt sie einige Ausflüge in die Geschichte der Bestattungen und erzählt von kuriosen Grabsteinen oder Begräbnisriten, manchmal ganz ernst, manchmal sehr humorvoll - kabarettistisch eben. „Kommen wir nun zur ersten Grabstelle. Wir würden heute gerne drunter stehen, weil es so heiß ist - diese Familie trägt den entsprechenden Namen“, gibt sie ein Rätsel auf. Es ist das Familiengrab von Rittergutsbesitzer Armand Fontaine. Er gründete 1906 die gleichnamige Ritterguts-Brauerei, aus der später die Wülfeler Brauerei wurde. Seine Tochter Lisa erlangte dagegen als Ehefrau des 1946 als Kriegsverbrecher hingerichteten Generalfeldmarschalls Wilhelm Keitel eine eher zweifelhafte Bekanntheit.

Der spaßig gemeinte Wunsch nach einer Fontäne wird im Verlauf des schwül-warmen Spaziergangs Realität. Ein Gewitter überrascht die Runde nach etwa einer Stunde. Bis dahin sind die Teilnehmer immerhin zum Gebäudekomplex des Friedhofsmuseums vorgestoßen und haben die Eichenallee und die Gedenkstätte für die Opfer des Dritten Reichs besucht. Die letzte halbe Stunde verbringen sie in gemütlicher Runde unter dem Dach der Friedhofskapelle.

In 2012 wird es zunächst keine weitere Führung über den Stadtfriedhof Seelhorst geben, aber im Jahre 2013. Nur ein einziges Mal ist Bestatter Bergmann von Hurrelberg in diesem Jahr noch in Hannover aktiv: Am Donnerstag, 25. Oktober führt er ab 20.30 Uhr bei einer Nachtwanderung über den Friedhof St. Nikolai in der Nordstadt. Treffpunkt ist am Haupteingang, An der Strangriede 41. Weitere Informationen gibt es bei Böhmecke Bestattungen aus der List unter der Rufnummer 665170. Das Unternehmen bietet die Reihe „Guck mal, wer da liegt!“ in Hannover mit dem Schwesterunternehmen Puschmann Bestattungen aus Laatzen an.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadt möchte auf dem ehemaligen Gelände einer Gärtnerei nahe dem Engesohder Friedhof ein neues Wohngebiet schaffen. Vorgesehen sind auf der Fläche an der Alten Döhrener Straße drei- bis viergeschossige Mehrfamilienhäuser.

Michael Zgoll 14.07.2012

Die CDU kritisiert den „schlechten Zustand“ der ehemaligen „Gärten im Wandel“ auf dem Expo-Gelände. Jetzt will die Stadt das Areal schrittweise wieder instand setzen.

Michael Zgoll 14.07.2012

Am Mittwochmorgen gegen 9.50 Uhr ist eine 70-jährige Radfahrerin in der Südstadt von einem Auto angefahren worden. Bei dem Unfall an der Großen Düwelstraße stürzte die Frau und verletzte sich lebensgefährlich am Kopf.

11.07.2012
Anzeige