Sieben junge Leute machen sich auf den Weg durch die Südstadt. Sie sind allesamt Mitglieder der Jungsozialisten, der Jugendorganisation der SPD. Es könnte eine einfacher Spaziergang im Juli sein, doch ihre Blicke ruhen nicht auf den Schönheiten des Viertels, sondern auf Laternenmasten, Verteilerstationen der Telekom oder Abfallbehältern. Auf Stellen also, an denen seit einiger Zeit vermehrt Aufkleber rechtsradikaler Gruppierungen zu sehen sind. „Und denen wollen wir nicht das Straßenbild überlassen“, sagt Frank Straßburger. Die Gruppe verteilt stapelweise Flugblätter in den Postkästen. Mit eigenen Aufklebern warnen die Jusos vor der rechten Werbung.
Seit einigen Monaten sind die Jusos den Aufklebern von Rechtsextremisten auf der Spur. „Deren Aufkommen hat deutlich zugenommen“, findet Benjamin Köster vom Arbeitskreis „Jusos gegen Rechts“ in der Region Hannover. Vor allem in Kleefeld und in der Südstadt seien die rechtsradikalen Werbeträger häufig zu sehen. Der Nordstädter Köster hat sich den Südstädtern bei ihrem Rundgang durch das Viertel angeschlossen: „Es ist besser, wenn wir in einer größeren Gruppe unterwegs sind.“ Bei einer früheren Aktion seien sie von Neonazis verfolgt worden, berichtet Straßburger. Vermutlich gehörten diese zu einer Gruppe, die sich seinen Beobachtungen nach regelmäßig am Altenbekener Damm trifft.
Auf den Juso-Etiketten sind durchgestrichene Hakenkreuze zu sehen oder Sprüche wie „Hier klebte zuvor ein Nazi-Aufkleber“. Die „braunen“ Aufkleber finden sich am Altenbekener Damm, etliche davon direkt vor dem Jugendtreff; sie hängen in den Fenstern der Sporthalle der Peter-Petersen-Schule, entlang der Heinrich-Heine-Straße oder am Geibelplatz. Besonders häufig sind Aufkleber der Neonazigruppe „Besseres Hannover“ zu sehen. Die Gruppe machte unter anderem im März als Herausgeber einer rechtsradikalen Zeitschrift auf sich aufmerksam, die sie vor Schulen in Hannover verteilte. Ihre Aktivitäten waren es unter anderem, die den Bezirksrat Südstadt-Bult zu seiner im Juni verabschiedeten Resolution gegen rechts bewegten. Wie berichtet, fordert das Gremium darin hannoversche Vereine auf, per Satzung die Aufnahme von Mitgliedern mit rechter Gesinnung zu verhindern.
Auch Werbeaufkleber der NPD sind in der Südstadt zu finden oder solche, für die ganz offen der Hildesheimer Rechtsextremist Dieter Riefling als Verantwortlicher zeichnet. Im Juni hatte die Polizeidirektion Hannover eine von Riefling angemeldete Neonazi-Demonstration in der Innenstadt verboten. Und dann gibt es Aufkleber, die zunächst unverfänglich auf einen Versandhandel mit „Wikinger“-Produkten verweisen. Dahinter steckt ein professionell organisierter Internetshop, der Etiketten, Kleider oder Musik mit rechtsradikalem Inhalt vertreibt. „Der wird von Rechtsextremisten betrieben“, bestätigt Anke Klein, Sprecherin beim niedersächsischen Verfassungsschutz. Weil der Internethandel seinen Server aber im Ausland stehen habe, könne er von deutschen Behörden nicht geschlossen werden.
Dass die Südstadt ein Schwerpunkt von Werbefeldzügen der Neonazis ist, kann Frank Lochter nicht bestätigen. „Die Aufkleber tauchen von Garbsen bis zum Kronsberg auf“, sagt der Leiter des Fachkommissariats Rechts- und Linksextremismus der Polizeidirektion Hannover. Gut möglich, dass in Wohnortnähe einzelner Neonazis mehr Schildchen auftauchten: „Aber sie beschränken sich nicht auf einzelne Stadtteile.“ „Die Südstadt ist sicher keine Neonazi-Hochburg“, findet auch Lasse Per Peterson von den Jusos. „Aber wir sehen hier mehr Werbung als anderswo.“ Und darauf will die SPD mit einem „Aktionstag gegen Rechts“ aufmerksam machen: Am Sonnabend, 7. August, informieren SPD und Jusos von 11 bis 16 Uhr mit einem Stand auf dem Heinrich-Heine-Platz.
Marcel Schwarzenberger
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Kommentare
... johannes – 14.08.10
Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungenJusos Kläger – 07.08.10
Diese ganze Aktion ist voll der Schwachsinn.Warum man Überkleben muss. DocB – 06.08.10
Lieber TB,grds. hast Du ja Recht: Am besten wäre es, wenn jeder der so nen Nazi-Aufkleber sieht in sofort entfernt und gut ist.
Da das aber nicht so ist, gibt es ein Problem: Aufkleber hinkleben: 3 Sekunden, Aufkleber abkratzen 5 Minuten. Ergo, kann ein Nazi, dutzende Demokraten (in diesem Fall Jusos) mit wenigen Stunden Einsatz Tagelang beschäftigen. Also bleibt den Gegnern nur übrig, eben diese Strategie zu wählen.
VLG
DocB
Jusoaktion Herbert Frahm – 06.08.10
Tolle Aktion der Jusos! Wie sagte schon Friedrich Ebert: eine Demokratie braucht Demokraten! Da können wir uns alle in der Südstadt und auch sonstwo eine Scheibe von abschneiden, couragiert und mutig! Hoffentlich sind nun viele Bürgerinnen und Bürger sensibilisiert und machen auch mit beim überkleben mit was auch immer.Diejenigen die die Jusoaufkleber stören können sie ja auch einfach mitsamt den darunterliegenden rechtsextremen Aufklebern entfernen dann ist allen geholfen.
Schön, dass es solche engagierten Jugenliche (noch/wieder) gibt!!!
Gegen Rechts David N. – 05.08.10
Parteiwerbung hin oder her, ich finde es super, dass ihr diese Aktion ins Leben gerufen habt. Weg mit den Nazi-Aufkleber. Heutzutage ist es doch egal, wie er aussieht, welche Haarfarbe, welchen Hauttyp oder welche Herkunft einer hat. Ich hoffe und glaube, dass es zwar immer Nazis geben wird, aber diese zum Glück nichts ausrichten können.Dafür sind wir in der heutigen Zeit einfach zu schlau. Und nicht so wie im 2. WK.
Lieben Gruß an den, der auf dem Bild ist ;-)
David N.
Super Sache demsoz – 05.08.10
Die Aktion der Jusos ist richtig und wichtig. Natürlich könnte man die Aufkleber mit Blümchen bekleben, aber: Es soll hier auch darum gehen, sich der Ausbreitung von Nazis in öffentlichen Räumen bewusst zu werden UND damit auch aktiv zur Mitarbeit gegen Rechtsextremismus, sei es in demokratischen Parteien, Initiativen, Vereinen oder spontanen Aktionen mit Freunden.... ... – 05.08.10
Ein gute Aktion, aber auch eine schöne Werbung für die Jungsozialisten...ganz uneigennützig ist das sicher nicht!In der Wiederholung liegt die Vertiefung? Johannes – 05.08.10
Wäre es nicht schöner, die hässlichen Aufkleber mit den unschönen Symbolen einfach mit Blümchen oder einem schönen Gruss zu überkleben, anstatt darauf hinzuweisen was zuvor dort geklebt hat, oder, wie der erste kommentator schon vorgeschlagen hat, den Aufkleber einfach zu entfernen.Der Hinweis, das ein rechter Aufkleber mit dem unsäglichen Symbol hier überklebt wurde, indem man darauf hinweist und das Symbol - zwar durchgestrichen - nocheinmal zeigt, fordert doch dazu auf, nach den Orginalaufklebern zu suchen und könnte eine werbewirksame Aktion werden.
Aufkleber TB – 05.08.10
Eins vorweg: ich mag die Nazi-Aufkleber nicht. Bevor jetzt hier gleich die Nazikeule geschwungen wird. Aber: hoffentlich kommt mal Jemand auf die Idee, den jungen Mann zu fragen, warum er Aufkleber in der Gegend herumklebt. Dann auch noch mit Parteiwerbung. Das kann so definitiv auch nicht richtig sein. Soll er halt vorsichtig die alten Aufkleber entfernen ohne dabei den Untergrund zu zerstören. Aber Aufkleber auf Aufkleber? Das geht ja gar nicht.......... Nutzername von der HAZ.de-Redaktion gelöscht – 05.08.10
Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungenDanke! Andreas – 05.08.10
Eine sehr gute Aktion der Jusos, wofür man ihnen nicht oft genug danken kann. Das braune Pack darf in Hannover keine Chance haben!