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Kundgebung

Mittelfelder demonstrieren gegen Gewalt in der Stadt


Bürger aus Hannover-Mittelfeld wollen gegen die zunehmenden Gewalttaten in der Stadt demonstrieren. Das Pikante: Die NPD ruft ihre Anhänger im Internet zur Teilnahme auf. Die Veranstalter distanzierten sich von dem Aufruf.

Bürger aus Mittelfeld werden am Sonnabend ab 14 Uhr auf dem Rübezahlplatz gegen die zunehmenden Gewalttaten in der Stadt demonstrieren. Unter dem Motte „Hannoveraner haben Angst“ wollen sich rund 60 Menschen an der von Privatleuten geplanten und bei der Polizei angemeldeten Aktion beteiligen. Offenbar versucht die hannoversche Ortsgruppe der rechtsradikalen Partei NPD diesen Bürgerprotest für ihre Zwecke zu nutzen. In einer intern verbreiteten E-Mail, die der HAZ vorliegt, rufen sie ihre Anhänger dazu auf, möglichst zahlreich an der Kundgebung teilzunehmen. „Ich möchte diese Leute nicht dabei haben und werde sofort einschreiten, wenn sich einer von ihnen zu Wort meldet“, sagte Sandra Grethe, die den Protest organisiert hat.

Sie war im Juni Opfer einer gewaltsamen Auseinandersetzung in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft geworden. Ein Streit zwischen zwei Familien aus Mittelfeld ist am Sonntag eskaliert. Die 37-Jährige, die mit ihrem Sohn allein in einer Wohnung in der Straße Görlitzer Hof lebt, hatte sich damals bei den Nachbarn beschwert. Denn deren Kinder schossen auf dem Hof mit einem Fußball ununterbrochen gegen ein Garagentor aus Metall. Die Eltern der Straßenfußballer reagierten wenig verständnisvoll. „Sie sind sofort mit den Fäusten auf mich los und haben mir zahlreiche Prellungen zugefügt“, sagt Grethe.

Erst die Polizei, die von Augenzeugen gerufen wurde, konnte die Auseinandersetzung beenden. Seitdem wird gegen alle Beteiligte wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Inzwischen liegt beiden Familien eine Entscheidung des Amtsgerichts vor, wonach sich die Betroffenen aus dem Weg zu gehen haben. „Doch die Beschimpfungen durch die Nachbarn hörten trotzdem nicht auf“, erklärte Grethe. Nachdem die Verprügelte wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden war, schrieb sie alle Parteien an, „weil die Gewalt in dieser Stadt offensichtlich überhand nimmt und keiner etwas dagegen tut“, sagte sie. Bislang hat die alleinerziehende Mutter keine Antworten auf ihre Briefe erhalten. „Deshalb habe ich die Demonstration auf die Beine gestellt“, sagt Grethe.

Unterstützt wird sie, nach eigenem Bekunden, von Nachbarn und Bekannten, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. „Sogar Polizeibeamte werden immer häufiger tätlich angegriffen – darauf wollen wir aufmerksam machen“, so die Organisatorin. Die Polizei wird heute am Rübezahlplatz das Geschehen genau beobachten. Bislang hatten die Beamten keine konkreten Hinweise darauf, dass sich Neonazis und NPD-Anhänger unter die Demonstranten mischen. „Wir sind aber natürlich wachsam und werden alles tun, um eine Eskalation zu verhindern“, sagte einer der zuständigen Ermittler.

Tobias Morchner

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