Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Inklusions-Klasse startet erfolgreich

Grundschule Meterstraße Inklusions-Klasse startet erfolgreich

Die Teamarbeit nützt allen Schülern: Seit den Sommerferien sind an der Grundschule Meterstraße in der Südstadt vier behinderte Kinder in eine Klasse integriert.

Hannover Südstadt 52.359189 9.751046
Google Map of 52.359189,9.751046
Hannover Südstadt Mehr Infos
Nächster Artikel
Supermarkt mit Waffe überfallen

Auch Malen gehört in der Klasse 1a zum Unterricht: Rektorin Margit Dahm (l.) und Lehrerin Sabine Quittnat machen sich ein Bild von der Inklusions-Klasse in der Südstadt.

Südstadt. Seit das neue Schuljahr begonnen hat, werden vier kleine Erstklässler – drei Jungen und ein Mädchen – jeden Morgen mit dem Sammeltaxi zur Grundschule Meterstraße gebracht. Vor dem Gebäude in der Südstadt holt sie eine Schulbegleiterin ab und bringt sie zum Klassenzimmer der 1 a. Hier gibt es seit Schuljahresbeginn vier Lehrkräfte für 20 Schulanfänger, zu denen die vier Kinder mit Behinderungen zählen: Die Klassenlehrerin, eine Förderschullehrerin und zwei Schulbegleiter. Die Entscheidung für die Einrichtung einer Inklusions-Klasse war erst kurz vor den Sommerferien gefallen. „Für die Eltern war das eine große Erleichterung“, erzählt Rektorin Margit Dahm. Ein bisschen erleichtert ist sie nach den ersten Wochen mit der neuen 1 a aber auch selbst. „Die Kinder werden völlig normal behandelt“, sagt sie.

Etwa ein Jahr ist es her, dass die Mutter eines Jungen mit Down-Syndrom an die Schulleiterin herangetreten war. Ihr ausdrücklicher Wunsch: Ihr Kind solle im Schulbezirk integriert beschult werden. „Wir haben das sehr positiv aufgenommen“, erzählt Dahm, „aber ich habe auch gleich gesagt, dass wir das nicht nur für ein Kind machen können.“ Der Rektorin war klar, dass die Situation in einer integrierten Klasse um ein Vielfaches besser ist, wenn dort mehrere Kinder mit Behinderungen lernen. Denn für vier solcher Kinder genehmigt die Schulbehörde zusätzlich 20 Förderstunden und außerdem zwei Schulbegleiter, die die Kinder während der Schulzeit besonders betreuen. Auch werden hier generell sechs Schüler weniger unterrichtet als in einer „normalen“ Klasse.

Die Mutter legte sich ins Zeug, knüpfte Kontakte und überzeugte die Eltern von drei weiteren behinderten Kindern von der Idee. Nach vielen Gesprächen waren es Eltern von zwei Kindern mit Down-Syndrom und Eltern von zwei Kindern mit Entwicklungsverzögerung, die sich für die Inklusion entschieden. Dementsprechend war der Schulelternratsvorsitzende Helmuth Winkelmann sehr gespannt auf die erste Gesamtkonferenz im neuen Schuljahr. „Es kamen nur positive Rückmeldungen von Müttern und Vätern, natürlich besonders von den Eltern der gehandicapten Kinder“, erzählt er. Offenbar würden aber alle Mädchen und Jungen von dem zunächst auf ein Jahr anberaumten Versuch profitieren. Wer den behinderten Mitschülern beispielsweise etwas erklären will, muss den Sachverhalt erst einmal selbst geklärt haben. Auch ist Teamfähigkeit ein Kriterium, das später im Berufsleben gefragt ist. Winkelmann wünscht sich schon jetzt, dass die Schule die integrierte Beschulung im kommenden Schuljahr fortsetzt.

In der 1 a geht es wie in einer normalen ersten Klasse zu. Nur gelegentlich fällt auf, dass einer der Erwachsenen einem der vier behinderten Kinder zur Hand geht, etwa den Mund abwischt oder kurz mit ihm auf den Schulhof geht, wenn es am Tisch zu lebhaft wird. Dazu sind die beiden Schulbetreuerinnen den vier integrierten Schülern zur Seite gestellt. Häufig kommt es aber auch vor, dass die Mitschüler den Kindern helfen und eine Lösung zuflüstern. „Und es hat auch schon die ersten Verabredungen am Nachmittag gegeben“, berichtet Klassenlehrerin Sabine Quittnat erfreut.

Sie und die Förderschullehrerin Ursula Wessels arbeiten Hand in Hand. Wessels wurde zunächst für ein Jahr von der Stötznerschule – einer Förderschule für geistige Entwicklung – an die Grundschule Meterstraße abgeordnet. Die normal entwickelten Kinder, sagt sie, seien die perfekten Vorbilder für die behinderten Mädchen und Jungen: „Danach können sie sich recken, Kinder lernen von Kindern.“ Die designierte Klassensprecherin Paula bestätigt das schöne Miteinander: „Es klappt gut mit den Behinderten, und es ist toll, dass wir so viele Lehrer haben.“

Ohne Herzblut geht das alles nicht. Um sich auf die Inklusion vorzubereiten besuchten die Lehrkräfte der Grundschule eine Ringvorlesung zur integrierten Beschulung. Alle vier Lehrkräfte der 1 a treffen sich regelmäßig zur Supervision bei einer Schulpsychologin, es gibt Teamsitzungen, Konferenzen und Hausbesuche. Klassenlehrerin Sabine Quittnat ist froh, dass sie sich für diesen Schritt entschieden hat, obwohl sie nur noch wenige Jahre bis zum Ruhestand unterrichten muss. „Bei der Vorbereitung auf die Inklusion hatte ich Berührungsängste und musste erst falsches Mitleid ablegen“, gesteht die Lehrerin, die noch einmal etwas Neues in ihrem Beruf wagen wollte. „Man braucht Mut für diesen Weg“, sagt sie, „und Offenheit.“

Karin Vera Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Inklusion
Ab dem kommenden Schuljahr können sich behinderte Kinder ihre Schule frei aussuchen.

Schülern, Lehrern und Eltern steht eine umwälzende Veränderung bevor: Ab August können behinderte Kinder sich ihre Schule frei aussuchen. Sie werden nicht mehr grundsätzlich an eine Förderschule verwiesen - ihre Eltern haben die Wahl.

mehr
Mehr aus Süd
So schön ist die Südstadt in Hannover
Region Hannover
So schön ist Hannover-Kirchrode