Anwohner der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) sind irritiert über die Einladung der Universität zu einer Informationveranstaltung zum geplanten Bau eines neuen Forschungslabors für Infektionsmedizin am Bünteweg. In der jüngst verschickten Einladung an die Bewohner der benachbarten Straßenzüge wird zu der abendlichen Veranstaltung für den 7. März eingeladen, allerdings müssen sich die Anwohner anmelden – nur angemeldete Bürger sollen dann Zutritt erhalten.
„Bei Überschreitung der Platzkapazität“ werde die Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen berücksichtigt, heißt es in dem Brief. „Das ist völlig unverständlich, was ist, wenn ich mich zu spät anmelde“, sagte eine Anwohnerin, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. Wer an der Veranstaltung teilnehmen will, soll einen beiliegenden Anmeldebogen mit Namen und Anschrift ausfüllen. „Wir werden Ihnen im Gegenzug Eintrittkarten zusenden“, heißt es weiter in dem Schreiben.
Die TiHo kann die Irritationen der Anwohner verstehen, befindet sich jedoch nach Angaben von Sprecherin Sonja von Brethorst in einer schwierigen Lage. Einerseits wolle man gern alle interessierten Anwohner informieren, andererseits biete der größte Hörsaal am Bünteweg nur 300 Sitzplätze. 800 Einladungen seien verschickt worden.
„Deshalb haben wir uns überlegt, wir machen das mit einer Anmeldung“, sagte sie. Von Brethorst erinnerte an die Infoveranstaltung zum Bau des Tierversuchslabors von Boehringer. „Da war der Hörsaal völlig überfüllt“, sagte sie. Die Polizei habe gesagt, dass sie das nicht noch einmal zulasse, berichtete die Sprecherin. Derzeit werde in der TiHo überlegt, die Veranstaltung zusätzlich ins Foyer zu übertragen. Am Bischofsholer Damm habe die Hochschule zwar eine Aula, aber dort wolle man die Veranstaltung wegen der räumlichen Entfernung nicht stattfinden lassen.
Ende vergangenen Jahres hatten Politiker aller Ratsfraktionen die Hochschule aufgefordert, die Anwohner über ihre Pläne für den Bau zu informieren. Der Rat hat kein Mitspracherecht, weil es für das Areal bereits einen rechtskräftigen Bebauungsplan gibt, der eine viergeschossige Bebauung erlaubt.
Baubeginn für das Labor soll nach Angaben der TiHo-Sprecherin Ende des Jahres oder Anfang 2012 sein. In dem Schreiben an die Anwohner heißt es, dass die Planungen weit fortgeschritten seien. Zuschussanträge habe der Wissenschaftsrat positiv beschieden.
Der Forschungskomplex für Infektionsmedizin und Zoonoseforschung soll für 30 Millionen Euro 500 Meter von dem Tierimpfstoffzentrum entfernt entstehen. Zoonose sind Infektionskrankheiten die von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragbar sind. Die TiHo plant Labore, die den Sicherheitsstufen 2 (S 2) und 3 (S 3) unterliegen. In S-3-Laboren gibt es besonders aufwendige Vorkehrungen: Es herrscht Unterdruck, zudem gibt es Sicherheitsschleusen und strenge Desinfektionsregeln.
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