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Sie brennen für Ton

Südstadt Sie brennen für Ton

Die Keramikwerkstatt „Two Lives Einklang“ in der Südstadt ist ein Ort für Kreative – und alle, die es werden wollen. Ein Besuch.

Schlägerstraße 29, Hannover 52.36342 9.7519
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Kunstatelier und offene Werkstatt in einem: Bei Silke Klein und Jan Larkins (v. li.) treffen sich jede Woche Freunde des Werkstoffs Ton.

Südstadt. Zugegeben, es gibt da diese winzige Stufe am Eingang, weshalb „barrierefrei“ kein offizielles Attribut für die Keramikwerkstatt „Two Lives Einklang“ ist. Aber auch Rollstuhlfahrer erreichen das Atelier. Oder neugierige Passanten, die durch die im Sommer stets offene Tür einen Blick in die Werkstatt werfen wollen - um sich dann im Reich des Künstlerduos Silke Klein und Jan Larkins wiederzufinden. Meist umgeben von Fans eines uralten Werkstoffs, aus dem dies wahre Kunststücke fertigen. Viele Stücke entstehen in Arbeitsgemeinschaften (AG), an denen jeder teilnehmen kann. Seit 2004 pflegt die Keramikkünstlerin Klein in der Südstadt das Konzept einer offenen Werkstatt.

Die Pädagogin arbeitet seit gut 30 Jahren mit Ton. Längst ist sie als Künstlerin tätig, aber ein gewisser Bildungsauftrag ist geblieben. „Mit einem Material wie Ton können Menschen kreativ werden“, sagt die Mittfünfzigerin. Als sie vor gut zehn Jahren das Atelier eröffnete, war Larkins schon als Praktikant dabei. Der 26-Jährige töpfert nach wie vor mit Leidenschaft. Als Grafikdesigner gestaltet er auch viele Entwürfe der beiden Künstlerlabels „Bulle & Baer“ und „Zeitgeister“, mit denen das Duo öffentlich auftritt und auch Stücke für die HAZ-Weihnachtshilfe produziert.

In diesem Jahr sind Baumanhänger aus Keramik geplant. Ein Motiv zeigt einen Austräger der hannoverschen Straßenzeitung Asphalt. „Die Figur soll Sympathie wecken, aber auch zum Nachdenken anregen“, sagt Klein. Ob das Motiv einem der neuen Atelierbesucher nachempfunden ist, bleibt das Geheimnis der Künstler.

Seit einiger Zeit schaut ein wohnungsloser Mann bei Klein und Larkins vorbei. Er hat sich als begabter Hobbykünstler erwiesen und töpfert robustes Schuhwerk oder den tönernen Kopf einer Wasserpfeife. Der ist als kleiner Punk gestaltet, der breitbeinig, mit hochgerecktem Kopf und einer Ratte auf der Schulter selbstbewusst in die Welt blickt. Die Punkszene, meint Klein, liege dem Mann halt am Herzen.

Die Seelzerin Heidrun Koch kommt fast jede Woche zum AG-Treffen in die Südstadt. „Über sechs Jahre lang inzwischen“, berichtet sie. Eine Arbeitskollegin hatte ihr den Tipp gegeben. Inspiriert von Bildern künstlerisch gestalteter Zaunreiter in einem Magazin wollte Koch sich in Arbeit mit Ton versuchen. Kochs Gartenzaun ist längst mit bunten Tierfiguren geschmückt. Sie ist noch immer Stammgast im Atelier. Unter anderem, weil es daheim nicht immer genug Platz und Werkzeug gibt. „Es ist auch die Gemeinschaft“, sagt Koch. Viele Teilnehmer kommen seit Jahren in die Werkstatt. Sie bezahlen einen kleinen Stundensatz für Material und Werkzeug; die fachlichen Ratschläge des Künstlerduos gibt es dazu.

Das Atelier ist Treffpunkt, Kontaktbörse für Gemeinschaftsprojekte und Lernort zugleich. „Es ist ein Schlaraffenland für Tonhandwerker“, sagt Brigitta Przybilla. Sie war Lehrerin für Englisch und Geschichte und arbeitete schon im Studium mit einer Töpferin zusammen. Die Arbeit mit Ton mochte sie nicht mehr missen. Weil aus Ton etwas Ausdrucksvolles entstehe, sagt sie. „Ohne Worte, einfach aus Ideen in meinem Inneren.“

So manche Besucherin sieht im Töpfern denn auch etwas Meditatives. Für andere ist das Atelier dagegen ein Tor zu ungeahnter Kreativität. Eine Geschichte geht so: Vor Jahren feierte eine Gruppe von Herren um die Vierzig, allesamt aus dem Umland, den Geburtstag ihres Freundes in der Stadt. Die Ehefrau des Jubilars schickte die Männer auf Überraschungstour und drückte ihnen eine Adresse in die Hand. „Ahnungslos standen sie vor meiner Tür“, sagt Klein. Statt Party oder Sport gab es Schnittchen, kühles Bier und jede Menge Ton. Aus überraschten Männern wurden in kürzester Zeit begeisterte Tonkünstler, die um die schönste Figur wetteiferten.

Die Werkstatt an der Schlägerstraße 29 hat feste AG-Zeiten: montags von 9.30 bis 12.30 Uhr, dienstags von 15 bis 19 Uhr freitags von 18 bis 21 Uhr. Hinzu kommen Wochenendangebote, Nachttöpfern (ab Herbst) und Workshops sowie besondere Brenntage. Anmeldungen werden unter Telefon (0511) 6 00 73 69 oder im Internet unter www.two-lives-einklang.de angenommen.

Von Marcel Schwarzenberger

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