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Leinebrücke soll nach Einsiedler benannt werden

Döhren Leinebrücke soll nach Einsiedler benannt werden

Einst überquerte die Bahn der Döhrener Wollwäscherei die Eisenbrücke an der Leine-Insel. Nach einem Vorschlag des Bezirksrats soll sie künftig an den Einsiedler erinnern, der viele Jahre zurückgezogen in der Masch lebte.

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Die Leinebrücke ist heute ein beliebter Übergang ins Grüne. Bald soll sie „Einsiedler-Brücke“ heißen.

Quelle: Zgoll

Döhren. Einer bislang namenlosen Eisenbahnbrücke an der Leine-Insel, über die bis Anfang der siebziger Jahre noch die Werksbahnen der Döhrener Wollwäscherei- und kämmerei rumpelten, soll nach dem Willen des Bezirksrats Döhren-Wülfel die Bezeichnung „Einsiedler-Brücke“ verliehen bekommen. Einen entsprechenden interfraktionellen Antrag an die Stadtverwaltung hat das Gremium in seiner jüngsten Sitzung einstimmig verabschiedet. Der Name erinnert an den Sonderling Edelbert Aselmann, der 25 Jahre in der Leinemasch gehaust hatte – einige Zeit auch in einem nur wenige Meter von der Brücke entfernten Bunker.

Hundert Jahre lang, zwischen 1872 und 1972, war auf der Leine-Insel mit der Döhrener Wolle einer der bedeutendsten Industriebetriebe des Stadtteils beheimatet. An die 2000 Menschen arbeiteten hier zeitweise, Wolle aus aller Welt – sogar aus Australien – wurde hier gereinigt und weiterverarbeitet. Die Werksbahn dampfte von den Fabrik- und Verwaltungsgebäuden am heutigen Döhrener-Wolle-Platz über die – kurz nach der Jahrhundertwende eröffneten – eiserne Brücke weiter über das Werksgelände auf der Insel und über eine zweite Leinebrücke an einer Lagerhalle für Wolle vorbei; dann ging es auf der Trasse der heutigen Neckarstraße Richtung Osten, bis die Bahn Anschluss an die Eisenbahngleise der Nord-Süd-Hauptstrecke fand.

Nahe der Straße „An der Wollebahn“ existierte damals ein großes Kohlelager; wenn ein Zug mit Brennstoff oder frischer Rohwolle für die Wäscherei die Hildesheimer Straße querte, musste die Hauptstraße kurzfristig für Autos und Straßenbahnen gesperrt werden. Wenige Jahre vor der Werksschließung 1972 wurden die zwei Dampfloks durch ein dieselbetriebenes Modell ersetzt. In den achtziger Jahren entstand auf der Leineinsel ein neues, hochpreisiges Wohnviertel. Die kleine Eisenbahnbrücke im Westen wurde zu einer lauschigen Flussquerung für Fußgänger und Radfahrer, die nun den aus Hemmingen kommenden Johann-Duve-Weg mit der Leine-Insel verbindet.

Der Kontrast zwischen der früheren Nutzung der Brücke als industriell genutztem Verkehrsweg unmittelbar neben einem riesigen Betrieb, der mit viel Lärm und nicht immer angenehmen Gerüchen auf sich aufmerksam machte, und dem nun auserkorenen Namensgeber, dem sehr zurückgezogen lebenden Edelbert Aselmann, könnte kaum größer sein. Der 1929 geborene Einsiedler hauste seit Mitte der siebziger Jahre in verschiedenen Unterkünften in der Leinemasch.

Gelbe Gummistiefel, wallender Bart, zerlumpte Kleidung und Stummelpfeife – das auch als „Waldmensch“ oder „Höhlenmensch“ bekannte Unikum sah wahrlich zum Fürchten aus, war aber harmlos. Kinder neckten ihn, Jugendliche trieben böse Späße mit ihm, ein Kontaktbeamter der Polizei, ein Jagdpächter und wohlmeinende Döhrener Bürger aber versorgten den Kauz mit Essen. Ende 2000 starb Aselmann vermutlich aufgrund eines durch eine Krankheit verursachten Unfalls, sein Leichnam wurde später in der Leine gefunden. Der Stadtteil-Historiker Günter Porsiel, der den Sonderling viele Jahre kannte und betreute, schrieb eine Biografie über ihn. Und in der Sophien-Residenz an der Wülfeler Wiehbergstraße 49 ist eine Aselmann-Figur der Döhrener Künstlerin Hildegard Wegner ausgestellt.

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